Montag, 7. März 2016

Tess: Eine reine Frau

Wer Thomas Hardy noch nicht gelesen hat, der kann sich freuen, denn es stehen ihm unerhörte Genüsse bevor. Das Spektrum seiner Werke ist weit gefächert und reicht von der realistischen und detailreichen Schilderung eines viktorianischen Landlebens bis hin zum Außergewöhnlichen, Humoristischen und Unerwarteten.  Was mir vor allem an seinen Romanen so gefällt, ist die Einbeziehung von philosophischen Zügen, das dazu führt, dass seine Schriften oft einen düsteren Grundton beinhalten. Als Fan von Schopenhauers Philosophie kann ich Thomas Hardy einfach nur lieben, da sich Hardy viel mit seiner Philosophie beschäftigte. Dementsprechend fallen auch seine Weltansichten aus. Fast alle seine Romane spielen im englischen Wessex, ein von ihm erfundener Ort, der an seine Heimat erinnern soll. Darüber hinaus liebe ich seine poetischen Landschaftsschilderungen und bin wie man hier herauslesen kann sehr angetan von ihm.


Sein Roman "Tess" erschien 1891 und hält den Übergang der spätviktorianischen Zeit in die Moderne sehr gut fest. Ich möchte hier auch gar nicht allzu viel hinein interpretieren, da es schon so viele Artikel darüber gibt, sondern vielmehr eines meiner Lieblingsbücher vorstellen. Wikipedia hat einen guten Text mit Informationen zur Allegorie seines vorletzten Werkes Tess. Wer sich dafür interessiert, kann ja einfach mal reinlesen.

Inhalt:

Die junge, schöne und naive Tess wächst als Bauernstochter in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Leben ist geprägt von Arbeit. Durch Zufall erfährt sie, dass sie altem normannischen Adel entstammt. Um der finanziellen Miserie zu entfliehen, sucht sie Verwandte, die in ihrer Nähe leben auf. Dort lernt sie Alec Stoke-d'Urberville kennen, der von Anfang an keine guten Absichten verfolgt. Da Tess völlig unerfahren und ungebildet ist, tappt sie in seine Falle und wird von ihm verführt. Als sie daraufhin schwanger wird, ändert sich ihr Leben. Thomas Hardy greift hier die gesellschaflichen und moralischen Zwänge des viktorianischen Zeitalter auf. Vor allem geht es um Sexualethik, die ja sehr lange mit der christlichen Morallehre identisch war.

Nachdem Tess ihr Baby alleine taufen muss, stirbt es wenig später und sie ist gezwungen ihr Heimatdorf zu verlassen. Als sie eine Anstellung als Melkerin findet, verliebt sie sich in den Pfarrerssohn Angel Claire, was wiederum zum Drama führt.

Meine Meinung:

Für mich ist Thomas Hardy einer der besten und intelligentesten Schriftsteller überhaupt. Seine Bücher enthalten so viel Hintergrundinformationen zur viktorianischen Zeit und dem Leben der Menschen von 1837 bis 1901. Dabei gelingt ihm, was viele andere Schriftsteller nicht schaffen, dass diese Informationen Teil seiner fiktiven Geschichten werden. Der Lesefluss wird dabei nicht gestört. Auch in dem Buch Tess wird man Zeuge dieser Welt.

Obwohl Tess sehr ungebildet ist, ihre Handlungen für uns aufgeklärte Menschen nicht nachvollziehbar sind, haben mich ihre heidnischen Weltansichten, die so schön und romantisch von Hardy beschrieben werden, sehr verzaubert. Leser, die nichts mit ausschweifenden detailreichen Beschreibungen von Natur und Landschaft anfangen können, werden sich mit dem Buch kaum anfreunden. Andere hingegen werden dieses Buch lieben und genießen. Thomas Hardys Buch ist wahrlich eine Liebesgeschichte, aber Kitsch und Happy End wird man hier nicht finden. Dafür wird man mit einer wunderschönen Sprache, einer tollen Erzählweise und einem intelligent geschriebenem Buch belohnt!

Fazit:

Thomas Hardy ist ein Romancier, der uns in das viktorianische Zeitalter entführt. Seine Romane werden von einem zutiefst pessimistischen Weltbild beherrscht, aber durch seine romantische Sprache gleicht sich das irgendwie aus. Eventuell gefallen sie mir auch so, weil ich düstere Bücher sehr mag und schon immer sehr fasziniert von Schopenhauers Philosophie war, die auch Thomas Hardy sehr beeinflusste.


 ★★★★verschlungen!

Kommentare:

  1. Tolle Rezension! Ich sehe das Buch immer bei meinen Besuchen im Hugendubel und habe mir fest vorgenommen, es hoffentlich mal zu lesen. Allerdings wusste ich nie, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Sie scheint aber sehr interessant zu sein. :)

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    1. Vielen Dank! Hab mich bemüht nicht zu viel zu schwärmen :) aber Hardy ist einer meiner Lieblinge ! Ich glaube, es würde dir gefallen, da du ja auch Goethe sehr magst und dieser auch gerne Naturbeschreibungen in seine Texte einbaut. Aber wenn du es liest, musst du mir unbedingt sagen, wie du es findest :) lg

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