Montag, 31. Oktober 2016

Das Gespenst von Canterville

Kurzgeschichtensammlung / Englisch

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich liebe Geistergeschichten! Das hat in der Kindheit einmal begonnen und ist irgendwann ausgeartet ;) Auch heute noch verschlinge ich furchtbar gerne Geschichten über alte Schlossgespenster. In diesem kleinen Büchlein von Oscar Wilde sind 4 Kurzgeschichten zu finden, die sich alle mit eigenbrötlerischen Protagonisten beschäftigen.

Die titelsgebende Geschichte um das Gespenst von Canterville ist keine gruselige oder angsteinflößende Erzählung, sondern eher was zum Schmunzeln. Darin geht es um eine amerikanische Familie, die nach England zieht und trotz aller Vorwarnungen ein Schloß inkl Gespenst erwirbt. Bei dem Gespenst handelt es sich um einen Vorfahren der Cantervilles, der vor etwa 300 Jahren seine Frau umgebracht hat. Dieses Familiengespenst soll für zahlreiche Nervenzusammenbrüche oder Todesfälle früherer Besitzer verantwortlich sein.

Kurz nach dem Einzug macht sich Sir Simon auch schon bemerkbar, aber die amerikanische Familie zeigt sich unbeeindruckt. Sie glauben einfach nicht an Geister! Auch ein sich immer wieder erneuernder Blutflecj auf dem Teppich in der Bibliothek kann die Familie nicht abschrecken. Stattdessen versuchen die neuen Bewohner aus Übersee jeglichen übernatürlichen Aktivitäten mit Hausmitteln entgegen zu wirken. Das erste Aufeinandertreffen endet damit, dass der Vater das Gespenst bittet, doch seine rasselnden Ketten mit Schmieröl einzureiben, damit sie ungestört schlafen können. Auch die beiden Kinder sind nicht beeindruckt und bewerfen es mit Kopfkissen, was zu einer kleinen Krise beim Poltergeist führt. Es verfällt in Selbstmitleid und sitzt traurig herum. Als die älteste Tochter es so traurig sieht, tröstet sie es und hilft ihm daraufhin es zu erlösen.

Oscar Wilde ist einfach ein magischer Erzähler und meiner Ansicht nach ein Genie. Mit viel Sarkasmus, Witz und Ironie entführt er uns wieder einmal in das viktorianische England. Ich glaube, es gibt niemanden, dem diese Geschichte nicht gefallen könnte! Unterschwellig baut er kritische Elemente in die Erzählung ein, indem er das alte England mit seinem Glauben an Übernatürliches durch den Kakao zieht. Hier trifft die neue Welt (Amerika) auf die alte Welt (England 19. JH). Ich glaube in allen Werken von Wilde ist immer auch etwas Gesellschaftskritik zu vernehmen. Aber das fällt beim Leser gar nicht so auf. Die Geschichte ist total süß, das Gespenst möchte man einfach drücken und auf einen Tee einladen. Die Atmosphäre ist tyisch viktorianisch, ein mystisches Schloss, eine wohlhabende Familie, alter englischer Adel und eine Prise Spuk. Sir Simone und die anderen Figuren sind total englisch, alle sehr eigen und distanziert, man braucht etwas Zeit für sie aber nach und nach fängt man an sie zu mögen. Leider hat die Geschichte nur 25 Seiten und ist schnell gelesen. Aber das Gute ist ja, man kann sie immer und immer wieder lesen ;)

Die anderen beiden Geschichten hängen irgendwie zusammen und sind leider auch nur wenige Seiten lang. "The Sphinx without a secret" (Die Sphinx ohne Geheimnis) ist beispielsweise nur 5 Seiten lang und erzählt eine Mysterie-Geschichte über ein Ehepaar. Der Mann glaubt, dass seine Frau ihn betrügt, woraufhin er ihr eines Tages heimlich folgt. Sie wird sehr geheimnisvoll beschrieben und spricht sehr wenig. Oft geht sie alleine spazieren und bucht ein Zimmer in einem Hotel. Als der Mann sie zur Rede stellt und sie verlässt, stirbt sie einfach so. Daraufhin versucht er ihr Geheimnis herauszufinden, das er allerdings nicht aufdecken kann. Die Geschichte endet sehr seltsam und lässt viele Fragen offen.

