Montag, 24. August 2015

Todesrosen

2008 erstmals ins Deutsche übersetzt, 304 Seiten

Suðureyri, ein verschlafenes Fischerdorf in den Westfjorden
 
Kein Sommer ohne Krimis! Am liebsten mag ich sie natürlich aus Skandinavien.  In den letzten drei Tagen habe ich das Buch Todesrosen von Arnaldur Indriðason regelrecht verschlungen, vertilgt - nennt es wie Ihr wollt. Das Lesen hat mir diesmal besonders viel Freude bereitet, da die Geschichte in Reykjavik spielt und die Erwähnung von Plätzen im Buch ganz eigene Bilder in meinem Kopf hervorgerufen hat.

Island ist nicht sehr bekannt für Literatur, man verbindet mit diesem Land eher Vulkane, Feen, Eisberge und menschenleere Landschaften. Die meisten Skandinavien-Krimis sind  aus Schweden, Norwegen und Dänemark. Dennoch hat es Indriðason geschafft sich einen Namen als Krimiautor zu machen.

zum Inhalt:

Wann haben die Tage des Lebens ihre Farbe verloren? Ein Gedanke, der dem Protagonisten dieser Geschichte immer wieder im Kopf herum geistert. Um ihn kurz vorzustellen:  Kommissar Erlendur Sveinsson gehört womöglich zu den Loosern auf dieser Erde, gescheiterte Ehe, Einzelgänger, introvertiert, zwei Kinder - beide von der rechten Bahn abgekommen. Die Tochter ein Junkie, der Sohn Alkoholiker. Der etwas lebensmüde Kommissar meidet Tageslicht und hat eigentlich so gut wie keine Freunde.

In Todesrosen ermittelt Erlendur in seinem zweiten Fall. Dieser Band wurde erst im Nachhinein ins Deutsche übersetzt und ließ viele Fans lange auf das Buch warten. 

Es ist Sommer in Island, die Nächte sind lang und hell. In einer Nacht wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Sie liegt auf dem mit Blumen geschmückten Grab des isländischen Freiheitskämpfers Jon Sigurdsson. Kommissar Erlendur und seine Kollegen Jón Sigurður, Oli und Elinborg von der Kripo Reykjavik finden schnell heraus, dass es sich bei der Toten um eine Drogenabhängige handelt. Wie und warum kommt aber genau dieses Mädchen da hin? Was sollte diese Inszenierung zu bedeuten haben? Die Ermittlungen erweisen sich als heikel, denn einige Prominente tauchen plötzlich  im Kreis der Verdächtigen auf....

Neben dieser Haupthandlung gibt es eine Geschichte aus der Gegend der Westfjorde, die im Krimi fast genau so wichtig ist, wie die Aufklärung des Mordes. Letzteres passiert irgendwie nebenbei. 
In der fiktiven Welt um den Kommissar Erlendur bezieht der Autor soziale und politische Probleme Islands ein, darunter gehört zB die eingeführte Fischfangquote, die  eine Abwanderung aus den Westfjorden auslöste. Für mich persönlich wertet das sein Buch auf!

Buchbesprechungen sind meiner Meinung ja immer subjektiv, das erwähne ich jetzt, weil ich zugeben muss, dass ich bei den ersten 20 Seiten nicht sofort warm geworden bin mit dem Schreibstil von Indriðason. Auf mich wirkte der Anfang etwas holprig, die richtigen Worte mussten erst gefunden werden und dann kamen auch noch die vielen Tippfehler, für die aber der Verlag verantwortlich ist.  Nach und nach wurde es besser und nichtsdestotrotz handelt es sich hier um einen klassichen skandinavischen Krimi. Ein weiteres Minus gibts bei mir für das Cover, absolut nicht mein Geschmack, aber über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten! Es mag gut sein, dass manchem Leser die Bücher von Arnaldur Indriðason nicht mysteriös, blutig oder spannend genug sind, was sie aber sind ist realitätsnah und deswegen wahrscheinlich so glaubhaft. Ein weiteres Plus gibts für den nordischen Humor, den versteht aber nicht jeder - ich liebe ihn!


Infos zum Autor:

Arnaldur  Indriðasons, geboren 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute schreibt er mit sensationellem Erfolg Krimiromane, die sich weltweit einer großen Fangemeinde erfreuen. Seine Krimis wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter auch mit dem Nordischen Krimipreis. Der Autor lebt mit seiner Familie in Reykjavik.

★★★★

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