Montag, 19. Oktober 2020

Die Abenteuer des Huckleberry Finn

Penguin Classics 332 Seiten, first published 1884
 

Ich habe Huckleberry Finn gelesen und obwohl ich die Geschichte per se ja irgendwie kannte, war das Buch dann doch komplett anders.  

Die abenteuerreiche Geschichte um Huckleberry Finn ist irgendwie ins Vergessen geraten, als ich noch Kind war, gab es eigentlich kaum jemanden, der nicht Huckleberry Finn las oder eine filmische Adaption davon im TV anschaute und dabei ist die Erzählung so wundervoll und hat neben dem großen Abenteuer auch viel Humor zwischen den Seiten versteckt. 

Das Buch  wurde in der 1. Person geschrieben und Huck nimmt hier selbst die Erzählperspektive ein und vermittelt der Leserschaft direkt was ihm einen Sommer lang in den Südstaaten von Amerika widerfahren ist. Mark Twain verwendet dabei in der gesamten Lektüre die Umgangssprache und obwohl ich ja mit so manchen Sprachvarietäten in den Büchern meine Probleme hatte, hat das bei Huckleberry Finn  für mich irgendwie gut funktioniert und machte die Lektüre zu einem authentischen Lesevergnügen. 

Insgesamt würde ich die Lektüre mit 4 von 5 Sternen bewerten, ich mochte zwar Hucks rebellische Attitüde, aber  die vielen Kapitel, in denen  Huck Finn Zeit  um die beiden Charaktere The King & The Dude verbringt, waren viel zu langatmig  und die besagten Charaktere sind dann zudem auch nicht unbedingt angenehm. 

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen, vor allem weil mich der erste Abschnitt des Buches total verzaubert hat. Darin lebt Huck am Missouri River in der Obhut zwei älterer Frauen, nämlich der Witwe Douglas und ihrer Schwester Miss Watson, die stets darum bemüht sind Huck zu zivilisieren und vor allem zu missionieren, ihm Tischmanieren beizubringen und ihn höflich zu machen. Huck ist hier erst 14 Jahre alt, etwas einfältig und wild. Viele Kapitel des ersten Abschnittes haben mich zum Schmunzeln gebracht, vor allem als Huck sich  schließlich Tom Sawyer und seiner Bande anschließt. Ihre kindlichen Pläne jemanden zu kidnappen und Lösegeld zu forden waren einfach urkomisch. 

" Its lovely to live on a raft. We had the sky, up there, all speckled with stars, and we used to lay on our backs and look up at them, and discuss about whether they was made or only  just happened" S. 133

Die Charaktere in diesem Buch sind authentisch, sie sind teilweise so echt, dass man von Anfang an ein Teil der erzählten Welt wird und für den Leser existiert dieser Huck auf einmal wirklich. Vielleicht liegt dies daran, dass Huck die Geschichte ja selbst erzählt, aber ich habe richtig mitgefiebert mit Huck, ich war frei und konnte die Sonnenstrahlen der Südstaaten spüren, ich habe in meinen Träumen auf einem Floß geschlafen und mich über den Sternenhimmel gefreut und gewundert und ich hatte Mitleid mit Huck als eines Tages schließlich sein nutzloser Vater auftaucht, und umso mehr habe ich mich gefreut, als er diesem entkommen konnte und sich auf einem Floß davonmachte.

Ich habe online eine Menge Rezensionen über Huckleberry Finn gelesen und kann die Kritik zu diesem Buch überhaupt nicht nachvollziehen. Darin wird Mark Twain sehr oft für die verwendeten Ausdrücke "Nigger" und auch für die Charakterisierung des Sklavens Jim, der nur durch Huckleberry Finns Eindrücke porträtiert wird, getadelt. 

Das Buch wurde zwischen 1835 und 1845 geschrieben und spiegelt eigentlich wie jeder Klassiker die damalige Zeit wieder und ist somit historisch akkurat. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum man sich daran stört, es ist Geschichte und Literatur ist ein Spiegel der Zeit und muss so belassen werden, wie es war/ist als die jeweilige Lektüre geschrieben worden ist. Die Verwendung von Ausdrücken wie "Nigger", um den Sklaven Jim zu beschreiben ist einfach sehr realistisch und gibt dem Buch die gewisse Authentizität. Huckleberry Finn ist als Charakter ein einfacher Geist, der diese Ausdrücke nicht hinterfragt. Dies war vermutlich damals so und die breite Masse hat es nicht besser gemacht. Eine Änderung dieser Ausdrücke, um das Buch politisch korrekt zu machen, würde erstens Huckleberry Finn als Charakter total ändern und zudem hätte das Buch als Spiegel der damaligen Zeit eine große Portion an Authentizität verloren. 

Huckleberry Finn ist ein Zeitroman, in dem Mark Twain  Themen wie Rassismus und Identität erforscht und dabei  indirekt einen kritischen Blick auf das soziale Klima des 19. Jahrhunderts gibt. Es ist eine schöne Lektüre, die einen Blick auf eine Zeit wirft, die es nicht mehr gibt und mit dieser Leitidee sollte das Buch meiner Meinung auch gelesen werden!

★ sehr lesenswert :)

Kommentare:

  1. Gute Idee! Habe ich in meiner Kindheit immer sehr gerne gelesen und suche gerade fürs Französisch lernen mir bekannte Bücher um den Inhalt besser zu verstehen... Huckleberry ist bestellt:)

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    1. Ooh, viel Freude beim Lesen! Ich hab es sehr gern gelesen ^^ Und die Geschichte ist dann als Erwachsener auch wieder ganz anders, ich hatte auch schon vieles davon vergessen gehabt.

      Lg Tinka

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