Montag, 16. Oktober 2017

Die Hexen von Eastwick

343 Seiten / Hrsg. 1984 / a Fawcett Crest Book Verlag

Im Herbst lese ich gerne mysthische Bücher. Hexen, Zauberer und alle möglichen Fantasyfiguren dürfen dann gerne in den Geschichten auftauchen und ihr Unwesen treiben. Irgendwie ist der Oktober auch ein magischer Monat, die Blätter fallen von den Bäumen, es wird schon recht früh dunkel, über den Baumkronen liegt in der Früh der Nebel und an mancherort gibt es schon den ersten Frost. Dann kann man es sich zu Hause gemütlich machen mit einem Schmöker und Tee und Kuchen. John Updikes Buch Die Hexen von Eastwick kommt da sehr gut in Frage. Mit der bekannten Verfilmung, die immer zu Halloween in Fernsehen ausgestrahlt wird, hat dieses Buch übrigens nur sehr wenig gemein. Im Film wurde lediglich das erste Kapitel übernommen und auch das ist nicht deckungsgleich mit der von John Updike erzählten Geschichte.

Der Inhalt des Buches ist eigentlich schnell zusammengefasst: Die drei Hexen Jane, Alex und Sukie sind alle geschieden und fristen ein langweiliges Dasein in der kleinen idyllischen Stadt Eastwick  vor den Toren von Neuengland.  Alle drei verfügen über magische Kräfte, die auch immer wieder eingesetzt werden. So beschwört zum Beispiel Alex ein Gewitter, um den Badestrand von Jugendlichen zu räumen und ihn ganz für sich und ihren Hund zu haben.

Glücklich mit ihrer Situation ist keine von ihnen und so sind sie eigentlich stets auf der Suche nach einem potenziellen Ehemann, bis eines Tages der Kunstsammler Daryl van Horne in die Nachbarschaft zieht und das Lenox-Herrenhaus in Eastwick kauft. Er scheint der Mann zu sein, auf den jede der Hexen gewartet hat, und deshalb fangen sie alle etwas mit ihm an. Als die erwachsene Tochter eines Liebhabers der Hexe Sukie, Daryl heiratet, bringen die drei Hexen das Mädchen aus Eifersucht auf magische Art und Weise mit einer Voodoo-Puppe um. Aber das ist nicht alles, schließlich handelt es sich bei diesem Buch um eine amüsante Tragikomödie und es stellt sich heraus, dass der potenzielle Ehemann eigentlich in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Generell bringt der neue Nachbar einigen Zwist in das Leben der Hexen und so beschwört sich schließlich jede ihren eigenen Mann herbei, was natürlich einige Probleme mit sich bringt. 

Das Buch stellt einen kritischen Beitrag zur Frauenbewegung dar. Der feministischen These folgend, dass dem Erfolg und Glück der Frauen letztlich nur ihre Abhängigkeit von den Männern im Wege steht, ließ John Updike seine drei Hauptfiguren nicht an diesem Umstand verzweifeln, sondern versetzte sie mit magischen Kräften und einer ordentlichen Portion Frauen-Power. Zwar ist jede der Hexen geschieden, aber auf Sex will dennoch keine von ihnen verzichten, so fangen sie im Laufe der Erzählungen einige Affären mit verheirateten Männern an und bringen viel Chaos in das Leben der Eastwicker. Und wie es nun einmal ist, werden die Hexen in ihrem Tun immer skrupelloser und nutzen ihre Macht schamlos aus. Hier wird quasi ein Statement gesetzt, das auch das weibliche Wesen in Frage stellt. Denn Macht kann auch in Frauenhänden zu Chaos führen. Generell kommt mir das von ihm gezeichnete Frauenbild etwas übertrieben vor, denn bei Updike ist irgendwie jede Frau ein triebgesteuertes Wesen, das keinen Tag ohne Sex überleben kann. Eigenartig wird auch das freundschaftliche Verhältnis unter den Frauen dargestellt, so als ob Freundschaft zwischen Frauen gar nicht erst möglich wäre, da ja sowieso alle nur in Konkurrenz stehen um einen Mann. Vielleicht war aber diese so betonte Übertiebenheit beabsichtigt, das kann ich aber im Nachhinein als Leserin nicht beantworten. Was weiters an den Charakteren als eigenartig vernommen werden kann, ist, dass sie manchmal in Selbstgesprächen verharren und über Dinge sinnieren, die wohl kaum jemand im echten Leben denken würde. Nun ja, im echten Leben gibt es aber auch keine Hexen mit Zauberkräften. 

Was an diesem Buch besonders heruassticht, ist die dichte Erzählweise des Autors, die konstant beibehalten wird bis zur letzen Seite. Da ich hier die englische Originalausgabe habe, möchte ich noch kurz erwähnen, dass dieses Buch als Nicht-Native-Speaker etwas anspruchsvoll zu lesen ist und teilweise musste ich sehr oft nach Vokabeln googlen, die so nicht in meiner Alltagssprache vertreten sind. Auch hatte ich so manches Problem beim Feststellen, welche Person nun gemeint ist, da das Buch so anfängt, dass der Leser sofort mitten im Geschehen ist, ohne dass die Personen wirklich vorgstellt werden. Erst mit dem Fortlaufen der Handlung gelingt es dann die drei Protagonistinnen voneinander zu unterscheiden. 

Insgesamt bleibt Die Hexen von Eastwick aber eine amüsante Lektüre, die im Herbst spielt und einige Überraschungen parat hält. Die Figuren in diesem Buch sind sehr eigenartig, triebgesteuert, übertrieben selbstbewusst und schlittern doch in von ihnen eigens verursachte Miserien. Da man aber die Lektüre nicht so ernst nehmen kann, übersieht man das gerne und an manchen Stellen verliert sich Updike in sprachlichen Beschreibungen, die etwas übertrieben wirken, das sei ihm aber verziehen.

sehr lesenswert :)

Kommentare:

  1. dankeschön für diese lesnswerte Rezension, da ich den Film mit den drei bekannten Hauptdarstellerinnen gesehen habe - und du schreibst - mit dem Film hat das Buch nicht so viel gemein, werde ich dies zum Anlass nehmen und es mir besorgen...

    lieben Dank für den Tipp, da kann ich ja kaum noch meine Phantasie zügeln...
    und Gruß Angelface...

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    1. Liebe Angelface! Vielen Dank, da bin ich ja dann gespannt, ob dir das Buch gefallen wird. Wenn du es liest, berichte doch kurz darüber :) Mich würde auch interessieren, wie du das von Updike gezeichnete Frauenbild sieht ! Lg an dich zurück, Tinka

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