Sonntag, 30. April 2017

Der seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde

dtv Verlag, ungekürzte Fassung, 121 Seiten

Hatte ich schon einmal erwähnt, dass ich den dtv-Verlag super finde? Ich liebe die Taschenbücher und Klassiker. Beim dtv Verlag kann man nichts falsch machen. Sie sind die einzigen, die Bücher immer in der Originalverfassung drucken, ohne Kürzungen. Auch bei diesem kleinen Buch von Dr. Jekyll & Mr. Hyde ist das der Fall. Außerdem gibt es oft zweisprachige Ausgaben, die sowohl die Originalsprache als auch die Übersetzung beinhalten. Das ist natürlich nur bei kürzeren Werken möglich.  Solche Bücher gibt es zb zu allen Werken von Shakespeare.

Die Erzählung von Dr. Jekyll & Mr. Hyde ist bestimmt an den meisten Menschen nicht vorbei gegangen, egal ob Leser oder nicht. Man kennt auch den Inhalt und weiß natürlich schon vor dem Lesen, dass Dr. Jekyll und Mr. Hyde ein und dieselbe Person sind. Auch die Entstehungsgeschichte zu dieser Novelle ist recht misteriös. Robert Louis Stevenson soll sie in einem Kokaintraum geträumt und dann zu Papier gebracht gebracht haben. Weil seine Frau aber die Geschichte nicht mochte und sie als "nonsense" empfand, ließ sie sie verbrennen. Im Anschluss darauf verbrachte der Schriftsteller die nächsten drei Tage damit die Geschichte erneut zu schreiben. Zum Glück würde ich sagen, denn die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. 

Am meisten mochte ich das Setting. Wir befinden uns im viktorianischen England, die Geschichte spielt etwa um 1886 und hat eine schaurig schöne Atmosphäre. Die Erzählung beginnt mit einem nächtlichen Spaziergang zweier Freunde und verwandelt sich nach und nach in eine Mistery-Erzählung, wobei sie auch ein Krimi sein könnte. Spannend wird es als Mr. Utterson sich näher mit seinem Freund Dr. Jekyll zu beschäftigen beginnt. Dabei stößt er an einen seltsamen Bekannten des Doktors, der ihm zum Rätsel wird. Als dann zusätzlich einige Morde passieren und ihm klar wird, dass man den Doktor und seinen Bekannten nie zusammen sieht, begibt er sich auf die Suche nach der Wahrheit. 

Über die Figuren kann ich nur sagen, dass sie typisch für Literatur aus dieser Zeit sind. Wir haben einmal die reichen Edelmänner aus der Oberschicht, die alle sehr gepflegt und gebildet sprechen, im Studierzimmer sitzen und beim Kamin Tee trinken. Vor der Tür wartet ein düsteres London mit Straßen voller Schatten. Dieses Setting hat die Geschichte dann um einiges lebendiger gemacht und es ist für den Leser sehr einfach in die Erzählung einzutauchen und ein Teil ihrer zu werden. Gespannt liest man weiter und fragt sich natürlich wie dieses Dilemma wohl enden wird. Dann gibt es auch die andere Seite Londons, wo das Grauen wartet, weil es von Bettlern, Mördern und Prostituierten wimmelt. Dr. Jekyll ist einerseits widersprüchlich, andererseits versucht er dennoch sich für das Gute zu entscheiden. Er ist aber in seiner Art und Weise ein angenehmer Protagonist und für den Leser nicht weniger misteriös als seine andere Hälfte Mr. Hyde. Oft wurde bemängelt, dass in diesem Buch nur Männer vorkommen und in den Verfilmungen hat man dann zusätzlich einige Frauen eingebaut, aber für mich war das nicht unbedingt störend bzw habe ich in dieser Geschichte keine Frauen vermisst.

Bei diesem Klassiker wird auch die Botschaft ganz offen diskutiert, die Hauptfigur kämpft mit seinen moralischen Ansichten und wirft sie über Bord, indem sich Dr. Jekyll in den bösen und gewissenslosen Mr. Hyde verwandelt. In meinem Buchclub hat das Buch für interessante Diskussionen gesorgt. Das Thema ist sehr spannend und die Tatsache dass das Buch endet, ohne dass der Leser wirklich weiß, was mit Dr. Jekyll letztendlich dann wirklich passiert, macht es noch spannender. 


Fazit:

Dr. Jekyll und Mr. Hyde reiht sich ein in die wunderbare Reihe der Bücher von Robert Louis Stevenson. Es ist eine schöne und kurze Geschichte, die obwohl die Handlung wahrscheinlich bekannt ist, sehr lesenwert ist. Nicht nur wegen der schaurig schönen viktorianischen Atmosphäre, sondern auch, weil man teil hat an den interessanten Gedanken der Figuren, die Fragen eröffnen mit denen man sich dann auch selbst beschäftig.

Unsere Buchclub-Fragen zu diesem Werk waren:

  1. Wie hat dir das Setting in diesem Buch gefallen? Welcher Mitteln bedient sich Stevenson in dieser Lektüre um eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu erzeugen?
  2. Bist du ein Liebhaber dieser Literaturgattung, warum ja, warum nein? (gothic novels, schwarze Romantik)
  3. Der Hauptplot in diesem Klassiker ist, dass das Gute und das Böse im Leben porträtiert werden. Dr. Jekyll versucht zwar mit allen Mitteln ein gesittetes Leben zu führen, kann aber nicht widerstehen, sich immer wieder in Mr. Hyde zu verwandeln. Entspricht das der menschl. Natur? Können wir deiner Meinung nach wirklich nicht nur als gute Menschen leben und brauchen vl auch das Böse?
  4. Wie realistisch ist diese Geschichte für dich? Handeln und denken die Charaktere wie es Menschen üblicherweise tun? Welche Beispiele sind dir in Gedächtnis geblieben?
  5. Wenn man sich die Figur des Dr. Jekyll ansieht und seine Beziehung zu Mr. Hyde analysiert, was war bzw ist besonders auffällig?
  6. Hast du durch die Geschichte etwas über die Zeit erfahren, in der das Buch spielt? Was weißt du noch über das Viktorianische Zeitalter? Könntest du dir vorstellen in dieser Zeit zu leben?
  7. Warum ist das Buch auch heute noch aktuell?
  8. Würdest du das Buch weiter empfehlen? Warum?
  9. Welche anderen Bücher von Robert Louis Stevenson hast du gelesen und was fällt dir spontan zum Schriftsteller ein??

verschlungen!

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