Freitag, 27. Mai 2016

Der Schatten des Todes

Ein Cozy Krimi aus Great Britain 

British, very british!

Ein Cozy Krimi ist ein Krimi, in dem es verglichen zum Thriller viel viel viel gemächlicher zugeht. Oft ist auch gar nicht der Kriminalfall das Haupthema, sondern vielmehr die erschaffene Atmosphäre und der Bezug zum Ort und seiner Landschaft, in dem die Geschichte handelt. Die eigentliche Spannung kreieren dann auch die Figuren, die meistens etwas sonderbar daher kommen. Cozy Krimis sind immer in erzählendem Stil verfasst und meist gibt es viele psychosoziale Verstrickungen innerhalb der Handlung. Die berühmteste Autorin von Cozy Krimis ist Agatha Christie, die mit ihrer Miss Marple ein großes Leserpublikum erobert hat und zu den meist gelesentsten Autoren der Literaturgeschichte gezählt werden kann.

James Runcie kennt man eher als Fernsehproduzent, vor allem is er durch seinen Dokumentarfilm über die britische Harry Potter Autorin J.K Rowling bekannt geworden. In Großbritannien liebt man ihn auch für die Serie The Grantchester Mysteries. Die erste Staffel basiert auf dem Roman " Der Schatten des Todes". Die Serie gibt es bereits auf Deutsch zum Ansehen, kann sie auch wirklich empfehlen. Wenn man Inspektor Barnaby mochte, wird einem auch Grantchester sehr zusagen.

Als ich anfing das Buch zu lesen, war ich zuerst etwas enttäuscht, weil ich mit einem Roman gerechnet habe, in Wirklichkeit sind es aber 6 Kurzgeschichten. In der Hauptrolle steht aber immer der Vikar Sidney Chambers, der in den 50er Jahren in einem kleinen Städtchen namens Granchester vor den Toren von Cambridge lebt. Sidney ist nicht gerade ein Draufgänger, warum auch? Von einem Pfarrer verlangt man auch eher Nerven aus Stahl und eine gute Redensart. Sidney liebt Jazz, trinkt gerne Alkohol, verliert sich ab und an in Flirts und liebt Spaziergänge im Grünen. Durch die Freundschaft mit einem Inspector stößt er einfach ab und zu auf Seltsames, das ermittelt werden muss. So macht er sich beispielsweise mit viel britischem Charme unfreiwillig auf,  um den Selbstmord eines Anwaltes, einen Juwelenraub oder einen Kunstfälscherskandal aufzuklären. Natürlich alles nur zum Wohl seiner Schäfchen, denn ein Pfarrer will ja nur helfen wo er kann. Dabei lernt er so einige eigenartige Personen kennen, die meiner Meinung nach auch das Spannendste an dem Buch sind. Bedauerlicherweise sind die Figuren in Runcie's Buch aber nicht wie sonst für einen britischen Krimi üblich, verrückt oder eigenartig, sondern viel normaler, durchschaubarer und teilweise etwas platt. Man hätte sie schon etwas mehr ausschmücken können und ihnen das gewisse Etwas einverleiben! Auch die Krimifälle selbst sind eher für alte Damen mit Herzproblemen konzipiert. Wer hier Nervenkitzel sucht, der is total falsch!!

Alle 6 Geschichten sind  ziemlich  ruhig, einfach und ohne viel Spannung. Während die Serie es schafft eine misteriöse Atmosphäre zu kreieren, fehlt das im Buch komplett. Die Handlung plätschert vor sich hin und  endet so unspektakulär wie sie begonnen hat. Nur an wenigen Stellen musste ich über den britischen Humor schmunzeln, davon hätte es noch mehr sein können. Die letzte Geschichte hab ich dann auch nicht zu Ende gelesen.

Runcie hat zwar einen schönen Schreibstil, wenn auch einen einfachen, aber so wirklich überzeugen konnte mich das Buch leider nicht. Obwohl ich Bücher mit britischem Charme sehr mag, fand ich dieses leider sehr langweilig. Die Aufklärung der enzelnen Fälle passierte vollkommen unspektakulär und nimmt vielleicht eine halbe Seite pro Geschichte ein. Auch stellen sich die Verbrecher alle gleich selbst und erzählen über ihre Motive ohne wirklich danach gefragt zu werden. In welchem Krimi hat man das schon erlebt?

Größtenteils konzentriert sich die Erzählung auch auf den Hauptprotagonisten und man hat oft das Gefühl, dass James Runcie hier versucht seinen Protagonisten ins rechte Licht zu rücken. Das passiert vielleicht deshalb, weil das ja der erste Teil ist und noch viele folgen sollen. Eventuell wird Teil 2 sich dann mehr auf die Fälle konzentrieren, aber das kann ich nur spekulieren, ich werde ihn sicher nicht lesen! In fast jeder der 6 Geschichten kämpft Sidney mit Gewissensbissen, weil er aufgrund der Krimifälle seine Arbeit als Vikar vernachlässigt. Das war dann schon teilweise etwas übertrieben und als Leser hatte man das Gefühl, dass es an manchen Stellen völlig unpassend eingeschoben wurde. Außerdem führt der Protagonist stellenweise Selbstgespräche, aus denen man nicht schlau wird, weil er sich selbst widerspricht. Eigentlich will er ja gar nicht ermitteln, aber dann wieder doch. Naja. Sidney ist dem Leser zwar nicht unsympathisch, aber wenn sich die Geschichte ausschließlich um ihn dreht, wirds halt langweilig und so spannend und außergewöhnlich ist er dann leider auch wieder nicht.

Fazit:

Der passende Krimi für Menschen mit Herzschrittmacher und Herzproblemen. Schön geschrieben, leider etwas langweilig und unspektakulär!

naja...

Kommentare:

  1. Deine Rezi hat mich zum schmunzeln gebracht :)
    Eigentlich ist lese ich schon mal gerne einen gemütlichen Krimi, und wenn er in England spielt, dann erst Recht. Aber da ich noch keinen Herzschrittmacher habe, bin ich wahrscheinlich nicht die richtige Zielgruppe :D
    Ich freue mich, deinen Blog entdeckt zu haben und werde dir gleich mal folgen!
    Viele Grüße
    Jasmin von buch-leben

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    1. Liebe Jasmin,

      verglichen zu Sidney Chambers ist Miss Marple eine Action-Heldin :-P und das heißt was!! Oooh, das freut mich aber, wenn dir mein Blog so gut gef#llt ^^ Vielen Dank für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße an dich zurück !

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