Sonntag, 18. August 2019

Porträt einer jungen Damen

Ein wunderschönes Buchcover vom ars vivendi Verlag 

Henry James Schreibstil erinnert mich immer an einen intellektuellen Großvater, der im Schaukelstuhl sitzt und mit einem Cognac in der Hand Geschichten zum Besten gibt. Dabei habe ich aber einen ganz bestimmten Großvater im Kopf, dieser ist hoch gebildet, ist weit gereist - hat den Ozean mehrmals überquert, sich in die ein oder andere adrette Dame verliebt und kennt die Konventionen, die sich für eine adelige Gesellschaft schicken. Vor allem hat dieser Großvater meistens für die weiblichen Akteure seiner Geschichten immer etwas Außergewöhnliches geplant. So auch in dem Buch "Das Porträt einer jungen Dame"!

Inhaltlich gesehen handelt es sich bei diesem Buch um eine klassische Geschichte von Liebe und Verrat. Die junge Amerikanerin Isabel Archer kommt nach Europa, um ihre Verwandten zu besuchen und lehnt dabei das Hochzeitsangebot eines angesehenen Lords ab. Stattdessen heiratet sie auf einer Italienreise einen Blender und die Ehe entpuppt sich als einziges Martyrium. Erst im Verlaufe der Erzählung werden dann die wahren Beweggründe dieser Heirat beleuchtet, sowohl von Isabels Seite als auch von ihrem nichtsnutzigen Ehemanns. 

Henry James Erzählung konzentriert sich primär auf die Hauptprotagonistin Isabel Archer und ihr Schicksal. Der Autor schildert das Innenleben dieser Figur umfangreich, aber leider macht er es dabei seiner Leserschaft nicht einfach, diese Figur auch zu mögen. Sie wirkt zumindest am Beginn der Erzählung sympathisch, dies ändert sich dann nach und nach. Als höchstes Ideal sieht Isabel Archer zwar ihre Unabhängigkeit und möchte sich selbst treu bleiben, aber irgendwo zwischen den vielen Seiten der Lektüre verliert sich diese Attitüde dann und Isabel gleicht plötzlich einer naiven und langweiligen Frau, die sich schließlich doch einem Manne hingibt und in seinem Schatten lebt. Der Mann für den sich Isabel letztendlich entscheidet, ist für meinen Geschmack von Henry James einfach zu unrealistisch gezeichnet worden. Als literarische Figur hat er mich als Leserin einfach nur genervt, alles, was er in den vielen Dialogen von sich gibt, ist zu dick aufgetragen, zu weit entfernt von einem menschlichen Charakter der realen Welt. Niemand würde so denken und sprechen!

An den Nerven der Leserschaft zerrt auch das von Henry James konzipierte Dreiergespann, bestehend aus Isabel Archer, ihrem Mann und der Figur des Lord Warburton, dessen Hochzeitsangebot sie ja ablehnt. Lord Warburton ist edel, hat gute Absichten und ist als Figur einfach angenehm. Als Leserin habe ich mir gewünscht, dass Isabel sich letztendlich doch besinnt und für ihn entscheidet. Immer wieder taucht also seine Figur auf und lässt den Leser bzw. die Leserin hoffen, dass Isabel nicht nur die Erwartungen der Leserschaft, sondern auch die ihrer Zeitgenossen erfüllen möge. Nun ja, das erhoffte Happy End bleibt aus.

Es fällt auf, dass Henry James in diesem 1881 erschienen Roman vor allem die weiblichen Figuren in den Fokus rückt. Alle Frauen leben und wirken nicht  ihrer Zeit entsprechend. Sie sind unabhängig und denken für sich selbst. Henrietta Stackpole beispielsweise ist berufstätig und verdient ihren Lebensunterhalt selbst. Isabels Tante ist zwar pro forma verheiratet, lebt aber völlig unabhängig von ihrem Mann und reist alleine um die Welt. Auch das Weltbild der Protagonistin Isabel Archer spiegelt nicht das Denken einer Frau, die um 1800 lebte, wieder. Aber woher kommt Henry James Idealvorstellung von einer eigenständigen Frau?

