Montag, 29. August 2016

Der Fremde

wer düstere Bücher mag, gerne Geschichten über Leben und Sterben liest, dem sei dieses Buch empfohlen!


Seit Mitte Juni bin ich nun auch Mitglied in einem Buchclub jippy! Schon länger war ich auf der Suche nach einem Buchclub in Graz aber leider gab es einfach nichts, deswegen hab ich einfach meinen eigenen gegründet!

Buchclub - wie geht das?

Bücherclubs bzw Lesezirkel sind in Amerika schon lange ein Massenphänomen. Es soll dort angeblich drei bis vier Millionen Book Clubs geben. Ein Buchclub ist etwas, wo sich Literaturbegeisterte treffen und austauschen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ab 5 Personen die schönsten Diskussionen zustande kommen, aber zu viele Leute sollen es auch nicht werden, weil es sonst schwierig wird eine geeignete Lokation zu finden. Man trifft sich oft in Cafes, zu Hause oder bei Schönwetter sind auch Treffen im Park möglich.Bei der Auswahl der Bücher beschränkt man sich auf Bücher, die zum Beispiel in einem Monat (oder bis zum nächsten Treffen) von jedem Mitglied schaffbar sind. Wie oft diese Treffen stattfinden, kann man sich ja dann ausmachen.

Mein Buchclub hat mittlerweile etwa 18 Mitglieder und das erste Treffen ist geschafft. Es gibt immer eine Person, die das Treffen moderiert und 10 Fragen vorbereitet, die eine schöne und interessante Diskussion anstimmen sollen.  Unser Club liest nur Klassiker, Wir stimmen immer gemeinsam ab welches Buch gelesen wird. Jeder darf Bücher vorschlagen. Facebook macht es gut möglich in einer Gruppe zu kommunizieren ;)

Vielleicht habt ihr jetzt Lust bekommen auch euren eigenen Buchclub zu gründen? Oder habt ihr schon einen?? Wie läuft das bei euch so ab? 

Unser erstes gelesenes Buch war Albert Camus "Der Fremde". Insgesamt kam das Buch bei allen Lesern gut an, wobei wir uns am Ende doch einig waren, dass man es nicht jedem weiter empfehlen könnte. Es ist ein Buch, das Leser, die gerne tiefgründige Literatur mögen und über das Leben nachdenken erfreuen wird und nichts für Leser, die mit Schwermütigkeit so ihre Probleme haben. 

Das 1942 erschienene Buch ist eines der Hauptwerke des Existenzialismus (eine philosof. Strömung in Frankreich nach dem 2. WK). Darin geht es vor allem um die allgemeine Geisteshaltung, die den Menschen als Existenz im Sinne der Existenzphilosophie auffasst. In Begriffen wie Geworfenheit, Selbstentwurf, Freiheit und Selbstbestimmung zeigt sich die Zentrierung des Existentialismus auf das Problem der Befreiung des Menschen zu seinen eigenen Möglichkeiten hin. 

Im Roman wird die Geschichte des introvertierten und gefühlskalten Protagonisten Mersault erzählt. Dieser sitzt nach einem Mord im Gefängnis und wartet auf die Todesstrafe. Im Stile eines Inneren Monologes wird erzählt, was sich davor alles zugetragen hat. Mersault zeigt sich als antriebsloser Mensch, der so in den Tag lebt. Er hat keinen Anteil an Gefühlen und ist total unempathisch. Der Tod der Mutter betrifft ihn nur deswegen, weil er sich um das Begräbnis kümmern muss. Am selben Tag fängt er eine Affäre mit Marie an. Auch ihr gegenüber bleibt er kalt und distanziert. 

Als er sich eines Tages mit dem Zuhälter und Nachbarn anfreundet, wird er in dessen Probleme verwickelt. Mersault wird durch einen lächerlichen Zufall zum Mörder und zum Tode verurteilt. Die zweite Hälfte des Buches behandelt dann den Prozess. Erst dort wird er empfänglich für die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt.  


Meine Meinung:

Camus Philosophie beinhaltet den Gedanken, dass das menschliche Leben keine Bedeutung hat. Das einzig Sichere im Leben ist das Sterben, der Tod. Alle Menschen werden sterben, daher sind alle Leben gleich bedeutungslos. Dies wird Meursault zum Ende des Romans bewusst – er realisiert, so wie er bedeutungslos für das Universum ist, ist die universelle Welt bedeutungslos für ihn. Wie alle Menschen ist er geboren, wird sterben und für die Welt keine langfristige Bedeutung haben. Der Tod ist unabdingbar und es ist egal, ob er jung oder alt stirbt. Erst als er dies begreift, ist ihm bewusst, dass er glücklich ist – und bis dahin auch glücklich war. Seine letzten Tage kann er nun ohne falsche Hoffnungen auf eine mögliche Gnade leben. 

Die ersten Seiten sind etwas gewöhnungsbedürftig, man findet nicht sofort in die Geschichte. Die kurzen Sätze wirken manchmal abgeschnitten und es dauert lange bis man sich an diese Schreibart gewöhnt hat. Danach beginnt das Buch Spaß zu machen, die inneren Monologe des Protagonisten sind bis zum Schluss authentisch und es gibt in seinem Handeln keine Überraschungen, er bleibt konsequent. Mersault ist sicher kein Protagonist, mit dem man sich als Leser identifiziert, aber seine Weltansichten sind irgendwie interessant. 

