Donnerstag, 12. Oktober 2017

M Train - Erinnerungen

Kiepenheuer&Witsch / März 2016

Wenn ich Patti Smiths Buch M Train mit einem Satz beschreiben müsste, dann käme vermutlich something with meaning über meine Lippen. Ich kann gar nicht wirklich sagen, warum ich dieses Buch letztendlich lesen wollte, denn ich bin kein wirklicher Fan von Patti Smiths Musik. Leser meines Blogs dürften allerdings mitbekommen haben, dass ich sehr gerne Memoiren lese und nachdem ich mir im Internet einige Kurzbeschreibungen zum Inhalt durchgelesen hatte, wollte das Buch dann nicht mehr ausgelassen werden. Tatsächlich liest sich diese 328 lange Lektüre wie eine Art Tagebuch und indirekt lernt man durch das, was Patti Smith hier zu Papier gebaracht hat auch die Person der Smith genauer kennen. Man muss also kein Fan von Patti Smith sein, um diese Lektüre zu lesen und gut zu finden. 

Als hätte Patti Smith dem punk-lifestyle ewige Treue geschworen, schreibt sie hier frei nach Schnauze und ohne irgendwelche literarischen Regeln zu befolgen einfach über das, was ihr so in den Kopf fällt. Die 18 Kapiteln wirken dabei wie zusammengefasste Notizen, die sie während sie irgendwo auf den Bus warten musste oder ähnliches nieder geschrieben hätte. Und durchaus ist das Buch auch so entstanden, denn das meiste wurde in einem Cafe verfasst, während Patti mutterseelen allein mit ihren Gedanken und einer Schale Olivenöl, Toast und Kaffee über ihr Leben und die Welt sinnierte. Es ist ein echter Zeitroman, der Einblicke in die verschiedensten Abschnitte von Patti Smiths Leben enthüllt, das vom Standpunkt einer fast 70-Jährigen in die Vergangenheit führt, aber auch im Hier und Jetzt ist die Reise der Autorin nicht vollendet.  Stets wundert sie sich über das Leben und versucht auch als alte Frau es noch irgendwie zu begreifen. Und sosehr wir teilhaben an der Melancholie einer Frau, deren ganzes Leben bereits verpufft ist, sosehr ist dieses Leben doch auch voller Schönheit und Memories. Und dabei schreibt Patti eigentlich nur über ihre Leidenschaft zum Kaffee, zur Literatur und Büchern, die sie selbst las und nicht missen möchte und über Krimiserien. Immer wieder beteuert sie, wie schwer es ist über nichts zu schreiben und doch ist dieses Nichts, etwas, das voll gepackt ist mit Erinnerungen, Emotionen, Leidenschaft und Trauer. So kann ein einfacher schwarzer Mantel, versetzt durch eine eigene Biographie, doch schon etwas ganz Besonderes werden. 

Foto-Credit: New York Times

Wer schon einmal einen Songtext von Smith aufmerksam gelesen hat, der weiß, dass ihre von der Beat-Generation beeinflussten Texte und Gedichte wirklich gut geschrieben sind. Eine echte Poetin, mit der richtigen Denkweise. So erzählt sie auch in M Train manchmal verklärt, manchmal simple und dann wieder wortreich und mit der richtigen Portion Gefühl über Frida Kahlo, das Reisen, die Liebe, William S. Burroughs, die Bronte-Schwestern und eigentlich alles, das sie zu der Person gemacht hat, die sie nun mit fast 70 ausmacht. Smith hat irgendwie ein totales Gespür für den Klang und die Magie der Worte, nicht umsonst wurde sie für das synkopische Vertonen ihrer Texte  in der Musik so gefeiert. 

Mir hat Pattis Buch sehr gut gefallen, ihre Denkweise und ihr Leben sind total interessant, sie muss eine echt coole Persönlichkeit sein. Keines der 18 Kapiteln ist langweilig und eher kurz gehalten. Man ist mit der Lektüre relativ schnell durch, da es einfach angenehm geschrieben ist und oft Raum nach oben bleibt. Nach dem ein oder anderen Kapitel legt man mal ein Päuschen ein und schweift selbst zu den von Patti geschilderten Themen ab. Von mir gibt es für dieses Buch eine klare Leseempfehlung!

verschlungen!

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