Montag, 24. Oktober 2016

Mord in der Mangle Street

397 Seiten / Atlantik Verlag

Viktorianisch geht es auf diesem Blog weiter, und zwar mit einem Krimi vom Atlantik Verlag. Ich bin eigentlich kein Fan von Neuerscheinungen, aber dieses Buch wollte ich irgendwie trotzdem lesen. In einer Beschreibung las ich, dass dieses Debüt alle lesen sollten, die sich in klassische Detektivgeschichten fuchsen und exzentrische Charaktere wie Sherlock Holmes mögen. Das klang für mich vielversprechend, obwohl es heutzutage solche Bücher, die Sherlock Holmes nachäffen,  wie Sand am Meer gibt. Was kann man sich also von MRC Kasasians Krimi erwarten? 

Verglichen zu Büchern, die wirklich während der Zeit Queen Viktorias entstanden sind, beginnt dieses irgendwie ganz modern die Geschichte von Sidney Grice und seiner Partnerin March Middelton zu erzählen. Das fand ich etwas sonderbar, wenn man schon einem Buch den Stempel "viktorianisch" aufdrücken will, sollte es dann nicht ganz und gar authentisch sein und auch die Sprache mit einbeziehen? naja.. 

Nachdem Tod ihres Vaters kommt die junge March Middelton in die Obhut ihres Patenonkels Sidney Grice. Als sie bei dem wohlhabenden Verwandten eintrudelt, erkennt sie, dass Mr. Grice nicht gerade der umgänglichste Zeitgenosse ist. Ganz im Gegenteil, aber als Privatdetektiv muss er ja auch nicht freundlich sein. Wie es das Schicksal so will, wird March in dessenen Ermittlungen hineingezogen und gleich der erste Fall stellt sich als besonders schwierig heraus. Eine Frau wird ermordet und der einzige Verdächtige ist natürlich der Ehemann. Sidney Grice will den Auftrag zunächst gar nicht annehmen, aber als er erfährt, wieviel Geld ihm entgehen würde, nimmt er sich dem Fall dann doch an. Gleich von Anfang an ist der Detektiv davon überzeugt, dass der Mann schuldig ist, March hingegen glaubt das Gegenteil. Die Ermittlungen führen den mürrischen Spöttler mit dem Glasauge und die junge Frau mit dem faible für Gin und Zigaretten in die finsteresten Ecken von East End. Aber wer von den beiden wird wohl recht behalten? 

Meine Meinung:

Zunächst einmal finde ich die Optik des Buches total schmucke, das Design ist wirklich schön und auch dieses blassrot ist gut gewählt. Es war mitunter ein Grund, dass ich dieses Buch dann doch lesen wollte. Bei der Bewertung dieses Buches tat ich mir unheimlich schwer, weil es einerseits gut ist und andererseits konnte es mich dann doch nicht ganz überzeugen. Die Figuren in diesem Krimi sind auch ok, Sidney Grice erinnert sehr stark an Sherlock Holmes, allerdings gibt es einige Unterschiede. Er ist erstens einigermaßen arroganter als Holmes, trinkt keinen Alkohol und ist Vegetarier. Weiters ermittelt er nur des Geldes wegen und trinkt immer Tee. Seine Mitmenschen behandelt er herablassend und fühlt sich immer im Recht. Dieses Misteriöse, was Mr. Holmes umgibt, fehlt aber bei Grice komplett. March Middleton hat feministische Züge, raucht und trinkt und ist meines Erachtens für diese Zeit erstaunlich emanzipiert. Das wirkte auf mich deshalb etwas unglaubwürdig. Ich hätte mir von MRC Kasasin einfach etwas mehr Selbstständigkeit gewünscht, aber ich glaube, die Ähnlichkeit mit Holmes war bewusst. Im letzten Drittel des Buches taucht sogar ein Dr. Conan Doyle auf .

Die Handlung in diesem Krimi plätschert etwa bis zur Hälfte des Buches so dahin und nimmt dann Fahrt an. Der Leser kann dabei gut mitraten und es bleibt bis zum Schluss spannend. Die Einbeziehung des Viktorinischen Zeitalters kam für mich leider etwas zu kurz. Zwar wird einiges über die Missstände dieser Zeit, beispielsweise Gestank, Müll, Armut und Arbeitslosigkeit, erwähnt, aber so ganz konnte es mich einfach nicht überzeugen. Dazu beigetragen hat wie bereits erwähnt vor allem die Sprache. Das Ambiete dieser Zeit konnte einfach nicht eingefangen werden. Schade!! 

Insgesamt würde ich sagen hat dieses Buch Schmöker-Potenzial, das wird vor allem in Sätzen wie diesem bewusst: 

"Nehmen Sie sich vor Taschendieben in Acht", trug sie mir auf, "und vor Ausländern. Noch Gin übrig?" "Ich fürchte, nein."

Es eignet sich gut für kalte Regentage, ist einfach zu lesen, bleibt spannend bis zum Schluss und sieht noch dazu auch gut aus ;) aber wenn man es nicht liest, hat man auch nichts verpasst! Mord in der Mangle Street ist der erste Band der Gower St. Detective Serie, weitere Bände folgen. Das Buch erschien im August 2016 bei Atlantik. 

ok

Kommentare:

  1. Huhu!

    Durch das Cover bin ich auch schon auf das Buch aufmerksam geworden, ebenso klang der Klappentext vielversprechend [was ja leider nicht immer den Erwartungen im End-Fazit entspricht~leider] und deine gut auf den Punkt gebrachte Rezension lässt das Buch zunächst wieder weiter hinten anstehen auf der Möchte-ich-lesen-Liste ;)

    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Crumb,

      mit tut es immer leid, wenn ich Bücher schlecht bewerten muss, noch dazu wenn sie so schön aussehen wie dieses. Aber mich hat das Buch leider nicht so überzeugen können. Eigene Kreativität kommt halt immer besser an, wenn dieses Buch nicht so krampfhaft versucht hätte einen auf Sherlock Holmes zu machen und eventuell in der heutigen Zeit angesetzt wäre, dann würde es mir auf jeden Fall besser gefallen. Naja, vielleicht liest MRC Kasasian das ja gerade :-P und beschließt einen Krimi zu schreiben, der selbstständiger ausfällt, dann würde ich ihm auch noch eine Chance geben ^^ LG zurück

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