Man muss bedenken, dass Henry James in einer Zeit lebte, die bereits feministische Züge hatte. 1877 existierte bereits der Begriff "new woman", den auch Henry James Schriftsteller-Kollegen unterstützten. Charles Reade beispielsweise prägte diesen Begriff in seinem bekannten Roman "A Woman Hater". Mit diesem Ausdruck wurde versucht, das eh schon von Politik und Mode geändertes Frauenbild ein Stückchen weiter Richtung Gleichberechtigung zu forcieren. In der Literatur bemühte man sich vor allem darum, unabhängige Frauen zu charakterisieren. Henry James konzentriert sich in vielen seiner Bücher auf Ex-Amerikanerinnen, die zumeist vermögend sind und im Unterschied zu europäischen Frauen in dieser Zeit heben sie sich dann durch ihren freien Geist und ein Handeln in Eigenverantwortung ab. Ein schöner Stoff, um Bücher zu schreiben.

In dem Buch "Das Porträt einer jungen Damen" bewegt sich Henry James Erzählung in oben geschildertem Milieu. Isabel Archer ist Amerikanerin, unabhängig und vermögend. Der einzige Fehler, den sie macht, ist sich auf einen (falschen)  Mann einzulassen.

Meine Meinung:

Das Buch ist mit über 666 Seiten etwas lang. Teilweise plätschert die Handlung seitenlang so dahin, ohne dass irgendetwas Nennenswertes passiert. Auch fand ich die Passagen über Pantsy, die Tochter von Isabels Mann einfach nur langatmig und unnötig. Mit der richtigen Kürzung wäre das Buch wahrscheinlich angenehmer zu lesen. Über die Figuren kann ich nur sagen, dass mir eigentlich keine einzige davon wirklich sympathisch war. Als Lektorin hätte ich viele ihrer Dialoge gekürzt und auch insgesamt fehlt dem Buch eine ordentliche Portion Rotstift XD. Es ist vielleicht auch etwas schwer ein Buch zu bewerten, dessen gesamte Figurenkonstellation auf Antipathie beim Leser bzw. bei der Leserin trifft. Für mich gibt es aber einfach bessere  Henry James Bücher.

★ ok

Samstag, 15. Juni 2019

Karibische Affäre

FONTANA BOOKS / first publisched 1964

"A Caribbean Mystery" ist ein wunderbares und kurzes Sommerbuch, das ich in zwei Tagen ausgelesen habe. Dieses Mal nimmt uns Agatha Christie in die Karibik mit, wo Miss Marple gerade  auf der Insel St. Honoré Urlaub macht. Die alte und verschmitzte Dame fühlt sich ganz wohl im Inselparadies, wo es jeden Tag sonnig ist und alle Besucher in luftiger und eleganter Kleidung rumhängen und den Müßiggang pflegen. Nichtsdestotrotz wird sie das Gefühl nicht los, dass etwas fehlt. Zu Hause in St. Mary Mead war irgendwie immer etwas los und eine alte Dame konnte ihre Nase in fremde Angelegenheiten stecken oder zumindest über das wechselhafte Wetter seufzen. 

 Now that she had been here a week, Miss Marple had cured herself of the impulse to ask what the weather was like. The weather was always the same - fine. No interesting variations. "The many splendoured weather of an English day" she murmured to herself and wondered if it was a quotation, or whether she had made it up. 

Auf St. Honoré ist aber nicht mal das Wetter erwähnenswert und obwohl es zuerst den Anschein macht, dass hier einiges los ist, trifft Miss Marple immer wieder auf dieselben zehn Personen und auch sonst gibt es nicht viel zu tun und so ist Miss Marple gezwungen den langweiligen Geschichten des Major Palgraves zuzuhören. Nach der hundertsten Geschichte über seine Zeit in Kenia hört auch der höflichste Zuhörer nur noch halbherzig zu, was zur Folge hat, dass Miss Marple viele Details über die Erzählung eines Mörders entgehen, den Major Palgrave auch noch persönlich zu kennen scheint und als er gerade dabei ist ein Photo des besagten Mörders aus dem Portmonnaie zu ziehen, wird er von einem seltsamen Vorfall unterbrochen und sucht das Weite. 

