Dienstag, 29. März 2016

Im Wald

Die norwegische Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel Året i Skogen

Als ich letzte Woche mein Postkästchen öffnete, lag ein Paket drin. Verwundert öffnete ich es und fand dann ein mir unbekanntes Buch, das den schönen Titel "Im Wald" trägt.  Um ehrlich zu sein, hatte ich momentan auch andere Leseprojekte, die aber sofort unterbrochen wurden, weil ich unbedingt dieses Buch lesen wollte. Leser meines Blogs wissen ja, dass ich sehr gerne Abenteuer lese und Skandinavien mag. Diese Geschichte hörte sich nach dem Durchlesen der Beschreibung sehr vielversprechend an, denn sie enthält beides: Abenteuer und Skandinavien. Nach zwei Tagen war das Buch dann ausgelesen.

Meine Rezension bezieht sich auf die gebundene Ausgabe vom Malik Verlag, die total schön ausfällt. Das Buch hat eine hochwertige Verarbeitung und enthält viele schöne Farbfotos vom norwegischen Wald und der Region Nordmarka. Diese befindet sich in der Nähe von Oslo und ist eine Art Naherholungsgebiet. Stilistisch betrachtet fällt das Buch in die Kategorie Sachbuch, da es sich nicht um eine fiktive Geschichte handelt, sondern um ein Projekt. Für dieses zog der Autor Torbjørn Ekelund 12 Monate lang jeweils einen Tag in den Wald, um dort zu übernachten und die Natur zu beobachten. Daraufhin schrieb er seine Erfahrungen nieder und es entstand dieses Buch, das in tagebuchartigen Notizen von seinen Erlebnissen berichtet.

Die Nordmarka im Herbst- Norwegen 

Erwähnenswert ist, dass es sich bei dem Autor um einen "Büromenschen" handelt, der eigentlich keine Zeit für eine große Expedition hat, dennoch vom Ausstieg in die Natur träumt. Beeindruckt von anderen Abenteurern und deren Büchern konzipierte er für sich selbst Mikro- Abenteuer, denn Abenteuer kann man überall erleben – dafür muss man weder den Mount Everest besteigen noch Tausende Kilometer zurücklegen. Auf seinen kleinen Ausflügen in den Wald kann er die Zeit abschalten, Fliegenfischen, dem Wechsel der Jahreszeiten zusehen, unter Sternen schlafen und dem Alltag entkommen.


Meine Meinung:

Einfühlsam und inspirierend schildert er, wie wenig man für so ein Abenteuer braucht, denn Wälder gibt es nicht nur in Norwegen, mann muss einfach hineingehen. Für mich war die Idee nichts Neues, denn ich kenne viele Menschen in Skandinavien, die es Torbjørn Ekelund gleichtun und in den Wald gehen, um dort zu übernachten. Für jemanden, der in einer Großstadt wohnt und kaum mit der Natur in Berührung kommt, mag es durchaus etwas völlig Neues und eventuell Verrücktes sein. Der Autor schildert sich in seinem Buch selbst als Jemanden, der sich allzu sehr von der Natur entfernt hat und mit seinem Projekt wieder mehr ein Teil davon werden wollte. Im Wald findet er Zeit sich selbst wieder mehr wahrzunehmen, seine Umwelt zu erfahren und über die Welt nachzudenken:

Wo die Welt einst mystisch, ja magisch war, wurde sie nach der wissenschaftlichen Revolution geradezu trivial [...] Hatte der Mensch früher sein Leben sogenannten äußeren Instanzen unterworfen (Gott, Kosmos, Natur), war er plötzlich selbst die Krone der Schöpfung [...] Die alten Erzählungen traten in den Hintergrund. Die Welt wurde entzaubert, und eine grundlegende Bedeutungsdimension im Leben der Menschen ging für alle Zeit verloren

In einem angenehmen Tempo erzählt er von den Nächten und was sich im Laufe des Jahres verändert. Nacht für Nacht nimmt er den Leser mit in den Wald und schildert gemächlich seine Eindrücke. Vergleicht sie mit denen seiner Vorbilder (Jack London, John Krakauer, Per Christen Asbjørnsen uvm) und macht sich Gedanken darüber, wie sich der Mensch so von der Natur entfernen konnte.

Dieses Buch liest sich ausgesprochen gemütlich und kann auch nebenbei gelesen werden. Man muss sich nicht konzentrieren oder einer Abhandlung folgen. Es ist wahrscheinlich so ruhig, wie die Nächte und Ausflüge, die der Autor im norwegischen Wald erlebte. Naturliebhabern wird das Herz aufgehen bei den schönen Fotos eines skandinavischen Waldes, Queerdenker erfreuen sich über die vielen Gedanken und intelligenten Vergleiche auf die der Autor während dem Nachdenken stolpert. Empfehlen könnte ich es auch jenen, die sich schon sehr von der Natur entfernt haben. Die Idee selbst ist aber wie erwähnt nichts Neues, der Autor hat auch in seinem Buch mehrere Zitate aus anderen Abenteuerbüchern abgedruckt. Was ihn aber von Thoreau und anderen Kollegen unterscheidet, das ist, dass Torbjørn Ekelund kein Naturromantiker ist und dass seine Eindrücke ganz sachlich ausfallen. Eventuell liegt das daran, dass er Journalist ist und deswegen auch sein Schreibstil eher sachlich bleibt.

Fazit:

Intelligent geschrieben, macht Lust auf Abenteuer & Natur, regt zum Nachdenken an und entführt in die Wälder Norwegens. Von mir als Skandinavien - Fan und Abenteuer - Liebhaberin eine klare Leseempfehlung!
  
★★★★verschlungen!


Vielen Dank an den Malik - Verlag für das Rezensionsexemplar! 

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