Donnerstag, 18. August 2016

Lolita

Sollte man Lolita wirklich lesen?

An einem langweiligen und verregneten Sonntag, von denen es ja in diesem Sommer nur so wimmelt, bin ich irgendwie auf die Verfilmung von Adrian Lyne gestoßen, den Film fand ich so wunderbar und Dominique Swain hat mich in ihrer Rolle als Lolita sehr beedindruckt, also musste doch das Buch auch irgendwie reizend sein. Den Film kann ich wirklich empfehlen!!

Somit war dann sehr schnell auch das 1955 erschienene Buch mit knappen 710 Seiten bei mir zu Hause. Der Rowohlt Verlag hat noch die Ausgabe mit dem schönen Vintage - Bild am Cover. Diese Ausgabe enthält noch ein Nachwort vom Herausgeber und vom Autor, außerdem eine sehr lange Liste mit Anmerkungen, diese sind auch notwendig, außer man beherrscht Französisch. Außerdem handelt es sich beim Protagonisten um einen Mann, der nicht immer klar im Kopf ist und da manche seiner Aussagen im Sinne seiner Leidenschaft entstehen, sind sie nicht immer so leicht zu interpretieren. Stellenweise machen sie wirklich keinen Sinn, da hilft dann die ein oder andere Anmerkung sehr gut weiter! Bei diesem Buch ist es also wichtig eine Ausgabe mit Nachwort und Anmerkungen zu haben!


Der Name des Protagonisten Humbert Humbert ist irgendwie unangenehm und suggeriert, dass es sich eigentlich um einen widerwärtigen Menschen handelt. (mehr zur Namensgebung schildert der Autor im Nachwort auf Seite 587) Humbert Humbert ist vom Beruf Duftwasserhändler und Literaturwissenschaftler, er ist versnobbt und ein kleiner Ästhet. Seine Sprache ist gehoben und er neigt zu intensiven Tagträumen in denen er sich voller Leidenschaft verliert, denn nur dort ist es ihm gestattet seine sexuelle Neigung auszuleben. Er sitzt also häufig im Schatten eines Baumes auf einer Spielplatzbank und beobachtet kleine Mädchen, die für ihn das gewisse Etwas haben. Er gibt ihnen sogar eine eigene Bezeichnung und spricht von Nymphetten. Humbert ist stets diskret und geht nie zu weit, es kommt zu keinen Berührungen, da er die "Reinheit" dieser Mädchen nicht antasten will.

Eines Tages jedoch erhält er ein Jobangebot und zieht daraufhin in eine Kleinstadt names Ramsdale, in das Haus der Witwe Charlotte Haze, wo er schließlich auf Lolita, ihre Tochter trifft. Obwohl ihm das Haus so gar nicht geheuer erscheint, er sogar richtig angewidert davon ist, bleibt er weil Lolita ihn mit ihrer Schönheit verzaubert. Für Humbert ist das 12 jährige Mädchen eine idealtypische „Nymphette“ und er geht sogar so weit, dass er Charlotte Haze ehelicht, um in Lolitas Nähe zu sein.

Um den ehelichen Pflichten zu entgehen verabreicht er seiner Frau Charlotte Haze heimlich Schlafmittel. In seinem Arbeitszimmer führt er Tagebuch in welches er alle seine kranken Gedanken notiert. Als Charlotte es liest, macht sie eine Szene und flieht aus dem Haus. Wenige Augenblicke später stirbt sie dann bei einem Unfall und Humbert Humbert macht sich mit Lolita auf und die beiden fahren queer durch die USA. Auf diesem Roadtrip wird dem Leser schnell klar, dass Humbert nur ein Opfer ist, denn Lolita ist es, die bestimmt. Aufgrund seiner Leidenschaft für sie ist ihr der 35-Jährige total ergeben.

Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo.li.Ta.

Über zwei Jahre sind die beiden unterwegs bis sie eines Tages merken, dass ihnen jemand folgt. Expressionistisch beschreibt der Ich-Erzähler die Farben der Autos, die immer einige Meter hinter ihm fahren. Auch Kleidung, Landschaft und Lichtverhältnisse werden in diesem Stil erläutert. Humbert hält den Verfolger abwechselnd für einen Detektiv, Nebenbuhler oder eine Ausgeburt seiner Paranoia. Um nicht zu viel zu verraten, liest man einfach selber weiter was mit Humbert und Lo im letzten Viertel des Buches passiert!

Meine Meinung: 

Humbert erzählt seine tragische Geschichte aus dem Gefängnis, es folgt am Beginn der Prosa-Erzählung eine kurze Biographie seines Lebens. An dem Punkt, wo er schließlich Lolita kennenlernt, setzt dann die eigentliche Geschichte ein. Als Leser entwickelt man zwar keine besondere Sympathie für ihn, aber auch keine wirkliche Abneigung. Egal, was zwischen ihm und der minderjährigen Lolita in einem der vielen Motels läuft, in die sie auf ihrer Reise absteigen, der Leser kann es nur vage erörtern. Nabokov schildert keine Sexszenen oder Perversionen, vielmehr geht der Ich-Erzähler in Bewunderungen auf. Er schwärmt pathetisch von Lolitas unterentwickeltem Körper, von ihrem weichen Haar und der Haut. Auch als Lolita im Verlauf der Geschichte reift und erwachsen wird, ist der Protagonist noch voller Liebe für sie, was heißt, er liebt sie 200%ig.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es ist eine schöne und poetische Sommerlektüre, die sich leicht und schnell liest. Manche Sätze machen zwar keinen Sinn, aber durch das Nachwort wird man aufgeklärt, was gemeint sein könnte. Am Anfang haben mich auch die vielen französischen Wörter etwas gestört, weil man ständig nachschauen musste, was das jetzt nun wieder heißt, aber da kommt man mit der Zeit irgendwie rein.

Fazit:

Lolita ist eine interessante Geschichte, die Thematik sollte einen nicht abschrecken das Buch zu lesen! Obwohl es hier um Pädophilie geht, liest man das Buch total gerne, weil Nabokov irgendwie generell das Thema Beziehungen in seine Erzählung aufnimmt. Leidenschaft, Abhängigkeit und Vorteile werden kritisch kommentiert.

Pssst: Dieses Buch gibt es zb beim österreichischen Online-Buchhandel MORAWA. Mit dem Erwerb des Buches unter diesem Link unterstützt du den österreichischen Buchhandel. Hier klicken und gemütlich stöbern. 

sehr lesenswert :)

Kommentare:

  1. Liebe Tinka,

    dann muss es wohl verschiedene Übersetzungen geben. Ich mag das Wort "Nymphette" nicht. Ich habe das Buch vor Jahren mal gelesen, und da nannte er diese Mädchen "Nymphchen". Gut zu wissen, falls ich es nochmal lesen möchte.

    Ich fand Lolita auch sehr interessant zu lesen. Ich habe mich erst davor gescheut, weil ich nicht wusste, wie explizit es wird, aber wie Du selbst schreibst, schildert Nabokov keine Sexszenen, und die Geschichte ist gut erzählt. Auch ich hatte weder Sympathie noch Abneigung, manchmal aber fast ein wenig Mitleid.

    Liebe Grüße

    Claudia

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    1. haha das mit dem Mitleid kann ich gut nachvollziehen ;)

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