Dienstag, 9. Oktober 2018

Als ich im Sterben lag

Penguin Classics, 207 Seiten 

William Faulkner stand schon so lange auf meiner To-Read-Liste, dass ich mich nun ernsthaft frage, warum es so lange gedauert hat, bis ich endlich ein Buch von ihm gelesen habe. Zur Auswahl standen neben Als ich im Sterben lag auch seine Romane Schall und Wahn und Licht im August. Der Grund, weshalb es dann das zuerst genannte Buch wurde, ist simpel: Ich hab das Buch spottbillig in einem Second Hand Shop ergattert. 

William Faulkner ist unabhängig der Buchauswahl ein begnadeter Schriftsteller, den man gelesen haben MUSS! In seinen Romanen setzt er den Fokus auf die Südstaaten Amerikas und bearbeitet Themen wie Bürgerkrieg, Religion und den damit einhergehenden Aberglauben und gibt gleichzeitig eine kritische Sichtweise auf die Dekadenz der Reichen im Kontrast zum Leben und Sein der restlichen ärmeren Bevölkerung. 

Auch in dem Buch Als ich im Sterben lag sind die Protagonisten eher einfältige Menschen, Träumer, Märtyrer und Abergläubige. Geschildert wird ein kurzer Abschnitt in Anse Bundrens Leben, das vier Söhne und eine Tochter beinhaltet. Die Familie steht vor der Aufgabe, die vor kurzem verstorbene Mutter/Frau mitsamt Sarg in ihr Heimatdorf zu befördern, um diese dort zu beerdigen. Dabei erzählt Faulkner kapitelweise aus Sicht der jeweiligen Figuren und der Leser erschließt sich die Handlung durch 59 innere Monologe, die schon aufgrund der unterschiedlichen Figuren alle total anders ausfallen. Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, war es manchmal aber recht mühsam das Buch zu lesen, weil die Figuren aufgrund der schlechten Bildung nicht richtig fähig waren, Sätze grammatisch korrekt zu generieren. Die Sprache bleibt somit eher flach und bis auf die Schilderung von kurzen Landschafts- und Naturbeschreibungen bleibt wenig Raum für poetische Sprache. Auch setzt Faulkner den Fokus nicht auf die Handlung, die in diesem Fall der Transport der Verstorbenen ist, sondern auf die Psychologie seiner Figuren. Wer also lieber Bücher mit viel Handlung und Spannung bevorzugt, wird sich mit Faulkner vermutlich langweilen. 

"When I was a boy I first learned how much better water tastes when it has set a while in a cedar bucket. Warmish-cool with a faint taste like the hot July wind in the Cedar trees smells"

Immerhin bleibt dem Leser bzw. der Leserin die Zerrissenheit genau dieser Figuren, ihre Träume, ihr Hass und ihre Verzweiflung und all das schildert Faulkner so ausgeklügelt psychologisch und ermöglicht dem Leser / der Leserin dadurch, ganz nahe bei der erzählten Welt zu sein. 

"The sun, an hour above the horizon, is poized like a bloody egg upon a crest of thunderheads; the light has turned copper: in the eye portentous, in the nose sulphurous, smelling of lightning" 

Diese schnörkellose Sprache, aber auch der  Perspektivenwechsel mag nicht bei jedem Leser bzw. bei jeder Leserin ankommen, hat man es aber geschafft, sich damit anzufreunden, macht das Buch Spaß und man erkennt in allem, dass Faulkner ein guter Kenner des menschlichen Lebens war. Ich habe für dieses Buch einfach aus mehreren Gründen Sympathie empfunden. In erster Linie war es so einfach geschrieben, aber zum dargestellten Milieu hätte eine andere Schreibweise auch einfach gar nicht erst gepasst. Das Gesamtkonzept aus Figuren, Stimmung und den Problemen, mit denen sie kämpfen und hadern ist harmonisch und man wünscht es sich nicht anders.

Rory Gilmore Reading Challenge: 64 von 300 gelesen ;)

★ verschlungen!

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