Montag, 27. Juli 2020

Zwei alte Frauen

PIPER Verlag 2019, illustriert mit 119 Seiten

Mich hat im Juli die Leselust wieder heftig gepackt, ganze 6 Bücher habe ich gelesen, aber leider kaum die Zeit gefunden, um hier darüber zu schreiben. In meinem Notizbuch führe ich immer eine Liste mit Büchern, die ich lesen will und Velma Wallis Buch war da schon sehr lange vertreten. Leider kam ich nie dazu das Buch zu lesen, weil ich darauf gewartet habe es gebraucht irgendwo zu finden, aber es scheint so, dass es kaum gelesen wird und deswegen auch nirgends auftauchte in den 2nd-Shops, die ich abklapperte. Und auch im Netz gab es nicht viele Ausgaben und diejenigen, die ich fand, kosteten meist gleich oder mehr wie eine neue Ausgabe. So kam es also, dass ich mir das Buch neu bestellen musste, dies bereue ich aber in keinster Weise, denn das Buch ist wirklich gut!

Bei der Lektüre "Zwei alte Frauen" handelt es sich um eine Legende, die Menschen über viele Jahre ihren Zeitgenossen tradierten und kaum jemand im Athabaska-Dorf am Yukon Fluss (Alaska) kennt die Erzählung nicht. Für uns Europäer ist dies natürlich alles weit weg und wenn man nicht gerade selbst ein Subsistenzenleben führt und sich für derartige Literatur interessiert, kommt man kaum dazu Velma Wallis Buch zu lesen. Mich haben schon immer Bücher fasziniert, in denen Menschen noch ursprünglich mit der Umwelt koexistieren, ihre Lebensbedürfnisse durch Jagen, Fischen, Handwerken und dergleichen decken. Irgendwo glaube ich, dass wir für so ein Leben bestimmt sind und viele Probleme der heutigen Welt daher rühren, dass wir uns schon zu weit von unserer Umwelt und Natur entfernt haben. 

Wallis führt uns mit ihrer Erzählung in genau so eine Welt. Wer leben will, muss dies mit der Natur tun oder sterben. Gleich beim Einstieg in die Lektüre schildert Wallis die raue Wirklichkeit der erzählten Welt und der Leser wird von einem eiskalten Hauch von wehenden Nordwinden in die Erzählung katapultiert

Die Luft lag scharf, schweigend und kalt über dem weiten Land. Schlanke Fichtenzweige bogen sich unter der schweren Last des Schnees und warteten auf ferne Frühlingswinde. Die froststarren Weiden schienen in der grimmigen Kälte zu erzittern. Fern dort oben in diesem scheinbar so unwirtlichen Land lebte eine Schar von Menschen, die in Felle und Tierhäute gekleidet waren und dicht um kleine Feuerstellen hockten. S. 14

Dieser bitterkalte Winter bringt die Erzählung aber ins Rollen, denn durch die Hungersnot, die der Winter mit sich bringt, beschließt der Häuptling, wie es auch das Stammesgesetz vorschreibt, die beiden ältesten Frauen als unnütze Esser zurückzulassen, um den Stamm zu retten. Schutzlos zurückgelassen und völlig auf sich allein gestellt, fühlen sich die zwei zunächst verraten, doch diese Traurigkeit gibt ihnen einen Starken Willen zum Leben und treibt sie an. Es entflammen in ihnen ureigene Fähigkeiten, die sie längst vergessen geglaubt haben und die zwei alten Frauen erwachen zu neuem Leben. 

Viel zu häufig wird das Leben in der Natur romantisch verklärt und heutzutage wissen wir eigentlich kaum etwas darüber, wie es wirklich ist. Mag ein Jäger oder Fischer noch so geschickt sein, das Leben in der Natur ist und bleibt ein Glücksspiel. Die kleinste Laune der Natur, ein zu früher Frost oder das Ausbleiben einer Lachswanderung kann Tod durch verhungern bedeuten.

Die beiden alten Frauen beginnen also Fallen zu stellen, aus Tierfellen warme Kleidung zu nähen und schlagen sich gemeinsam durch die bitterkalte Jahreszeit und überleben bis zum Sommer. Aber auch im Sommer können sie sich nicht einfach zurücklehnen und den Müßiggang pflegen, denn sie haben allerhand zu tun, um sich für den nächsten Winter vorzubereiten und der Sommer im hohen Norden fällt sehr kurz aus. So sind sie tagein tagaus beschäftigt und es bleibt wenig Zeit, um Trübsal zu blasen.

Das Buch zeigt, wie wichtig es ist (alte) Menschen nicht abzuschreiben, sondern ihnen eine Aufgabe zu geben, in der sie ihre Lebenserfahrung einbringen können. Das Leben hört nicht auf, nur weil man ein gewisses Alter erreicht hat und so erleben die zwei manches Abenteuer und dieses ständige Beschäftigt- Sein füllt ihre Tage mit Sinn und macht sie zufrieden und glücklich. Wenn sie sich am Abend in ihren Zelten in die Tierfelle kuscheln, tun ihnen zwar alle Gelenke weh, doch der Geist ist erfüllt und macht die Schmerzen vergessen.

Die Message dieser Erzählung ist simpel und leicht verständlich. Leicht verständlich ist auch die Lektüre geschrieben und der Leser wird von einem Ereignis zum nächsten geführt ohne zu wissen was die Zukunft bringt. So bleibt das Buch spannend und auch die beiden Frauen wachsen einem ans Herz und man fragt sich, wie ihr Schicksal ausfallen wird. Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass man im Leben eine Aufgabe braucht, um glücklich und zufrieden zu sein.

★ verschlungen!

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