Mittwoch, 24. Februar 2016

Der große Trip

Goldmann Verlag 448 Seiten


Cheryl Strayed verkaufte alles, um durch die USA zu wandern

Vergangenes Wochenende habe ich mir als Vergleich zum ausgelesenen Buch auch den Film Wild angesehen. Der Film basiert auf den Erfahrungen der Amerikanerin Cheryl Strayed, die sie in ihrem Buch Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst niederschrieb. Im Film wird sie von Reese Whiterspoon verkörpert. Ich kann gleich vorweg sagen: Der Film ist grottenschlecht!! Bitte das Buch lesen!


Klappentext:

„Die Frau mit dem Loch im Herzen, das war ich.“ Gerade 26 geworden, hat Cheryl Strayed das Gefühl, alles verloren zu haben. Und so trifft sie die folgenreichste Entscheidung ihres Lebens: die mehr als tausend Meilen des Pacific Crest Trail zu wandern, durch die Wüsten Kaliforniens, über die eisigen Höhen der Sierra Nevada, durch die Wälder Oregons bis zur „Brücke der Götter“ im Bundesstaat Washington – allein, ohne Erfahrungen und mit einem Rucksack auf dem Rücken, den sie „Monster“ nennt. Diese Reise führt Cheryl Strayed bis an ihre Grenzen und darüber hinaus ...

Das Buch beginnt mit der Schilderung der Erkrankung ihrer Mutter. In einem rasenden Tempo erzählt Cheryl Strayed auf den ersten 50 Seiten, wie sich ihr Leben ab diesem Zeitpunkt veränderte. Als Leser hat man das Gefühl man brettere einen Abhang herab oder falle in ein tiefes Loch ohne Boden. Beinahe hätte ich das Buch weggelegt und für immer zugeklappt, weil mir das Erzähltempo einfach zu schnell war. Zum Glück hab ich aber weitergelesen, das Tempo wird irgendwann schleichend langsamer und pendelt sich angenehm ein.

An einem Punkt hat die Autorin den Leser dann so tief in den Abgrund mitgezerrt, dass es nur noch bergauf gehen kann. Cheryl Strayed beschließt hier ihr Leben zu ändern und entscheidet sich auf die Suche zu gehen, um einen anderen Sinn in ihrem Leben zu finden. Spontan kauft sie ein Buch über den Pacific Crest Trail und macht sich ohne Erfahrung auf, um diesen zu bewandern, alleine und nur mit einem Rucksack bepackt.

Der Pacific Crest National Scenic Trail ist ein 4279 Kilometer langer Fernwanderweg und Reiterweg im Westen der USA. Er führt von Mexiko nach Canada und passiert mitunter die Sierra Nevada.  Quelle: link 

Wir begleiten sie durch den Westen Amerikas und erfahren mit jedem Kapitel mehr von ihrem Leben. Wir sind an ihrer Seite, so als ob wir gerade jemanden neu kennenlernen. Strayed erzählt nicht alles auf einmal. Immer wieder hält sie inne und dann gibt es neue Einblicke, neue Offenbarungen. Dabei hat die Autorin einen speziellen Ton, wie sie Begebenheiten und Ereignisse aus ihrem Leben schildert. Dieser trifft bestimmt nicht jedermanns Geschmack, aber meiner Meinung nach gibt er dem Buch Authentizität. Cheryl Strayed ist definitiv  kein zartbeseitetes College-Girl. Unverblümt schreibt sie über ihre Drogenexperimente, über Männerabenteuer und über ihre Kindheit, in der kein Vater war und immer wieder kommt sie auf ihre Mutter und den Krebs zurück.


Meine Meinung:

Cheryl Strayed wird für ihr Buch gehasst & geliebt. Gleich mehrere Hater-Blogs finden sich im weltweiten Netz. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich habe es in nur wenigen Tagen ausgelesen. Wenn man den Anfang einmal überbrückt hat, wartet ein spannendes Abenteuer, mit viel Tiefgang. Ich muss allerdings sagen, dass ich nicht wie die Autorin glaube, dass es im Leben irgendeine Erlösung oder zweite Chance gibt. Das Leben ist für sich nur einmalig und somit hat auch jeder nur eine Chance etwas daraus zu machen. Auch glaube ich nicht, dass es Fehler gibt, für die wir Menschen um Verzeihung bitten müssen. Alles ist Erfahrung, diese machen ein Leben aus und machen uns zu den Menschen, die wir am Ende sind. Viele Leser müssen aber genau das respektieren, ansonsten hasst man das Buch. Ich habe in vielen Rezensionen gelesen, dass Cheryl dafür verurteilt wird, weil sie ihren Ehemann verlässt und Heroin konsumiert, aber es ist nun mal ihr Leben und ihre Geschichte. Ohne den Schluss zu verraten, glaube ich, dass die Autorin genau das am Ende auch einsieht. Für mich war es einfach spannend zu erfahren, wie und wo ein anderer Mensch Antworten für unser Dasein sucht. Und wie die meisten ist auch Cheryl in ihrer Suche leider bemüht den Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden. Das ist mein einziger Kritikpunkt.


Fazit:

Für Fans von T.C Boyle, Charles Bukowski und John Steinbeck

 (ähnlicher Schreibstil) 

★★★★

Kommentare:

  1. Hallo Tinka,
    irgendwie bin ich heute auf deinen Blog gestoßen - und ich lese deine Rezensionen sehr gern. Sie sind nicht so überladen, sondern beinhalten das Wichtigste und machen Lust auf die Bücher. Toll finde ich auch, dass du eben nicht nur die moderne Literatur liest, sondern dich auch an Klassiker ranwagst. Obgleich sie zum Teil recht schwierig sind...
    Wir werden deinen Blog im Auge behalten.
    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. vielen Dank, das freut mich! Ich mag das auch nicht besonders, wenn zu viel hinein interpretiert wird. Viele Klassiker sind sehr einfach zu lesen, natürlich gibt es dann Bücher wie Moby Dick und Anna Karenina, die viel Puste verlangen, aber bei den meisten ist das eben nicht so. Man muss sich nur trauen, irgendwann kommt man sowieso rein in diesen Schreibstil. Kommt gerne wieder ^^

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