Montag, 29. Februar 2016

Bel-Ami

Bertelsmann Verlag 446 Seiten

Guy de Maupassant ist bzw war für mich ein Schriftsteller, der zwar in der Bücherwelt immer wieder meinen Weg kreuzte, mich aber nie wirklich so interessierte. Mit Französischer Literatur hab ich mich bis auf das ein oder andere Buch nur mäßig beschäftig, mir sind die Engländer mit ihrer Art zu schreiben einfach lieber. Ich liebe, liebe, liebe Englische Literatur (und Amerikanische L.)  Ich muss auch gestehen, dass ich überhaupt nicht wusste, um was es in dem Buch Bel-Ami geht, also ließ ich mich einfach überraschen und wurde nicht enttäuscht.

Maupassant erzählt in Bel-Ami die Geschichte von George Duroy, der mir von der ersten Seite an sehr unsympathisch war. Ein Hedonist, wie er im Buche steht. Mit diesem zeichnet er einen Protagonisten, der auch im heutigen Leben zu finden ist. In ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, streift er durch die Pariser Straßen des 19. Jahrhunderts auf der Suche nach Vergnügen. Mit sehnsüchtigen Blicken, oft von Neid zerfressen, wünscht er sich reich und angesehen zu sein. Bei einem seiner Spaziergänge trifft er einen alten Bekannten, den er nur anspricht, weil er sich erhofft, dass dieser ihm ein Bier spendiert. Und auch sonst hat der Protagonist keine Probleme damit, andere Leute für seine Zwecke zu missbrauchen oder ihre Leben zu zerstören, solange er einen Vorteil daraus ziehen kann. Vom Glück gesegnet, hat er auch noch ein gutes Aussehen und weiß immer, was zu sagen ist,  um seine Mitmenschen um den Finger zu wickeln. Vor allem Frauen scheinen auf ihn reinzufallen.

Durch verschiedene Liebschaften mit Frauen einflussreicher Männer gelingt es ihm in die hohe Gesellschaft aufzusteigen und Geld zu erben. Was zuerst noch Spielereien sind, um zu testen, wie weit er gehen kann, wird schnell zu einer Art Lebensphilosophie. Der Protagonist wundert sich, wie blöd und naiv die Menschen doch sind und wie schnell sie einem vertrauen, wenn man ihnen richtig zu schmeicheln weiß.

Meine Meinung:

Maupassant ist nicht nur ein begnadeter Erzähler, sondern auch ein Kenner der menschlichen Psyche. Wie oft habe ich in diesem Buch Charaktere getroffen, die so auch im wirklichen Leben ihre kleinen Psychospielchen treiben. Er zeichnet ein Gesellschaftsbild, das auch noch in der heutigen Zeit in dieser Weise noch tief verankert ist. Getrieben von Ehrgeiz und Gier wird auf die Gefühle anderer nichts gegeben und für Mitgefühl, wo man meinen sollte, dass genau dieses den Menschen auszeichne, hat in dieser Geschichte niemand etwas übrig. Und wo ich noch am Anfang glaubte, dass die Frauen in seinem Roman zu naiv dargestellt werden, und so leicht zu haben,  wie Früchte, die man nur vom Baum pflücken muss, ist mir sein Frauenbild nach längerem Nachdenken durchaus plausibel erschienen. Wieviele Beispiele aus dem echten Leben kenne ich, wo das weibliche Geschlecht für alles offen ist, nur um der Liebe willen, immer bereit auch sich selbst dafür zu demütigen.

Erstaunlich wie Maupassant in seinem Roman die menschliche Natur wiederspiegelt, ihre schlechten Seiten seinen Figuren einverleibt und in seine Geschichte einbettet.

Fazit:

Brilliant erzählt und die menschliche Natur mit ihren Tragödien satirisch dargestellt. Und dabei wird man ausgesprochen gut unterhalten, obwohl es eigentlich traurig sein sollte, dass wir Menschen eben so sind.  Der Schreibstil kommt für mich manchmal etwas zu pompös und pathetisch daher. Deshalb mein Vergleich mit der englischen Literatur, aber sehr lesenswert! Bin schon auf andere Bücher dieses Autors gespannt!

Erschienen 1885, mit Illustrationen von Wilhelm Busch.

★★★★

Kommentare:

  1. Deine Rezension macht richtig Lust auf den Roman. Ich glaube, ich sollte ihn ganz dringend vom SuB befreien.

    Ich habe deinen Blog gerade erst entdeckt, es gefällt mir hier sehr :)

    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Liebe Eva,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Und für das Lob, das freut mich natürlich sehr :) :) :) dann werd ich mal zu dir stöbern kommen ^^

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