Fazit: 

Von mir bekommt das Buch 4 Sterne, es ist sehr lesenswert, aber sicher nicht für jeden Leser tauglich. Manchmal ist es sehr düster und die Stimmung ist bedrückend und aussichtslos, das muss man mögen. 

★ sehr lesenswert :)



Meinung der anderen Buchclub-Mitglieder: (Namen geändert)


Sebastian sagt:

"ich konnte mich gut mit dem Protagonisten identifizieren, seine Denkweise ist sehr nachvollziehbar. Das Buch ist eines, der authentischsten Bücher, die ich bis dato gelesen habe. Ich würde es jedem empfehlen, der gerne Klassiker liest, aber unter Depressionen sollte man nicht leiden"


Caro sagt:

"Ich liebe alle Bücher von Camus, besonders der Existenzialismus interessiert mich als Thema in Büchern. Ich mag diese karge Art zu schreiben, es wird nur gesagt, was wirklich wichtig ist. Auch ich würde es nicht jedem empfehlen, weil es teilweise schon sehr schwermütig ist" 


Julia sagt:

"Nochmals werde ich das Buch wahrscheinlich nicht lesen, ich finde diese Art zu denken (Existenzialismus) sehr deprimierend. Ich habe das Buch zwar sehr schnell gelesen, aber der Ich-Erzähler konnte keine Sympathie bei mir wecken. Nachgedacht hab ich erst während der Diskussion wirklich darüber. Dieses Buch empfielt man auf jeden Fall nicht jedem" 

Kommentare:

  1. Hallo Tinka,

    solche Buchclubs sind sicher interessant :-). Das Buch merke ich mir mal. Mit der Existenzphilosophie hatte ich mal am Rande in einem Semester meines abgebrochenen Studiums an der Fernuni zu tun. In Romanform verstehe ich sie dann vielleicht sogar :D.

    Liebe Grüße

    Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      also wenn man kein Problem mit düsterer Stimmung hat, dann ist das Buch sehr lesenswert. Man liest das Buch echt schnell, ich hab glaub ich zwei Tage gebraucht. Ich kann es sehr empfehlen ;) und du als (Ex)-Philostudentin wirst es glaub ich sowieso mögen ! LG

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  2. Hallo Tinka,
    das ist ein Buch, was schon lange auf meiner Leseliste steht, insbesondere seit es seit letztem Jahr mit "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung" die Erzählung auch aus Sicht der Familie des Fremden gibt. Mal schauen, wann ich dazu komme....
    Einem Buchclub würde ich eventuell auch gerne beitreten. In Düsseldorf / Duisburg findet man aber bei der Internetsuche immer nur den Bertelsmann-Club. Mal schauen, ob ich irgendwann noch fündig werde....
    Liebe Grüße
    Thomas

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  3. Lieber Thomas, jetzt hatte ich ganz übersehen dir zu antworten! Das mit dem Buchclub ist in Graz ähnlich, da hilft nur selber einen gründen ^^ Es macht wirklich Spaß!! Endlich kann man sich mit Leuten unterhalten, die genau so begeistert Bücher lesen wie man selbst!! Lg

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  4. Liebe Tinka,

    eine knackig kurze Rezension, die das Buch aber ganz gut beschreibt. Ich konnte mich mit dem Existenzialismus auch irgendwie nie anfreunden. Den Schreibstil habe ich auch als schmucklos empfunden. Am Ende war mir schon klar, was Camus damit zum Ausdruck bringen wollte, finde es aber irgendwie seltsam eine philosophische Idee in eine Romanform dieser Art zu verpacken. Ich glaube, wenn jemand sich in dieser Sichtweise auf das Leben wieder findet, dann ist das Buch wahrscheinlich durchaus eine Bereicherung.

    So negativ habe ich die Geschichte nicht empfunden, einfach weil ich mich nicht mit dem Protagonisten identifizieren konnte. Na fürs Studium ist das Buch wahrscheinlich eine ordentliche Fundgrube für Interpretation usw.

    Liebe Grüße
    Tobi

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  5. Lieber Tobi,

    ich hab das Buch voll gern gelesen, ohja dieses Buch könnte man zu Tode interpretieren ^^ Hätte mir aber nicht gedacht, dass du Camus liest ;) vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

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  6. Hallo Tinka, jetzt hast Du mich ja auf eine Idee gebracht - kein Buchclub in der Nähe - einfach selbst einen gründen, finde ich ja mal eine geniale Ansage. Ich wohne ja sehr ländlich aber wir haben seit kurzen ein Dorfcafé, wäre ja der ideale Treffüunkt und vielleicht könnte man so manch 'einsamen' Mensch vor die Türe locken. Ich mache mir mal Gedanken, ja, die Idee gefällt mir immer besser :-)
    Liebe Grüße und einen schönen Adventssonntag
    Kasin

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  7. Liebe Kasin!

    Ach das klingt doch super nett, ein Treffen im Dorfcafe, die Idee gefällt mir. Mein Buchclub liebt auch Treffen im Cafe ^^ Bitte berichte mir doch, falls du es wirklich durchziehst und auch einen Buchclub ins Leben ruft, würde mich sehr interessieren, wie das dann bei dir so abläuft ;) LG zurück

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