Sonntag, 26. Juni 2016

Drop City



T.C Boyles Bücher sind immer eine Überraschung, man weiß einfach nie, was einen erwartet, wenn man sich auf ein Buch des in Peekskill, N.Y geborenen Schriftstellers einlässt. Eines ist aber gewiss: Langweilig wird es mit seinen Geschichten niemals!

Die New York Times bezeichnete seine Schrift auch als "Geben-Sie-diesem-Mann-lieber-einen-koffeinfreien-Kaffee-Prosa. Tatsächlich musste ich über diesen Ausdruck schmunzeln, weil ich mir auch bei Drop City wieder gedacht habe, wow hat der Mann eine Art Sachen mitzuteilen! Jeder Satz in diesem Buch beweist, dass er ein teuflisch talentierter Schriftsteller ist. Drop City hat alles ein wenig: Gefühl, Ironie, Sarkasmus, verrückte Charaktere, menschliche Komplexitäten, Sex, Drugs & Rock n Roll, Anti-Spießer-Romantik, Natur und Landschaft Poetik und eine lesenswerte Geschichte.

Boyle's 2003 erschienener Roman erzählt die Geschichte einer Hippiekommune, die von Kalifornien nach Alaska zieht, mit allen berechenbaren und unberechenbaren Folgen. Drop City ist vor allem der Roman einer naiven und idealistischen Generation, die das Lebensgefühl vieler Menschen bis auf den heutigen Tag geprägt hat. Die 68er-Generation.

Der Roman besteht aus zwei aufeinander bewegenden Handlungen, die sich etwa in der Mitte vereinen. Die erste Hälfte des Buches dreht sich um die Geschichte der namensgebenden Kommune Drop City, die auf einer Farm ihren Traum von einem freien Leben zu verwirklichen sucht. Etwa 60 Mitglieder umfasst die Kommune und jeder weitere Aussteiger ist willkommen. Die Zeit vertreiben sich die Mitglieder mit Drogen, Parties, Vinyl-Schallplatten hören, freier Liebe und Bücher lesen. Doch das Nirwana finden sie trotzdem nicht. So einiges läuft schief im Paradies, ein Kind trinkt mit LSD versetzten Orangensaft, eine Minderjährige wird vergewaltigt und die Gruppe leidet unter vielen Spannungen, die sich intern ergeben, aufgrund von anfallenden Arbeiten, Hygieneproblemen und Lebensmittelknappheit. Außerdem hat der Sheriff die Kommune schon länger im Visier und als ihnen eines Tages die Zwangsräumung droht, übersiedelt die gesamte Truppe nach Alaska, wo ihr Guru Norm Sender ein Grundstück geerbt hat.

Parallel dazu schildert Boyle die Geschichte von Sess Harder, der in Alaska in einer Blockhütte lebt und seine Traumfrau kennenlernt und heiratet. Er lebt von dem, was die Natur hergibt. Als die Hippiekommune in Alaska eintrifft, ist man nicht besonders erfreut über die Fremdlinge. Nach Einbruch des Winters, geht es nicht nur darum, die Langeweile zu vertreiben, sondern auch darum, wie man in einer Landschaft, die nichts als Eis und Nacht zu bieten hat überlebt.

Meine Meinung:

Drop City glänzt besonders durch die Schreibweise Boyles. Bildhaft und in einer Art Plauderton beginnt das Buch den Leser auf eine ganz eigene Art zu unterhalten. Neben diesen unterhaltenden Passagen baut der Autor einige schöne Naturschilderungen ein, verliebt in eine Landschaft, die es wahrscheinlich nur im hohen Norden gibt, las ich diese Seiten besonders gerne. Alle Figuren sind sehr dicht und detailreich beschrieben. Insbesondere drei der Figuren, Norm, Star und Marco werden herausgehoben. Hier zeigt der Autor wieder seine Vorliebe für Außenseiter. Die Truppe setzt sich zusammen aus Menschen mit verschiedenen Motivationen einer Kommune beizutreten, da sind die engstirnigen Idealisten, neben den Naturromantikern und den wirklichen Abenteurern, die auch auf sich allein gestellt in der Natur überleben könnten. Alaska als Gegenpol zu Kalifornien zu wählen ist ein guter Schachzug von T.C Boyle, so wird es auch klar deutlich, dass es einen großen Unterschied macht, ob man aus einer gepflegten Mittelklasse nach Drop City kommt oder tatsächlich für ein solches Leben in der rauen Natur tauglich ist.

Man wird das ganze Buch über mit einer sehr realistischen Schilderung des Hippie-Lebens durch die Erzählung geführt und erfährt, warum der Mensch es einfach nicht schafft ein Leben in Peace&Harmony zu führen. Wie bei jeder idealistischen Gruppierung scheitert auch die Hippiekommune an ihren eigenen Mitgliedern.

Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass dieses Buch nicht für jeden Leser tauglich ist. T.C Boyle baut hier auch eigene Erfahrungen ein, die noch aus seiner Drogenzeit stammen. Sein geschwätziger Ton füllt halt manchmal einfach viele Seiten mit Rock n Roll Bands, Drogenexperimenten und diffusen Rauschgeschichten. Nicht jeder Mensch wird sich in diesem Milieu wohlfühlen und eventuell das Buch als langatmig empfinden.

ok

Kommentare:

  1. Hallo Tinka,
    habe ja erst zwei Boyles gelesen und Drop City liegt auf meinem ereader bereit, allerdings werde ich ihn mit der Lektüre noch etwas warten, so ganz begeistert warst du ja nicht.
    Liebe Grüße
    Thomas

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  2. Hallo Thomas,

    naja, das Buch ist ganz okey. Ich denk mir, man hat nichts versäumt wenn man es nicht gelesen hat, aber wenn man es liest, wird man schon einigermaßen gut unterhalten. Manchmal ist es auch schwer ein Buch zu bewerten. Aber ich mag T.C Boyle ganz gerne. Lg

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  3. Das Buch kommt auf meine Merkliste. Ich gebe zu, ich habe noch nichts von Boyle gelesen, obwohl mir der Name nicht unbekannt ist. Die Hippie-Ära interessiert mich sehr, da wäre das doch perfekt für eine erste literarische Begegnung zwischen Boyle und mir :-)

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    1. Liebe Claudia,

      Ich kann dir von ihm Grün ist die Hoffnung empfehlen, das ist ähnlich aber irgendwie besser. Und wenn dich die Hippie-Ära interessiert, dann wird dir vielleicht auch Drop City gut gefallen :)

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