Montag, 15. Februar 2016

Rebecca

Bertelsmann Lesering 1956, 432 Seiten.

Bevor ich anfing Rebecca zu lesen war ich ja schwer der Meinung, dass das nicht mein Buch werden sollte. Warum? Nun ja, irgendwie habe ich bis vor kurzem keine einzige Rezension zu diesem Buch wirklich aufmerksam durchgelesen, sondern vielmehr überflogen und danach war  Ich  der festen Meinung, bei diesem Buch handle es sich um einen Liebesroman, der Art, wie man sie an Kiosken findet. Immer geschmückt mit übertrieben kitschigem Cover, darauf bedacht Frauenherzen höher schlagen zu lassen. In diesen Romanen geht es eigentlich immer um dasselbe: Die Protagonistin ist auf der Suche nach Mr. Right und um diesen zu finden, muss sie zuerst leiden und viele Probleme überwinden. Ich habe mich schon immer gefragt, warum so viele Frauen diese Art von Literatur bevorzugen, denn ich gehöre definitiv nicht dazu! Auch meine Mama hat sie kistenweise zu Hause liegen.

Bei Daphne Du Maurier's Buch hatte ich leider stellenweise das Gefühl genau so einen Roman in der Hand zu haben, aber schlussendlich bin ich doch positiv überrascht. Vieles hat mir gefallen, vieles nicht. Vorher noch kurz zum Inhalt:

Das Buch handelt von einer jungen Frau, die im Dienste einer reichen Amerikanerin an der Cote d' Azur den verwitweten, wohlhabenden Aristokraten Maxim de Winter kennenlernt. Nach einer Blitzhochzeit folgt sie ihm nach England und zieht mit ihm nach Manderley. Manderley ist ein großer Grundbesitz am Meer und gleich zu Beginn der Erzählung wird deutlich, dass Manderley ein unerreichbarer, für immer verlorener Ort ist. Für die Protagonistin, deren Namen der Leser bis zum Schluss nicht erfahren wird, lebt es sich von Anfang an nicht leicht auf diesem Anwesen. Dort erwartet sie neben bösartigen Dienern außerdem noch der Geist der verstorbenen Frau des Aristokraten und Einsamkeit. Außerdem wird sie von niemandem beachtet und für den Leser sehr naiv und unerfahren dargestellt. Wie alt genau sie ist, weiß man nicht, aber ihren Gedanken zufolge muss sie noch sehr jung sein, 12 oder 13.

"If only there could be an invention that bottled up a memory, like scent. And it never faded, and never got stale. And then, when one wanted it, the bottle could be uncorked, and it would be like living the moment all over again"

Egal wo hin sie geht oder was sie auch angreift, überall ist Rebecca. An einem Punkt verwandelt sich die Story in eine Geistergeschichte, ohne Geist. Aber Rebeccas Macht als Tote in Manderley ist schon etwas angsteinflößend. Mit dem Fortlaufen der Erzählung erfährt man immer mehr über Rebecca und das Geheimnis um ihren Tod wird gelüftet. Danach endet die Geschichte.

Meine Meinung:

Um mit dem Positiven zu beginnen, besonders gefallen hat mir die Atmosphäre in diesem Buch. Daphnes Beschreibungen der Natur und des Anwesens Manderley sind ausgesprochen schön und misteriös. Von Blumenranken gepflasterte Wege und regnerische Tage voller Abgeschiedenheit und Einsamkeit machen das Buch zu einem echten Gothic Novel Lesevergnügen. Genau das liebe ich! Weiters haftet einfach etwas Misteriöses und Geheimnisvolles an der Geschichte und das Buch ist ja durchaus bis zum Schluss spannend. Nervig hingegen waren die vielen Seiten, die mit den naiven und meiner Meinung nach nicht nachvollziehbaren Gedanken der Protagonistin gefüllt sind. Sowas,  bzw in diesem Ausmaß, denkt doch kein Mensch! Tagein tagaus malt sie sich aus, was, wie und warum so oder anders stattfand oder stattfinden wird. Am liebsten hätte ich ihr einen Taucher gegeben oder sie wachgerüttelt. Ich weiß nicht, ob es Absicht der Autorin war, die Protagonistin so schwach und naiv darzustellen und diese Schwäche durch die vielen Seiten zu betonen, aber frei nach dem Spruch "Less is more" hätten es ruhig ein paar weniger sein können. Weiters ist mir, wie auch vielen anderen Lesern,  aufgefallen, dass es viele Parallelen zu Charlotte Brontës Buch Jane Eyre gibt. Dieses Buch ist auch in meiner Topliste zu finden. Beide Protagonistinnen sind jung, naiv und mit einem älteren Mann verheiratet, dem sie auf ein einsames, abgeschiedenes Anwesen folgen.

Fazit:

Ein spannendes Buch, voller Mistery und schön beschriebener Details mit einer durchaus nervigen Protagonistin, aber dennoch sehr lesenswert!