Wenige Tage später wird der Major tot aufgefunden und Miss Marple beschließt dem nachzugehen.

This morning Miss Marple lay thinking soberly and constuctivevly of murder, and what, if her suspicions were correct, she could do about it.

In diesem kurzen Roman entsteht bei der Leserschaft bereits nach wenigen Seiten eine Vermutung wer der Mörder unter den Gästen des Golden Palm Hotels sein könnte. Aber nur dem scharfsinnigen Leser bzw. der scharfsinnigen Leserin gelingt es letztendlich das Erzählte richtig zu deuten und zu interpretieren. Ein Großteil der Leserschaft wundert sich aber vermutlich am Ende, wie man doch so uneinsichtig sein konnte und wieder einmal von Mrs. Christie verwirrt werden konnte. Ich muss zugeben, dass ich zum letzteren Part gehöre. Zwar hatte ich eine Vermutung, aber Mrs. Christie weiß einfach zu gut, wie man spannende Bücher schreibt und welcher Mittel es sich zu bedienen gilt, um den Leser bzw. die Leserin ins Staunen zu versetzen. In den meisten Fällen überliest man einfach wichtige Informationen, die oft zu Beginn der Erzählung gegeben werden und an die man sich einfach nicht mehr so detailliert erinnert bzw. sind diese Informationen natürlich bewusst sehr spärlich.

Eine weitere Geheimzutat Christies Bücher ist die Vielzahl an Personen, die vorkommt. Jede Person hat ihr Eigenleben und wird ausführlich beschrieben. Wichtige und unwichtige Informationen wechseln sich dabei ab. Bei der Menge an Input fällt es dann oft einfach schwer sich nochmals vor Augen zu halten, was jetzt zu welcher Person gesagt wurde. Deswegen braucht es auch scharfsinnige Leser bzw. Leserinnen, um am Ende tatsächlich den richtigen Mörder überführt zu haben. Christies Bücher sind also gut durchdacht.

Zusätzlich zu diesem Konzept hat "A Caribbean Mystery"  auch noch eine extra Portion Sommer- und Urlaubsfeeling und war für mich das perfekt Sommerbuch. Ich könnte es auch jedem empfehlen, der bisweilen noch nichts von Christie gelesen hat, weil es kurz ist und zu den besseren Büchern der Autorin zählt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

★ verschlungen!

Sonntag, 9. Juni 2019

Sommerpläne



Habt Ihr alle schon Euren Sommerurlaub gebucht? Ich bin da heuer etwas spät dran und mit Hund ist das ja alles nicht mehr so einfach wie früher. Zumindest will ich es schaffen, ein paar Tage wandern zu gehen, der Rest bleibt noch offen. Was meine Sommerlektüre betrifft, hab ich da schon mehr Durchblick, weshalb ich heute auch meine Lesepläne mit Euch teile:

Momentan lese ich immer noch Henry James Buch "Das Porträt einer jungen Dame" und bei der Seitenanzahl wird es wohl noch ein Weilchen dauern bis ich da durch bin. Der aktuelle Lesestatus liegt bei 296 gelesenen Seiten von 666 Gesamtseiten. Ich kann allerdings jetzt schon sagen, dass ich das Buch gut finde und auch das Lesen macht mir bisweilen sehr Spaß, nur finde ich momentan wenig Zeit zum Lesen. Aber die Ferien sind ja schon in Sicht :)))

Wie man auf dem Bild unverkennbar sieht, liegt ein weiteres Henry James Buch auf dem SUB, und zwar "Das Durchdrehen der Schraube". Dieses Buch habe ich zwar bereits gelesen, aber das liegt einfach schon so weit zurück, dass ich mich entschlossen habe, es erneut zu lesen. Ich kann mir gut vorstellen, es in einer Sommernacht zu lesen, irgendwo in der freien Natur vor dem Lagerfeuer oder im Zelt. Henry James wird bei mir momentan einfach geliebt! 