"Lord Arthur Saville's Crime" (Lord Arthurs Verbrechen) ist umfangmäßig die längste Geschichte und laut meiner Recherche auch die bekannteste. Ich kannte sie vorher allerdings nicht. Der Titelheld trifft auf einen Mann, der in die Hand lesen kann und ihm prophezeit, dass er eines Tages einen Mord begehen wird. Entsetzt von dieser Offenbarung verschiebt Lord Arthur seine bevorstehende Hochzeit um seine Frau zu schützen. Ich fand diese Geschichte irgendwie sehr abgedreht, weil sich Handlungen immer wiederholen und manchmal unsinnig sind. Anarchisten, Bomben, Gift, tödliche Pillen und so manch anderes beinhaltet die Erzählung. Sie hat mir leider nicht so gefallen, weshalb ich einfach ein paar Seiten übersprungen habe.

Der Rest in diesem kleinen Büchlein sind Gedichte. Und weil Oscar Wilde die Kunst so mochte, heißt eines davon "The Artist" (Der Künstler). Sie sind alle eher sehr kurz, fünf bis zehnzeilig und ja, kann man lesen, muss man aber nicht.

Insgesamt ist "Das Gespenst von Canterville" die beste Geschichte, um ehrlich zu sein, habe ich das Buch damals auch nur wegen dieser Erzählung gekauft. Die anderen Geschichten kann man sicher lesen, aber ich fand sie jetzt nicht so gut wie die erste halt. Ich glaube nicht, dass dieses Büchlein in diesem Maße auf Deutsch erhältlich ist, aber es gibt einige ähnliche Bände, die genau dieselben Geschichten enthalten, aber von einem anderen Verlag sind. 


verschlungen!

Kommentare:

  1. Canterville Ghost ist wunderbar. Ich liebe Geistergeschichten oder grundsätzlich Sachen die bissl "spooky" sind zB "The Turn of the Screw".
    Kennst Du das "Buch als Magazin" die hatten eine sehr schöne Ausgabe des Canterville Gespenst:
    https://bingereader.org/2015/02/25/das-gespenst-von-canterville-oscar-wilde/

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  2. Huhu,

    Ich auch! Sehr sogar und The Turn of the Screw hat mir auch sehr gefallen ;) Deine Rezension zu Oscar Wildes Buch ist auch ganz schön ^^ LG

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  3. Hey,

    Geistergeschichten mag ich auch gerne - finde aber leider immer nur welche, die mich nicht begeistern können ^^ Diese gruselige Atmosphäre fehlt einfach!

    Von Oscar Wilde will ich schon immer was lesen, aber es scheinen alle anderen Bücher immer dazwischen zu kommen. Mittlerweile hat meine Tochter schon was von ihm gelesen und ich hinke hinterher ... so sollte das nicht bleiben! Ich werde nochmal schauen, was ich mir als erstes von ihm vornehme, aber du hast mich wieder dran erinnert, da endlich mal durchzustarten!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Liebe Aleshanee!

      Hast du schon etwas von Shirley Jackson gelesen? Ich glaube das könnte dir gefallen. Bei mir steht gerade noch "Spuk im Hill House" von ihr rum, wollte es eigentlich über Halloween lesen, aber bin irgendwie nicht dazu gekommen. Es soll sehr gut sein und auch gruselig! Ramson Riggs ist gerade auch in aller Munde, sein Buch "Die Insel der seltsamen Kinder" wurde ja schon verfilmt. Ich hab mich noch nicht rangetraut, vielleicht irgendwann mal. Es gibt einfach so viele Bücher, die man lesen will und zu wenig Freizeit ;) LG zurück

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