Montag, 17. Oktober 2016

Das Bildnis des Dorian Gray

Ich liebe die Geschichten von Oscar Wilde!

Oscar Wilde hat mich schon immer sehr fasziniert. Sein Leben, sein Schaffen und seine exzentrische Art machten mich immer neugierig auf den irischen Schriftsteller, weshalb ich schon öfters einfach nur Porträts über ihm gelesen habe. Eines davon hab ich hier schon einmal vorgestellt.  Da es gerade herbstelt draußen, hab ich vor kurzem ein Buch mit Kurzgeschichten von ihm gelesen. Es beinhaltet auch meine Lieblingsgeschichte "Das Gespenst von Canterville". Sobald ich etwas mehr Zeit gefunden habe, werd ich mich mit diesem Buch in die Herbstlandschaft verabschieden und versuchen ein paar schöne Fotos hinzubekommen. Das Buch passt so gut in die Herbstzeit. Mehr davon gibt es Ende Oktober auf meinem Blog !

Ein bisschen traurig ist die Tatsache, dass "Das Bildnis des Dorian Gray" der einzige Roman des irischen Schriftstellers ist. Es ist eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur. Da die Geschichte mehrmals verfilmt wurde, ist den meisten der Inhalt mehr oder weniger bekannt. Ich selber habe noch keinen Film gesehen, wusste aber ungefähr, um was es im Buch geht. Als ich dann anfing das Buch zu lesen, habe ich mich sehr über die schöne Schreibweise gefreut und das Buch dann auch regelrecht verschlungen.

Themen sind unter anderem das viktorianische Zeitalter (schon mal ein Pluspunkt bei mir), damit verbunden wären dann die Dekadenz der Oberschicht, Hedonismus und das Dandytum. Kritisch auseinander gesetzt hat sich Wilde in seinem Werk auch mit dem Ästhetizismus, den ich gerade auf der Uni durchgemacht habe. Der Ästhetizismus ist eine Literaturströmung, die in der Schönheit der Dinge den höchsten Wert sieht. Vor allem geht es um den Künstler und sein Innenleben. Nur wer wie ein Künstler denkt und fühlt, kann die wahre Kunst rezipieren.

Erzählt wird hier die Geschichte von Dorian Gray, der dem Hedonismus frönt, seine Seele verkauft und über Leichen geht, um seine Schönheit zu retten. Es geht um Kunst und Selbstinszenierung.

Der erfolgreiche Maler Basil Hallward erschafft ein unvergessliches Porträt des jungen und schönen Dorian Gray, beim Betrachten des Porträts wünscht sich dieser, dass er für immer seine Jugend erhalten könnte und dass anstatt ihm, das Porträt altert und seine Sünden dieses zeichnen mögen und nicht ihn selbst. Dieser Wunsch geht in Erfüllung, hat aber fatale Folgen für den Protagonisten. Im Verlaufe der Erzählung wird Dorian von dem reichen Aristokraten Lord Henry veführt und sozusagen verdorben. Er beschließt Dorian Gray nach seinen Wünschen zu formen, wie eine Art Kunstwerk.

“Weil Beeinflussung eines Menschen bedeutet, dass man die eigene Seele auf ihn überträgt. Er denkt nicht mehr seine eigenen Gedanken, brennt nicht vor eigener Leidenschaft.” - S. 29

Daraufhin lebt Dorian in den folgenden Jahren skrupellos seine Selbstentfaltung aus, so wie es ihm Lord Henry empfohlen hat. Er geht sogar über Leichen. Bestätigt wird er von einem Buch, das er wie besessen liest und von dem er sich mehrere Bände in allen Farben zulegt. Er findet sich darin wieder und glaubt, dass es seine eigene Geschichte erzählt. Auch von anderen Kunstwerken fühlt sich Dorian bestätigt und er sammelt irgendwann alles, was schön, wie er ist. In seinem Leben gibt es fortan nur noch Schönheit und ihn selbst. Alles dreht sich um ihn und wer das nicht einsieht, wird von ihm aus dem Weg geräumt, auch vor Mord schreckt Dorian nicht zurück.

Da er aber letztendlich von Alpträumen und Gewissensbissen geplagt wird, sucht er einen Ausweg aus seiner Miserie. Immer öfter findet er sich in Opiumhöhlen wieder, um zu vergessen, aber das Porträt hält alle Sünden fest.

