Sonntag, 8. Dezember 2019

Lockruf des Goldes



Ich habe in letzter Zeit viele Bücher angefangen und nach wenigen Seiten wieder weggelegt, weil sie mich einfach nicht fesseln konnten. Irgendwie wollte ich dann doch wieder ein Buch lesen, das mich so fesselte, dass  ich wieder einmal die Nacht durchlesen sollte. Die Frage war nur welches? In solchen Situationen greife ich gerne auf alt vertraute Autoren zurück. Autoren, dessen Bücher mir fast immer gefielen und die ich immer weiterempfehlen könnte. Ein solcher Autor ist für mich Jack London

Das Buch "Lockruf des Goldes" erzählt die abenteuerreiche Geschichte des Protagonisten Burning Daylight, der zwar von seiner Gestaltung zunächst wie ein übermenschlicher und arktischer Held wirkt, sich aber dann im Verlaufe der Erzählung selbst findet und am Ende erkennt, dass das wahre Glück erst durch das Stillen unserer Sehnsucht nach dem reduzierten Leben im Einklang mit der Natur zu finden ist.

Eingeführt wird man in die Erzählung indem man Dylights Leben in Alaska kennenlernt, wo er sich schon einen Namen gemacht hat und von seinen Mitmenschen geachtet und gefeiert wird. Keiner kann wie er die körperlichen Strapazen der Schlittenreisen ertragen und keiner hat seine Kraft, seine unerschöpfliche Energie und den Wagemut. Zudem verbindet sich dies alles mit Freigebigkeit, Gutmütigkeit und Kameradschaftlichkeit - rundum machen diese Eigenschaften Burning Daylight zu einem beliebten Zeitgenossen unter den Menschen in Alaska.

Die langen, kalten und dunklen Abendstunden werden mit Spielen verbracht. Daylights Spielernatur verhilft ihm zu manchem Sieg und als er schließlich auch noch als Goldsucher Erfolg hat und zu großem Reichtum gelangt, verschlägt es ihn in die Großstadt, wo er sich ins Finanzwesen stürzt und lernt mit den großen Finanzhaien mitzuschwimmen. Dass dort aber nicht Redlichkeit und Rechtschaffenheit, sondern erbarmungsloser Kampf und Ausbeutung des Schwächeren herrschen, wird ihm sehr schnell bewusst.

Die moderne Gesellschaft war ein riesiger organisierter, auf Ausbeutung der Schwachen und Minderbegabten berechneter Schwindel. Arbeit, rechtmäßige Arbeit war die Quelle allen Reichtums, nirgends aber sah man die rauhhändigen Söhne der Arbeit sich ihrer Früchte erfreuen. Fuhren sie in eigenen federnden Automobilen, kleideten sich in feine seidene Stoffe? Tausende, Hunderttausende saßen Nächte hindurch und schmiedeten Ränke, um sich zwischen die Arbeiter und die von diesen geschaffenen Dinge zu drängen. Die Ränkeschmiede waren die Unternehmer. Ihnen fiel der Gewinn zu, der durch kein Gleichheitsgesetz geregelt, sondern nur ddurch ihre eigene Stärke und Gemeinheit bestimmt wurde. S. 124

Als er schließlich übers Ohr gehauen wird, muss er sich anpassen und fortan mit falschen Karten spielen. Jedoch färben nach und nach die Grausamkeit und Menschenverachtung dieser Geschäftswelt auch auf ihn herab. Sein Körper verfällt vom Büroleben und seine Seele wird krank vom Alkohol.



So wie auch in seinen anderen Büchern beschreibt Jack London in "Lockruf des Goldes" das Leben in der modernen Gesellschaft (vor allem dem Ort "Stadt") als trost- und hoffnungslosen Ort der Vereinsamung und Isolation, der Entfremdung der Natur, Gesellschaft und vor allem vor sich selbst. Der von der Wildnis gestaltete und geformte Burning Daylight wird von der Stadt in Besitz genommen, besessen, zu einem geldgierigen Geschöpf und sinnenbetäubten Charakter gemacht. Dies wird ihm natürlich nicht selbst bewusst. Erst als Dede Mason in sein Leben trifft, wird er mit dieser Entwicklung schleichend konfrontiert, indem er sich in sie verliebt und von ihr wieder zurück zur Natur geführt wird. Die Begegnung mit Dede Mason verhilft Jack Londons Erzählung im letzten Drittel des Buches dann auch zu einer Liebesgeschichte. Ob diese nicht ganz uninteressante Liebelei letztendlich ein Happy End findet, liest  man aber am besten selbst nach. Bis man aber erfährt ob die beiden zusammenkommen, muss die Leserschaft Geduld üben und dies macht auch das Buch dann besonders spannend, weil man natürlich hofft, dass sich Burning Daylight zu seinen Wurzeln besinnt und das Herz der Frau gewinnt.

Und da trat Dede Mason in sein Leben. Fast unmerklich. Er hatte sie ganz unpersönlich engagiert, so wie er seine Büroeinrichtung angeschafft, seinen Laufjungen und Morrison, den einzigen Kontoristen und sein Faktotum, engagiert hatte.  S.125

Insgesamt hat die Erzählung eine berechtigte Portion Kritik an der Lebensweise der Menschheit, die vor allem vom Geld bestimmt wird. Das Geld trübt unsere Sinne und entfernt uns von den kleinen Dingen, die aber das Glück letztendlich ausmachen. So erkennt Burning Daylight am Ende, dass das einfache Leben das richtige Leben ist und dass er (und wir Menschen) ein Teil der Natur sind.

Das Besondere an Jack Londons Büchern liegt in der restlosen Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit seiner Sprache und seinen Figuren. Auch wenn die Figuren oft unrealistisch erscheinen, haftet ihnen nicht wenig Mystik aus der Alltagsrealität an, was sie widerum erstens authentisch macht und zweitens interessant und drittens dann doch wieder greifbar. In Burning Daylights Fall zeigt sich dieses Phänomen einmal mehr und ich wurde wieder köstlich von Jack London unterhalten. Für mich müssen Romanfiguren einfach das Interesse an ihrem Schicksal wecken und über viele Seiten hinweg wachhalten. Dies gelingt Jack London hier wunderbar, indem er nicht nur eine spannende Figur kreiert, sondern seine Leserschaft an deren Abenteuern teilhaben lässt. So begleitet man Burning Daylight bei eisigen Temperaturen auf dem Schlitten durch Alaska, spielt mit ihm das Glücksspiel und kämpft um das Herz einer Frau und hofft dabei, dass alles ein gutes Ende finden möge. Ganz klar, dass man da das Buch nicht mehr weglegen kann.

★ verschlungen!

Kommentare:

  1. Jack London hab ich schon mit 14 verschlungen
    dann mit Mitte Zwanzig
    Ende Dreißig
    und Anfang Fünfzig
    damit ist er für mich ein Garant für aufregend gute lebendige Literatur...
    5 Punkte also die Höchstzahl vergeb ich gerne...
    liebe Grüße angelface

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    1. Huhu, also für mich ist er einer meiner Lieblingsautoren und ich habe alle seine Bücher total verschlungen. Hmm...ich liebe einfach Abenteuer-Romane und keiner kann das so gut umsetzen wie er finde ich. Es gibt so viele Bücher da draußen und dann ist da Jack London, der einfach purer Lesegenuss ist von der ersten bis zur letzten Seite hin. Von mir kriegt er also auch die Höchstzahl (:

      lg an dich zurück

      Tinka

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