Mittwoch, 8. Juni 2016

Das Jahr des magischen Denkens


Joan Didion ist Schriftstellerin und Herausgeberin der VOGUE. Sie schrieb mehrere Essays und Dokumentationen für die New York Times und wurde in Amerika mit vielen Preisen für ihre Werke ausgezeichnet. In dem Buch "Das Jahr des magischen Denkens" verarbeitet sie den Tod ihres Mannes John Gregory Dunne und auch die Erkrankung ihrer Adoptivtochter Quintana.

Ich war schon sehr gespannt, welche Stimmung das Buch beim Leser auslösen würde, gefasst war ich auf eine traurige, schwermütige Atmospäre, aber so ganz trifft das nicht zu. Joan Didion versucht mehr intellektuell zu begreifen, was da in ihrem Inneren vorgeht. Technokratisch sucht sie Antworten für ihre Miserie und schreibt nieder, was sie in diesem Jahr der Trauer gedacht und erlebt hat.

Life changes fast. You sit down to dinner and life as you know it ends.

 Inhalt:

Als Joan Didion mit ihrem Mann vom Krankenhausbesuch ihrer schwer kranken Tochter Quintana nach Hause kommt, stirbt ihr Ehemann John noch vor dem Abendessen an einem Herzinfarkt. In wenigen Sekunden sind 40 Jahre Partnerschaft einfach so beendet und Didion ist unerwartet Witwe. Jeden Tag hat sie mit diesem Menschen verbracht, ihn von früh bis spät gesehen und auf einmal ist sie alleine in diesem großen Haus. Täglich verliert sie sich in Gedanken, Erinnerungen und Fakten, ein ganzes Jahr. Das Jahr des magischen Denkens. Sie sucht in der Literatur Hilfe und Antworten und findet viele interessante und informative Fakten und versucht das Unbegreifliche greifbar zu machen.

In time of trouble, I had been trained since childhood, read, learn, work it up, go to the literature. Information was control. Given that grief remained the most general of afflictions its literature seemed remarkably spare.

Ausgehend vom Tod ihres Mannes und der Erkrankung ihrer Tochter reflektiert Joan die letzten 40 Jahre, die sie mit ihrem Mann verbracht hat. Sie schreibt über das glamouröse Leben, das die beiden Schriftsteller einst in Hollywood führten, über ihre Reisen und Treffen mit bekannten Persönlichkeiten. Oft sitzt sie gemeinsam mit ihrem Mann in einem schicken Restaurant und erzählt vom Schriftstellerleben, nippt dabei an ihrem Drink und plötzlich finden wir sie wieder einsam und zurückgelasssen. Manchmal wirkt die Autorin sehr kühl und reserviert, von Trauer keine Spur, dann aber ist sie wieder verletztlich und sinniert ganz in sich versunken, sodass man ihren Schmerz schon fast selber fühlen kann.

Dabei springt sie von Ereignis zu Ereignis, von den 70ern  ins Millenium und wieder zurück, die kurzen Absätze wirken etwas unfertig und erweiterungsbedürftig. Manche Geschichten werden begonnen, in der Mitte von anderen unterbrochen und an anderen Stellen wieder in die Erzählung aufgenommen.

Wer hier aber eine Art Selbsthilfe-Buch erwartet, den kann ich nur enttäuschen, denn es ist keines!

Fazit:

Das Buch ist eine Art Studie über das Phänomen des Trauerns. Durch das Schreiben über den Tod und den Verlust ihres geliebten Mannes versucht die Autorin dem Ganzen etwas sinnvolles abzugewinnen. So wie eine Biene von Blume zu Blume fliegt, diese dabei bestäubt, muss doch auch das Trauern einen Sinn in dieser Welt haben. Es ist ein Aufbegehren des Verstandes gegen die Unvernunft des Todes und eine brillante und bewegende Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Trauerns. Welche Prozesse werden dabei in Menschen ausgelöst? Was passiert mit dem Körper, wenn die Seele in verlassen hat ?? Diese und ähnliche Fragen versucht Joan Didion in ihrem Buch zu beantworten.

Ich hab das Buch sehr gerne gelesen und kann es wirklich empfehlen, nur sollte man eben nicht mit falschen Erwartungen an das Buch rangehen, es ist kein Selbsthilfebuch!

sehr lesenswert :)

Rory Gilmore Reading Challenge: 58/300 gelesen 

Kommentare:

  1. Oh sehr schön - ich mag Joan Didion sehr und freue mich, wenn sie auch in Deutschland etwas bekannter wird. Ich habe von ihr "Blue Nights" https://bingereader.org/2014/10/22/blue-nights-joan-didion/ und "Play it as it lays" gelesen: https://bingereader.org/2015/08/12/play-it-as-it-lays-joan-dideon/

    Das Jahr des magischen Denkens möchte ich auch noch lesen. Liebe Grüße vom Bingereader ;)

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  2. Huhu,

    hey das freut mich aber, ich kenne kaum jemanden, der Joan Didion liest ! Nicht mal Studienkollegen vom Anglistik-Studium. Oh, da hast du ja schon einiges von ihr gelesen, was ist denn dein Lieblingsbuch von ihr bisweilen? Ich werd mir mal deine Rezensionen lesen, achja ich mag deinen Blog übrigens sehr gerne ^^ Ganz lg Tinka

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  3. Hallo Tinka,

    deine Rezension gefällt mir total gut. Ich habe Didion noch auf meinem SuB liegen, das muss sich jetzt auf jeden Fall schnell ändern.

    Danke für den Tipp :)

    Glg, Eva

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  4. Liebe Eva,

    vielen Dank für deinen Kommentar & das Lob! Freut mich sehr!! Ohja, Didion solltest du vom SUB befreien! Es liest sich so gut und man hat es in einem durch. Wünsch dir auf jeden Fall viel Spaß mit dem Buch! LG

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