Meine weiteren Lesepläne bestehen aus einem großen Teil von Büchern, die in der Rory Gilmore Reading Liste angeführt sind. Bei meinem Blog-Update habe ich ja schon angekündigt, dass ich bis Ende des Jahres viele Bücher davon lesen wollte. Dazu gehört auch Honore de Balzacs Buch "Tante Lisbeth", das gar nicht so leicht zu bekommen war. Ich fand nur gebrauchte Exemplare dieses Buches, wovon die meisten so abgewälzt waren, dass ich lange auf den Kauf verzichtete. Glücklicherweise fand ich dann ein halbwegs akzeptables Exemplar. Ein weiteres Buch der RGRL ist das Buch "A tree grows in Brooklyn", welches leider noch immer auf dem SUB liegt. Ich habe das Buch schon sehr lange zu Hause liegen und jedes Mal wenn ich es sehe, werde ich von meinem schlechten Gewissen erschlagen, weil ich es einfach noch immer nicht gelesen habe, dies ändert sich also hoffentlich bald.  

Isabel Allendes Buch "Fortunas Tochter" ist ebenso auf der RGRL zu finden. Dies wird auch mein erstes Allende-Buch sein, da ich bis dato noch nichts von der Autorin gelesen habe und schon gespannt bin, ob mir das Buch auch so gut gefällt wie allen anderen, die es schon gelesen haben. 

Zur Auflockerung enthält mein SUB dann ein Sommerbuch, das den schönen Titel "A Caribbean Mystery" trägt und aus der Feder von Krimiqueen Agatha Christie stammt. Leser meines Blog wissen ja, dass ich ein großer Christie-Fan bin und immer wieder zu einem Buch von ihr greife. Zum Glück hat Misses Christie so viele Bücher geschrieben, dass man vermutlich zu jedem Anlass ein Buch von ihr finden wird und auch noch am Sterbebett noch nicht alle gelesen haben wird :-D

Auch das Buch "Wellen" von Eduard von Keyserling hat seine Handlung im Sommer und davon verspreche ich mir bei Mr. Keyserling recht viel. Mir haben seine Sommererzählungen schon in dem Buch "Landpartie" ausgesprochen gut gefallen, weshalb ich nun auch seine anderen Bücher noch lesen will. 

Abschließend soll auch noch Nathaniel Richs Buch "Loosing Earth" erwähnt werden, das aufgrund der aktuellen Klimapolitik und im Zeitalter der Klimakatastrophe meiner Meinung nach gelesen werden sollte. Da es sich bei diesem Buch um ein Sachbuch handelt, werde ich es vermutlich nebenbei der anderen Bücher lesen. 

Und wie sieht Eure Sommerlektüre aus? Habt Ihr ein paar meiner gewählten Bücher auch in Eurer Liste drinnen oder lest Ihr komplett was anderes? 


Montag, 27. Mai 2019

Filmtipps für Literaturliebhaber

Mir ist ja bewusst, dass Literaturliebhaber das Lesen dem Fernsehen vorziehen, aber ab und zu ein
nettes Filmchen ansehen, kann auch gemütlich sein und immer nur Lesen wird ja auf Dauer auch langweilig. Manchmal mag man auch einfach faul rumliegen mit etwas Leckerem und das Hirn abschalten. Sonntage sind bei mir meistens Filmtage. Ich teile heute meine Top 5 Filme mit Bezug zur Literatur mit euch. Die Fotos sind von Google entnommen und so weit es mir möglich war, hab ich natürlich die Bildquelle angegeben. Hier also meine Top 5:

1. Kill your darlings (2013)

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Bildquelle: New York Times 

"Kill your darlings" erzählt die Geschichte dreier Literaturfreunde, die später die Beat Generation gründen: Allan Ginsberg trifft auf William S. Burroughs und Jack Kerouac. Die Handlung des Films konzentriert sich auf die Zeit vor der Gründung der Beat Generation und spielt auf der Columbia Universität, wo Lucien Carr seinen Liebhaber in einem Alkoholrausch tötet. Dieser Mord wird ihm zum Verhängnis, denn Ginsberg, Burrough und Kerouac gehen in die Literaturgeschichte ein, Lucien Carr bleibt den meisten unbekannt. 

