Freitag, 12. Juni 2020

Jenseits aller Grenzen




Während ich so viele populäre Bücher und Serien liebe, sind manchmal total unbekannte und ins Vergessen geratene Bücher meine Favoriten. Richard Leos Buch hab ich einfach zufällig in einem Second Hand Shop in die Finger bekommen und schon allein wegen der Beschreibung auf der Buchrückseite mitgenommen. Alaska, Natur, Einsamkeit, Wildnis, Menschen auf der Suche nach Lebensinhalt - klar, musste das Buch mit !

Zu Hause angekommen, las ich dann auch recht schnell die ersten 50 Seiten und musste feststellen, dass es beladen ist mit Magie, Naturverbundenheit, Freiheit, Schnee und Kälte, Huskys und vielen anderen Dingen, die mir Spaß und Freude machen, weshalb ich dann auch beim Lesen sehr schnell das Gefühl hatte einen wahren literarischen Schatz ausgegraben zu haben. 

In diesem Buch beschreibt der Autor Richard Leo sein eigenes Leben, indem er aussteigt und zusammen mit seiner Freundin Melissa die Großstadt New York mit dem Leben in der unendlichen Einsamkeit Alaskas tauscht. Zu Beginn der Lektüre schildert der Ich-Erzähler und Autor sein Leben in der Großstadt New York, das einen Job im Büro enthält, Freunde und Familie und eine Frau an seiner Seite. Nichtsdestotrotz hat der Autor das Gefühl, dass ihm im Leben etwas fehlt. Er beschließt über Nacht New York zu verlassen und nach Alaska zu ziehen, da ihn seine Tagträume immer wieder in die vom Menschen verlassene Natur führen. In Alaska angekommen, bauen sie eine Blockhütte und leben zusammen mit ihrem kleinen Sohn Janus ein beschauliches Leben. Während die einfachen Dinge, wie die Schönheit der Landschaft, der Wechsel der Jahreszeiten und Fauna und Flora Richard Leo mit Glück und Zufriedenheit erfüllen, sehnt sich seine Freundin Melissa nach sozialer Interaktion und geistigem Austausch. Die Einsamkeit Alaskas ist zwar auch für sie am Beginn der Lektüre eine willkommene Auszeit, doch schon bald keimt in ihr das Gefühl auf davon erdrückt zu werden und sie verlässt Vater und Sohn schließlich, da ihr die lastende Stille unerträglich wird. 

Fortan spielt natürlich in der Lektüre der Bruch dieser Beziehung eine Rolle und wird immer wieder Thema sein, nichtsdestotrotz scheint dies kein Grund für Richard Leo dafür zu sein in Trübsal zu verfallen, wenn er doch von so viel Schönheit umgeben ist. So kommt es auch, dass ein einfacher Spaziergang mit dem Sohnemann durch die verschneite Winterlandschaft mit den Augen eines Menschen wiedergegeben wird, der den Schnee liebt, der das Glitzern des Eises für das vollkommenste Glück auf Erden empfindet und sich über Spuren von Elchen und Füchsen freut, wie ein Kind, das gerade die Fährte des Weihnachtsmannes gewittert haben muss. 

Es ist beneidenswert, wenn jemand mit so wenig so glücklich sein kann und diese Euphorie steckt an. Irgendwo auf Seite 110 oder schon vorher, hätte ich am liebsten meine Sachen gepackt und mich nach Alaska aufgemacht, um es ihm gleich zu tun. Richard Leos Buch ist inhaltlich wie stilistisch so konzipiert, dass das Lesen dieser Lektüre entschleunigt, mag es dadurch sein, dass der Autor eine angenehme Art zu Schreiben hat oder eben dadurch dass die Einsamkeit der geschilderten Landschaft und das gedämpfte Tip-Top von laufenden Schlittenhunden auf das Gemüt des Lesers abfärben. 

Gleichzeitig aber stellt man Richard Leos Welt zu seiner eigenen in Kontrast und muss verbittert feststellen, dass so wenige Menschen sich heutzutage über nicht materielle Dinge freuen können und man fragt sich, wohin diese Gabe eigentlich hin verschwunden ist, weil man ja prinzipiell gar nicht viel braucht, um glücklich zu sein.

Nach dem Lesen dieser Lektüre wurde man jedenfalls davon überzeugt, dass man wahres Glück finden kann, wenn man der Stimme seines Herzens folgt und es wagt sich fei zu machen, dafür, wofür man wirklich leben will. Dieser Wunsch lebt in vielen Menschen, jedoch haben die meisten einfach nicht den Mut, die geforderten Entbehrungen zu machen und somit geben sie sich lieber mit einem Leben ab, das sie zwar nie wirklich glücklich machen wird, dafür meinen sie sich aber in Sicherheit. Der Job, den sie haben, nervt zwar und frisst auf Dauer ihre Seele auf, doch zahlt er Rechnungen und deckt den Tisch mit Essen und erlaubt es im Warmen zu schlafen. 

Richard Leos Buch ist ein wundervoller Einblick ins Leben jenseits der Grenzen der Zivilisation (und modernden Welt). Es handelt vom Überleben in einer archaischen Wildnis, ist aber nicht zuletzt die bewegende wahre Geschichte von Vater und Sohn, die fern der Einflüsse des elektronischen Zeitalters und ganz frei von gesellschaftlichen Zwängen und Normen Freiheit und Glück finden. 

Ich empfehle dieses Buch jedem, der dem Wahnsinn von Großstadt und moderner Zivilisation überdrüssig geworden ist, jedem, der glaubt, dass es da noch mehr gibt als Konsum und Geld und jedem, der sich nach einer Auszeit sehnt in Stille und Einsamkeit. 

1 Kommentar:

  1. ohhh ja, dies Buch spricht mich durch deine Rezension seeehr an....
    da packt auch mch die Sehnsucht nmach Ferne, weite und einsamkeit und dem Glück diese mit allen Sinnen zu spüren...!
    gerade jetzt in all diesen unruhigen GEZEITEN in denen uns Corona---oder viel noch anders in die Isolation zwingt - ob freiwillig oder unfreiwillig aus eigenen Ängsten und Suchen nach Freiheit und nicht Gezwungensein dazu bringt nachzudenken was ist richtig, was falsch wie kommt man aus diesem Teufelskreis heraus.
    Sich zu überweinden weil man glaubt in einer gesicherten Exsistenzbesser zu fühlen ist ein gefährlicher Trugschluss, den es zu überwinden gilt.
    ich denke sich irgendwann auf das Wesentliche zu konzentrieren, auch wenn anscheinend Entbehrungen auf einen warten, ist der bessere Weg um zufrieden und glücklich zu sein.
    dieses Wirtschaftsdenken und der konsum weiter-schneller-höher und mehr macht fast alle Menschen eines schönen Tages kaputt, das kann nicht der richtige Weg ins Leben sein!"...
    scheint ein tolles Buch zu sein...danke für den wertvollen Tipp...
    herzlichst angelface..ich werde versuchen es mir zu besorgen!

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