Donnerstag, 4. Juni 2015

Sommer - Klassiker


Was einen Sommer so besonders macht? Erinnerungen und gutes Eis!

Für mich fängt der Sommer quasi schon morgen an, bei Sonnenuntergang werde ich im Flugzeug nach Reykjavik sitzen. Der Koffer ist gepackt, heute werden noch die Akkus für die Kamera geladen und dann kann es losgehen! Auf der Suche nach der passenden Sommerlektüre ist mir dann aufgefallen, dass mich gewisse Bücher mehrere Sommer begleiten durften. Was ein Buch zum Sommerbuch macht ist eine persönliche Frage, meist entsteht es im Nachhinein und fängt die Erinnerungen eines ganzen Sommers ein. Für die einen muss es einfach nur dünn sein, der Koffer ist ja schon schwer genug! Andere brauchen Abenteuer, weil auch sie selbst auf Abenteuerfahrt gehen.


Ich verrate nun meine liebsten Sommer-Klassiker:




1 William Shakespeare 

Ein Sommernachtstraum 


 Schon alleine der Titel schreit nach Sommer! Ich weiß gar nicht, wie oft ich dieses Stück gelesen oder auf der Bühne gesehen habe! Als ich noch als Veranstaltungstechnikerin tätig war, mussten es 6 oder 7 Mal gewesen sein. In diesem Stück geht es um Liebe. Ja Liebe ist schon was Seltsames, sie treibt uns schier in den Wahnsinn. Also da ist Demetries, der Hermia heiraten soll, doch die liebt Lysander und der liebt sie auch. Die zwei fliehen aus Athen, gefolgt von Demetrius, der wiederum von Helena verfolgt wird. Helena liebt Demetrius. Und dann sind da noch die Elfen aus dem Wald, die mit ihren Zaubertränken die Gefühle noch mehr durcheinander bringen. Willkommen im Sommernachtstraum!

,,Die Liebe sieht nicht, sondern träumt und sinnt,
Drum malt man den geflügelten Amor blind.
Auch hat ihr Traum von Urteil keine Spur:
Flügel und blind! So hastet Liebe nur,
Die Liebe, die man oft ein Kind drum nennt,
Weil ihre Wahl sich kindisch oft verrennt"

Ein Sommernachtstraum ist zwar schon 400 Jahre alt und mag für manche verstaubt und öde wirken, dennoch ist es auf eine eigene Art spritzig und eines der besten Werke der Weltliteratur. Ich empfehle es auch einmal auf der Bühne anzuschauen!



Originaltitel

Harper Lee

Wer die Nachtigall stört 


Als dieses Buch veröffentlicht wurde, war es Sommer. Bei meiner Recherche fand ich heraus, dass es genau an einem 11. Juli 1960 herausgegeben wurde. Bereits die ersten Seiten entführen in ein von der Sonne geküsstes Alabama und somit in den tiefen Süden der Vereinigten Staaten. Die Geschwister Scout und Jem wachsen in den 1930er Jahren auf. Jäh bricht die Wirklichkeit des Rassenhasses in ihre behütete Welt, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Wer sich schon tiefer mit der Materie der Apartheit befasst hat, kann sich gut ausmalen, wie die Situation in den 30ern war. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der Tochter, die 6 Jahre alt ist. Einzigartige Figuren, Menschlichkeit in all ihren Facetten und die warme Sonne Amerikas machen diesen Roman zum Sommerklassiker!

  
,,Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.
Du hast Harper Lee gelesen"
Frankfurter Allgemeine



3 Stan Nadolny

Die Entdeckung der Langsamkeit


Dieses Buch wird mich immer an den Sommer erinnern, da ich noch ein Teenager war und im Juli zwei Wochen mit meiner Schwester bei den Großeltern verbrachte. Wenn ich mich so entsinne,  rieche ich  dampfende Maiskolben, die auf einem offenen Feuer garen und ich fühle kühle Schatten auf der Haut. Meine Oma hatte einen großen Garten, der voller Bäume war, unter einem von diesen Bäumen saß ich auf der Schaukel und las. Ja damals war Zeit noch ein ganz anderer Begriff für mich, denn es erschien mir, als etwas völlig Unendliches. Auch der Protagonist in diesem Buch hat ein Zeitproblem. Seit seiner Kindheit träumt John Franklin davon, eines Tages zur See zu fahren. Blöderweise ist er dazu so gar nicht geeignet, denn in allem, was er tut, ist er extrem langsam. Doch was er einmal erfasst hat, vergisst er nicht! Er geht zur Marine und begibt sich auf die Suche... Stan Nadolnys Roman ist ein Buch über Abenteuer, Sehnsucht, Reisen und Wanderlust.





