Mittwoch, 19. August 2020

Cakes and Ale


Penguin Books 651  Published 1948; reprint 1977
Penguin Books 1948, 209 Seiten


Cakes and Ale ist mein erstes Maugham Buch und hat mir sehr gut gefallen. Wenn man sich nur irgendwie für Englische Literatur interessiert, kommt man eigentlich kaum vorbei an diesem Schriftsteller. Er ist einer, der das England, so wie wir es kennen, förmlich mitgeschrieben hat. Literatur hat nämlich sehr vieles zum Erscheinungsbild der Insel im Atlantik beigetragen. Wenn man von England spricht, spricht man auch von Tennyson und Shakespeare, Queen Victoria und Henry VIII, von Städten mit Häusern, die aus Torf gemacht sind, voller Erinnerung an Dinge, die für immer unverändert blieben und von Menschen, die den Fortschritt misstrauisch beäugen als ihn willkommen zu heißen, in dem Wissen, dass man sich bemüht, eine Ordnung zu bewahren, die alt und altmodisch ist und sich angenehm anfühlt, auch wenn sie manchmal einschränkt. 

Cakes and Ale nimmt uns mit in die Heimat der Bigotterie und ist voller Skandale, Affären, gescheiterter Ehen, Korruption und Gewalt. 

In Maughams Buch steht die Figur der Rosie Driffield im Kontrast zu ihrer Umgebung und der Menschen, die darin leben. Ihre Offenheit, Ehrlichkeit und sexuelle Freiheit machen sie zur Zielscheibe konservativer Angemessenheit. Einzig der Erzähler dieser Prosa Mr. Ashenden behandelt Rosie zuvorkommend, und dies nicht zuletzt, da er selbst mit ihr eine Affäre anfängt. Letztendlich enthüllt aber diese Affäre das Verständnis für Rosies Charakter, die wie eine Muse von ihren Verehrern gefeiert wird. Einer davon war auch der bekannte Schriftsteller Edward Driffield, der aber zu Beginn der Erzählung ins Gras beisst. So wird nun Mr. Ashenden von den Verwandten Edward Driffields dazu beauftragt seine Biografie zu schreiben. 

"Everything was soft about her, her voice, her smile, her laugh, her eyes, which were small and pale, had the softness of flowers, her manner was as soft, as the summer rain. She had the serenity of a summer evening when the light fades slowly from the unclouded sky" 

Indem sich also Mr. Ashenden in die Vergangenheit von Driffields Leben begibt, lernt die Leserschaft ein England kennen, das gar nicht einmal so weit weg zu sein scheint, denn viel hat sich nicht verändert. Die Affären der Lords, der Spagat zwischen den Gesellschaftsschichten, der tagtägliche Tratsch und Klatsch sind geblieben und so muss der Ich-Erzähler nun unterscheiden zwischen Wahrheit und dem, was man sich so über Edward Driffield erzählt und doch muss er taktisch wählen, weil er das Bild eines der bekanntesten Schriftstellers Englands wahren muss. 

"It must be that there is something naturally absurd in a sincere emotion, though why there should be I cannot imagine, unless it is that man, the ephemeral inhabitant of an insignificant planet, with all his pain and all his striving is but a jest in an eternal mind". 

Die Informationen in dieser Lektüre werden häppchenweise preisgegeben und zu Beginn hat man überhaupt keinen Plan worüber denn das Buch nun handeln wird. Ich hab das Buch in einem Verschenk-Laden gefunden und nur wegen dem schönen Titel Cakes und Ale mitgenommen. Irgendwie dachte ich mir auch nicht, dass ich es wirklich fertig lesen werde, aber nach den ersten 10 Seiten hatte mich W.Somerset mit seinem unwiderstehlichen Erzählsog total mitgerissen und ich konnte das Buch dann nicht mehr weglegen. Als Alroy Kear den Ich-Erzähler zu sich bittet, rätselt man nämlich, was der Sinn der Einladung ist, denn der gute Herr spricht über Gott und die Welt und will nun wirklich nicht zum Thema kommen, jedoch als der Tee endlich serviert wird, kommt er dann doch zur Sache und der Leser kann sich zurücklehnen und die Erzählung nimmt ihren Lauf. 

Geboten wird ein lang andauerndes gemächliches Geplauder und eine nette Literatursatire, die zum Schmunzeln verleiht. W.Somerset schreibt sehr angenehm und er lullt den Leser richtig ein, es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf die betroffen machende Geschichte von Erinnerung und Tradition zu konzentrieren. Cakes and Ale ist eine Geschichte voller Geschichten, die sich kreuzen, zusammen ein Stückchen des Weges bzw. des Romanes gehen und sich wieder trennen, aber im Großen und Ganzen nicht ohne einander existieren können. Somit ist die Geschichte Edward Driffields auch eine Geschichte seiner Zeitgenossen und der Umgebung in der er lebte. Der Leser erfährt also so einiges, das sich in dem kleinen Küstendörfchen Blackstabel ereignet hat und erkennt darin vielleicht seine eigenen Nachbarn wieder. Gewürzt wird das Ganze von ganz eigenartigen Charakteren, die man nun mal so in Englischen Büchern findet. Jeder davon hat Leichen im Keller und ihre Geheimnisse werden nach und nach enthüllt. Einfach spannend finde ich ! 

Für mich war dieses kurze Buch eine schön erzählte Lektüre und der Stil des Autors erinnert an so manchen Schmöker, mit dem man sich gern die Zeit vertreibt, weil das Lesen einfach Spaß macht und die bildhafte Sprache macht es leicht dem Erzählten gut zu folgen. W.Somerset vertraut auf die eigene Erzählkunst und kommt ohne viel Schnick Schnack aus, die langsame Erzählweise , das sich nach und nach dem Kern Nähern, lässt einfach bewegende Bilder vor uns entstehen und man kann das Buch nicht mehr beiseite legen. 

★ verschlungen!

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