★★★★

Rory Gilmore Reading Challenge: 54/300 gelesen

Kommentare:

  1. Liebe Tinka,

    auf den ersten Blick hat sich das Buch ganz interessant angehört. Aber deinem Resumé nach und auch das, was so der Klappentext verspricht, konnte es mich dann aber nicht so richtig überzeugen. Wenn ich deinen Hinweis auf Jane Eyre sehe, dann ist das Thema doch ein wenig durch.

    Liebe Grüße
    Tobi

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    1. Lieber Tobi,

      ich glaube Rebecca ist wirklich einfach ein Frauenbuch. Und wenn dir Jane Eyre nicht gefallen hat, dann wird dir dieses Buch bestimmt auch nicht zusagen! Ich mochte einfach die gothic novel Eigenschaften an der Erzählung und da ich ein Fan von England (Schottland und Irland) bin, mochte ich auch die englische Stimmung sehr: ein altes verlassenes Anwesen, die Eigenarten der Bediensteten und halt den Regen, der dem Buch eine eigene Stimmung gibt. Aber das muss einem halt alles gefallen :)

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  2. Oh, ich liebe "Rebecca" und mir geht jedesmal das Herz auf, wenn ich etwas dazu lese. :) Deine Ausgabe ist aber auch besonders schön! ;)

    Ich mochte die Protagonistin, trotz ihrer Schwächen, weiß aber, was du meinst. ;)

    Hast du noch vor, dir den Film anzusehen? Den gibts bei YouTube - ebenso wie die Musik vom Musical. :)

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    1. Aus welchem Jahr ist der Film, würde mich auf jeden Fall interessieren! Ist er auch so stimmungsvoll, wie das Buch? Ja, bei der Protagonistin ist es glaub ich so, dass man sie entweder mag oder eben nicht. Aber sie ist nicht ausschlaggebend dafür das Buch nicht zu lesen. Wie gesagt ist es so ganz gut geschrieben, bis auf ein paar Schwachstellen (Vergleich zu den Liebesromanen und Jane Eyre) aber wenn man generell die Stimmung in gothic novels mag, wird einem das Buch sicherlich gefallen !

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    2. Der Film ist von 1940, wenn ich das richtig sehe. Steht zumindest bei YouTube so. Also ich finde schon, dass er das Buch ganz gut umsetzt, auch wenn es natürlich Abänderungen gibt und der Film nicht durchweg melancholisch ist, wie das Buch. Ich weise dich aber lieber gleich darauf hin, dass ich schon von ein paar Leuten gehört habe, dass sie vom Film nicht wirklich begeistert waren. Reinschauen lohnt sich aber, da es ja bei YouTube kostenlos ist, kannst du da nichts falsch machen. Solltest deine Erwartungen vielleicht nicht zu hoch schrauben.^^
      Ja, gothic novel haben wirklich was für sich. Die Brontë-Schwestern sind mal so ein erfrischendes Pendant zu Jane Austen. ;)

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    3. Aaaa...h das ist ja ein Hitchcock Film, na dann werden wir uns den reinziehen :) Bin gespannt ^^ Danke für den Tipp auf jeden Fall !!

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  3. Huhu Tinka,

    ich liebe deine Rebecca Ausgabe wirklich! Ich hatte ein altes zefleddertes Taschenbuch von meinem Vater, der auch ein großer Fan ist. Das Buch mögen also nicht nur Frauen. ;) Wie dir, hat mir auch die Stimmung und das Mysterium unheimlich gut gefallen. Ich wusste bis zuletzt nicht, wie die Auflösung sein wird.
    Die Protagonistin habe ich aus dem Buch gar nicht mehr so gut in Erinnerung. Zumindest war ich wohl nicht so abgeschreckt wie du. :D Wenn mich meine Erinnerung nciht täuscht, wächst sie aber und wird vom schüchternen naiven Ding zu einer zumindest etwas stärkeren Frau. Kann das sein, oder vermische ich da was mit dem Musical?
    Dephne du Maurier gibt ja auch an, dass sie von Jane Eyer beeinflusst wurde. Aus dem Grund habe ich dann auch Jane Eyer gelesen. Allerdings fand ich die Ähnlichkeit gar nicht so aufdringlich. Eigentlich kommt sie ja erst zum Schluss raus. Jane war für mich auch eine viel härtere Frau.
    Da dir das Mysteriöse auch so gut gefallen hat, kann ich dir die Kurzgeschichten der Autorin wirklich empfehlen. Mich haben da einige sehr beeindruckt. Die meisten gehen auch weg von dem Liebesthema und werden ein wenig gruseliger.

    Liebe Grüße
    Ciri

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    1. Hallo liebe Ciri,

      ich habe mir jetzt auch noch Jamaica Inn besorgt, das soll ja sehr vielversprechen sein und wenn die Autorin bei diesem Buch das Liebesthema weglässt, dann kann es nur ein gutes Buch werden. Schreiben kann sie ja auf jeden Fall. Ich bin gespannt. Hast du Jamaica Inn schon gelesen?

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    2. Nein, habe ich noch nicht. Bin aber sehr gespannt, was du dazu sagen wirst. Auf meinem SuB liegt von ihr nämlich nur noch "DIe standhafte Lady".

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