4 Charles Bukowski

Der Mann mit der Ledertasche


 Als ich dieses Buch las, hatte ich mehrere Piercings im Gesicht, bunte Haare, zerrissene Blue-Jeans und ein Dosenbier in der Hand. Damals gab es in Österreich ein relativ günstiges Bahnticket für Jugendliche, mit dem man queer durch das Land der Berge tuckern konnte. Ich saß also im Zug, der vollgestopf war mit Sommertouristen, jungen Interrailern und Pensionisten, die auf Wanderurlaub waren. Aus meinem Kopfhörer drang laute Punkmusik und ich las zum ersten Mal eine Geschichte des  dirty old man in Taschenbuchformat. Danach habe ich mir auch alle anderen gekauft. Der Mann mit der Ledertasche ist Bukowskis erster Roman. In diesem Werk verarbeitet er seine Erlebnisse als Angestellter des U.S Postal Service. Auch Henry Chinasky, der ja sowas wie Bukowskis literarisches Ego mimt, beginnt Mitte der 50er Jahre bei der Post zu jobben. Das Leben ist nicht immer gut zu ihm und die Angestellten tragen viel dazu bei es noch unerträglicher zu machen. Dennoch lässt sich Henry nicht unterkriegen und wirkt mit viel Alkohol und wechselnden Liebschaften der Trostlosigkeit entgegen.

Bukowski ist halt einfach anders!



Norman Lewis

Originaltitel

Die Stimmen des alten Meeres


Norman Lewis ist in unseren Breitengraden eher nicht so bekannt, was mich nur staunen lässt!
Einen "magischen Geschichtenerzähler" hat man ihn genannt. In diesem Buch erzählt er die Geschichte vom Widerstand spanischer Fischer gegen moderne Strukturen, von einem Kampf, der zum Überlebenskampf wird.

Es ist das alte Meer des Odysseus, von dem ein Fischer in dem abgelegen spanischen Dorf Farol spricht. In der Zeit um 1950 beginnt der Tourismus aus Nordeuropa die noch archaisch gebliebene Küstenregion der Costa Brava zu überfluten und uralte Strukturen hinwegzuschwemmen. Norman Lewis, einer der größten Reiseschriftsteller, hat damals drei Sommer lang diesen ebenso mythischen wie dramatischen Kampf miterlebt.

Was mir so an diesem Buch gefallen hat, sind die herzlichen Charaktere und die Erzählweise, die es wirklich schafft einen völlig in die Geschichte eintauchen zu lassen. Während dem Lesen fiebert man total mit und hofft das Beste für die Fischer.



6 Jeannette Walls

Schloss aus Glas


Originaltitel
Dieses Buch geriet zufälligerweise in meine Hände. Ich war zu Besuch bei meiner Schwester und hatte das mitgebrachte Buch ausgelesen und brauchte ein neues für die Heimfahrt. Ja auch das geschah an einem heißen Sommertag, genau genommen im August 2014. Normalerweise wähle ich meine Bücher schon explizit aus, ich liebe ja Klassiker, es passiert eher selten, dass ich willkürlich ein Buch kaufe. Dieses kannte ich aber nicht. Ich habe es in einer Nacht ausgelesen. Irgendwie hat es total meinen Geschmack getroffen und hat alles was ein gutes Buch für mich haben muss: Eine gute Geschichte, eine hochwertige Sprache, einen guten Erzählstil und den richtigen Grad Verrücktheit. Dabei handelt es sich ganz und gar nicht um eine erfundene und unglaubliche Geschichte, die Autorin schrieb das Buch nach eigenen Erlebnissen. Es ist die wunderbare Geschichte einer Kindheit , die total unkonventionell ausfällt und einmal ganz anders ist, als das was man aus Astrid Lindgren Büchern kennt. Ein ziemlich geglückter Roman!

Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Ihr Vater geht mit ihr auf  Dämonenjagd, holt ihr die Sterne vom Himmel und verspricht ihr ein Schloss aus Glas. Was macht es da schon, mit leerem Bauch ins Bett zu gehen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Doch irgendwann ist das Bett ein Pappkarton auf der Straße, und eine Adresse gibt es schon lange nicht mehr.

Auf über 400 Seiten lässt uns die Autorin teilhaben an einer Kindheit, die manch ein Leser für total verstörend empfinden mag, für mich persönlich klingt es aber nach purer Freiheit und Entfaltung, und genau das brauchen Kinder! Eine faszinierende und wahre Geschichte!


  Jack Kerouac

Unterwegs

 

Originaltitel
Ende der 40er Jahre reiste Jack Kerouac mit seinem Studienkollegen Neil Cassady durch die USA. Cassady fuhr anscheinend wie ein Geisteskranker durch die öde und trockene Landschaft eines heißen Sommers und Jack saß auf dem Beifahrersitz und vermerkte Notizen. Genau nach diesen Notizen schrieb er dann das Buch Unterwegs.

THE BEAT GOES ON
Sie sind immer «on the road», die Underground-Poeten der Beat Generation, immer unterwegs, auf Trips quer durch den amerikanischen Kontinent. Sie berauschen sich an der Natur, an Drogen, am Jazz, am Sex. Atemlos erzählt Jack Kerouac in seinem autobiografischen Roman von der Suche nach dem Glück, nach Freiheit, nach der großen Liebe, nach der ultimativen Party.

Es ist die Zeit, in der man einfach seinen Krempel packt, sich an den Straßenrand einer gut befahrenen Straße stellt und darauf wartet, dass jemand anhält, der einen auf Abenteuerfahrt mitnimmt. Ein Ziel ist nicht in Sicht, es geht vielmehr um das unterwegs sein und um die unvorhersehbaren Ereignisse, die das Leben einem bereitet, wenn man sich treiben lässt. Es ist ein Buch zum Immer-Wieder-Lesen und bei jedem Mal ist es anders!


"But why think about that when all the golden lands ahead of you and all kinds of unforseen events wait lurking to surprise you and make you glad you're alive to see? "
- Jack Kerouac



Tove Jansson

Sommerbuch


Einige Sommer habe ich in Finnland schon verbracht und es waren zweifelslos die schönsten meines Lebens! Jeder, der schon einmal im hohen Norden war, weiß, dass die Sommer nicht lang sind, weshalb die Skandinavier sie umso mehr genießen und exzessiv feiern. Wenn Mitte Juni die Midsommer-Feuer brennen und um Mitternacht die Sonne noch immer am Himmel steht, dann ist der Sommer schon wieder fast vorbei.

Tove Jansson kenne ich als Illustratorin und Erfinderin der Moomins, die ich total liebe. Sie sind sehr beliebt und  überall bekannt in Skandinavien. Die Moomins sind kleine Trolle, die im Wald leben, ihre Welt ist oft lustig, aber auch düster. Dass die Autorin also tolle Geschichten erzählen kann, hat sie bei den Moomins schon bewiesen.

In ihrem Sommerbuch geht es um die Erlebnisse eines kleinen Mädchens, das zusammen mit ihrer Großmutter und ihrem Vater auf einer finnischen Insel lebt.

Immer wenn die Luft leicht wird, das Meer funkelt und Sonnennebel sich über die einsame finnische Insel legt - dann ist Sommer. Sophia zeltet, taucht im eiskalten Wasser und entdeckt die Geheimnisse der Insel. Aber sie hilft auch ihrer eigensinnigen Großmutter, ihr Gebiss zu finden, lernt von ihr unanständige Lieder oder diskutiert mit ihr leidenschaftlich über die Existenz der Hölle oder der von Gott.

Tove wählt  ganz einfache Worte, mit denen sie  wunderschöne Bilder kreiert. Sie packt viele Weisheiten in ihre Geschichte und verleitet dabei auch oft zum Nachdenken. Irgendwie ist auch ein Zauber darin versteckt, der einen langsamer altern lässt.

Bitte unbedingt lesen!

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