Donnerstag, 21. Januar 2016

Drei Männer im Schnee

Ein tolles Buch für einen verschneiten Wintertag 

Das letzte Mal hatte ich einen Kästner in der Hand, als ich noch ein Dreikäsehoch war, damals steckte ich meine Nase nur zu gern in seine Kinderbücher. "Ein fliegendes Klassenzimmer", "Das doppelte Lottchen" und "Pünktchen und Anton" versetzen mich einfach zurück in die Kindheit.

Ich hatte ganz vergessen, wie genial dieser Mann schreiben konnte. Natürlich hatte ich auch seinen Schreibstil nicht mehr im Gedächtnis, diese überspitzten Formulierungen und die vielen spöttischen Bemerkungen machen eben einen Kästner aus. Aber es sind auch immer etwas Güte, Lebensweisheit und Antipathie gegenüber dem Spießbürgertum in seinen Büchern zu finden. Kästners rebellische Weltansichten flossen immer in seine Geschichten mit ein, so zählen auch seine Kinderbücher als Aufklärungsromane par excellence und sollten in keiner Kinderstube fehlen.


Drei Männer im Schnee reiht sich ebenso in die Liste der gelungenen Kästner Bücher ein und ist, das kann ich jetzt schon verraten, sehr lesenswert! Aber nun mehr zum Inhalt:

Geheimrat und Multimillionär Tobler möchte raus aus seiner betuchten Welt und die Menschen "richtig" kennen lernen, so wie sie eben sind und ihm gegenübertreten würden, wenn sie nicht wüssten, dass er vermögend ist. Er beteiligt sich an einem Preisauschreiben seiner eigenen Firma, allerdings unter falschem Namen. Er schlüpft in die Rolle des Schulze und gewinnt unter diesem Namen den zweiten Preis: einen zehntägigen Aufenthalt im Grandhotel zu Bruckbeuren in den Alpen. Bruckbeuren ist ein fiktiver, verschneiter Ort irgendwo in Tirol. Begleitet wird er auf diesem Trip von seinem langjährigen Diener Johann, der während des Hotelaufenthaltes einen reichen Schiffsherrn zu spielen hat.

Hildegard, die Tochter Tobler's macht sich Sorgen und informiert das Hotel vor seiner Abfahrt und klärt das Personal über dessen Pläne auf, mit der Bitte bei diesem Vorhaben mitzuspielen. Blöderweise vergisst sie dabei den Namen zu nennen.

Irrtümlich wird Dr. Fritz Hagedorn, ein arbeitsloser Werbefachmann, der in dem Preisausschreiben den ersten Preis gewonnen hat, für den reichen Mann gehalten und entsprechend verwöhnt. Tobler aka Schulze hingegen wird in eine unbeheizte Dachkammer verfrachtet und vom Personal schikaniert. Dazu wird er immer wieder zu Gelegenheitsarbeiten wie Schneeschaufeln und Einkaufen verdonnert. Dem Personal ist alles recht, um ihn aus der Sichtweite der anderen Gäste zu vertreiben.

Bereits am ersten Tag werden die drei Männer Freunde. Wie süß und harmonisch diese Freundschaft unter den Männern beschrieben und dargestellt wird, macht das Lesen schon allein zum puren Vergnügen.

Als Tobler schließlich auf Wunsch der anderen Gäste des Hotels verwiesen wird, fährt er nach Hause und dann klärt sich alles auf.

Meine Meinung:

Bei dieser Erzählung von Erich Kästner handelt es sich um eine typische Verwechslungskomödie. Charakteristisch bei dieser Gattung ist, dass Personen aufgrund von Handlungen oder Äußerlichkeiten verwechselt werden und dass diese Verwechslung zu Verstrickungen führt.  Hauptbestandteil einer solchen Erzählung ist das "Komische".  Normalerweise habe ich mit Komödien so meine Probleme, weil die Witze oft platt und billig auf mich wirken. Abgedroschen ist ein anderes Wort dafür. Das trifft allerdings nicht auf dieses Werk zu. Kein anderer sprüht vor so viel Zynismus und ist dabei so sympathisch wie Erich Kästner. Besonders gefallen hat mir die Kreativität in den Dialogen, man schmilzt beim Lesen dahin und kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr raus.

Wie in fast allen anderen Büchern von Kästner haben wir auch bei "Drei Männer im Schnee" eine gespaltene Gesellschaft: Arme und Reiche. Kästner glaubte an Erziehung und Bildung, an den Frieden und die Humanität und predigte sie in seinen Werken den Kleinen wie auch den Großen:

 "Das Leben ist ernst und schwer. Und wenn die Menschen, denen es gut geht, den anderen, denen es schlecht geht, nicht aus freien Stücken helfen wollen, wird es noch ein schlimmes Ende nehmen" 
 
Pünktchen und Anton

Deshalb darf man auch in diesem Buch eine Ladung Moral erwarten, humorvoll verpackt zwischen schön geschriebenen Sätzen, aus der Feder eines Moralisten. Ein echtes Wohlfühl-Buch !

★★★★  verschlungen!

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