Meine Meinung:

Mit Dorian Gray hab ich ein weiteres Buch in meine Top 100 Liste aufgenommen. Ich mochte sehr vieles an diesem grandiosen Klassiker. Gleich die erste Seite hat mich mit dem Schreibstil überzeugt, ich liebe die Ausdrucksweise Wildes. Auch ist Dorian Gray ein interessanter Charakter, zwar teilweise sehr extrem aber faszinierend. Aber haben nicht die besten Bücher immer außergewöhnliche Protagonisten? Erzählt wird die Geschichte von einem auktorialen Erzähler, der dem Leser ein detailreiches Innenleben des Protagonisten serviert, man hat Anteil an den Gefühlen, Wünschen und Ängsten der Figuren. Darüber hinaus spielt die Geschichte im viktorianischen England, was mir besonders gut gefallen hat, weil ich von dieser Zeit sehr angetan bin, ich interessiere mich einfach für alles, was diese Epoche zu bieten hat. Kritisiert wird auch wie bereits erwähnt der Ästhetizismus und die gesamte Oberschicht mit ihrem Adel und der Lebensweise damals. (Man bekommt nur einen Eindruck vom Adel, die anderen Stände werden nicht so berücksichtig). Oscar Wildes Klassiker entführt uns in die Welt der reichen Müßiggänger im England des 19. Jahrhunderts. Man isst, trinkt, feiert, gibt sich den Künsten und der geistreichen Konversation hin. Lord Henry spricht beispielsweise fast ausschließlich in wohlgesetzten Bonmots über Gott und die Welt. Weiters hat das Buch Elemente der schwarzen Romantik oder wie man sie in England gothic novel nennt, das zeigt sich in der dunklen Welt, die Dorian Gray dann umgibt, als er zu viele Sünden begeht. Die übernatürlichen Aspekte unterstreichen den Flair dann noch einmal deutlich, weshalb ich Dorian Gray auch als gothic novel betrachten würde (zb weil das Bild altert und nicht der Protagonist) Die Handlung in diesem Roman steigert sich kontinuierlich und endet mit einem grandiosen und nicht vorhersehbarem Finale, was die Story einfach total spannend macht. Alles in einem hat Dorian Gray also sehr viel zu bieten!  

Die neu übersetzte Version vom Insel Verlag liest sich wirklich gut und flüssig, ich weiß nicht, wie es bei anderen Ausgaben ist, aber ich fand es nicht so schwer zum Lesen. Dorian Gray ist ein Klassiker-Knaller und bekommt von mir eine klare Leseempfehlung! 

verschlungen!

Kommentare:

  1. Liebe Tinka, ich lese deine Rezensionen immer sehr gerne! Sie sind kurz und fassen das Wichtigste zusammen, ich mag es auch, dass du immer etwas über die Stimmung eines Buches sagst. Wenn deine Rezensionen aber etwas länger wären hätte ich auch nichts einzuwenden - Das Bildnis des Dorian Gray ist mein Lieblingsbuch und du hast es sehr gut wiedergegeben! Ich kann dir auch seine Theaterstücke empfehlen, wenn du seinen Schreibstil so gern hast. LG Tim

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  2. ieber Tim,

    eigentlich schreibe ich auch keine Rezensionen, ich würde eha sagen, es ist einfach nur meine Meinung plus ein bisschen Recherche bzw fließt sicher auch mein Uniwissen manchmal mit ein. Und die Texte über die vorgestellten Bücher sind bewusst so kurz, weil ich zu viel bla bla und Interpretationen nicht mag! Mir ist es lieber wenn ein Blog eine lockere Sprache hat, solche Blogs lese ich persönlich auch gerne! Aber es freut mich immer, wenn mein bla bla auch jmd liest XD XD Welches Theaterstück könntest du mir denn empfehlen? Tatsächlich kenne ich keines! Ich hab auch erst vor kurzem herausgefunden, dass momentan Dorian Gray in Wien aufgeführt wird ^^

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  3. sehr interessant ist dein heutiger Lesetipp, ich gestehe ihn einmal in der Hand gehalten zu haben und - keine Ahnung - irgendwie hab ich ihn wieder weggelegt. jetzt machst du mich neugierig darauf und ich werde ihn wieder lesen"!:..Danke schön... DORIAN Gray als Theaterstück kenne ich auch noch nicht.
    die Meinungen eines einzelnen der ein Buch gelesen hat, das auch mich interessiert sind manchmal besser, klarer und deutlicher, machen neugieriger als eine Rezension über ein Buch und deshalb: ziehe ich vor zu lesen wenn sie geschrieben ist, wie deine...
    herzlich Angelface

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  4. Lieber Angelface,

    Dorian Gray ist eines der besten Bücher, die ich bis jetzt gelesen habe. Die Insel-Taschenbuch Ausgabe mit Neuübersetzung liest sich erstaunlich einfach, kann das Buch sehr empfehlen. Wir haben es im Monat Oktober in unserem Buchclub gelesen und den anderen hat es auch sehr zugesagt. Also ran an den "Speck" ^^

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  5. achja und vielen Dank für das nette Lob !!! #dahinschmilz :) :) :)

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