Der Film überzeugt vor allem durch das nostalgische Setting und die schauspielerische Leistung der Darsteller und hat mich köstlich unterhalten. Für eine Stunde und 15 Minuten wird man in die 50er-Jahre entführt und ein Teil der rebellischen Jugend dreier Schriftsteller, die auch das Potenzial zum Rockstar hätten, denn keiner der drei ist Sex, Drugs & Rock n Roll abgeneigt. 


2. Lolita (1997)

Ähnliches Foto
Bildquelle: AestheticaFilmFest

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist die Verfilmung von Vladimir Nabokovs Roman "Lolita". Die Hauptrollen spielen Dominique Swain und Jeremy Irons, die eine beachtliche schauspielerische Leistung zeigen. Hut ab! Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Von dem brisanten Inhalt sollte man sich übrigens nicht abschrecken lassen, dies gilt für den Film als auch für das Buch. Erzählt wird nämlich die Geschichte von Humbert Humbert, der sich als Erwachsener Ende der 40er in eine 12-Jährige verliebt. Humbert ist Literaturprofessor und ein gebildeter Mann, aber seine Leidenschaft für junge Mädchen wird ihm zum Verhängnis, weshalb er sowohl Arbeit als auch gewohntes Leben aufgeben muss und auf einem Roadtrip durch die USA vor dem Gesetz und der Moral flieht. 


3. Portrait of a Lady (1996)

Ähnliches Foto
Bildquelle: kino.de

Ich bin ja ein großer Fan von Nicole Kidman als Schauspierlerin. Bei Filmen schaue ich oft auf die Rollenverteilung und überall wo ich den Namen Nicole Kidman sehe, da kann ich  sicher sein, dass der Film kein Mist ist. So auch bei der filmischen Anwort auf Henry James Buch "Das Porträt einer jungen Dame". Übrigens lese ich auch gerade besagtes Buch und hätte wahrscheinlich vorher nicht den Film ansehen sollen. Aber da ist mir dann doch die Verfilmung zuvor gekommen. Inhaltlich gesehen handelt es sich bei diesem Film um eine klassische Geschichte von Liebe und Verrat. Die junge Amerikanerin Isabel Archer kommt nach Europa um ihre Verwandten zu besuchen und lehnt dabei das Hochzeitsangebot eines angesehenen Lords ab. Stattdessen heiratet sie auf einer Italienreise einen Blender und die Ehe entpuppt sich als einziges Martyrium. Erst im Verlaufe des Films werden die wahren Beweggründe dieser Heirat beleuchtet sowohl von Isabels Seite als auch von ihrem nichtsnutzigen Ehemanns. 


4. Zwischen den Zeilen (1987)

Bildquelle: cinema.de

"Zwischen den Zeilen" ist einfach ein süßer Film und manch einer würde sagen altmodisch. Aber oft hat das Altmodische seinen Reiz. Die Handlung beginnt hier kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Amerikanerin Helene Hanff (Anne Bancroft) ist auf der Suche nach einem seltenen Buch, das sie dann mittels einem Zeitschrifteninserat in einem Antiquariat in London findet zu dem sie auch Kontakt aufnimmt. Es entsteht eine Brieffreundschaft zwischen ihr und dem Angestellten Frank P. Doel (Anthony Hopkins). Als Hanff dann schließlich nach mehreren Jahren nach London reist, um die Buchhandlung zu besichtigen, ist der Inhaber schon verstorben und die Buchhandlung gibt es nicht mehr. Ich kann vorweg sagen, dass der Film nicht sehr actiongeladen ist, sondern dadurch überzeugt, dass er einfach im Altmodischen seinen Reiz trägt und alles irgendwie ganz langsam und ohne Stress passiert. Ich liebe so alte Filme. Schon allein Anthony Hopkins beim Schmöckern in alten Büchern zuzusehen macht mir Freude und diese alten Einrichtungen und das leise Geräusch von tippenden Fingern auf einer Schreibmaschine haben etwas Behagliches.


5. Lovesong for Bobby Long (2004)

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Bildquelle: tumblr

Mein Highlight wenn es um Filme über Bücher geht, ist und bleibt "Lovesong for Bobby Long". Diesen Film habe ich hier auf dem Blog schon einmal vorgestellt. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie oft ich diesen Film bereits gesehen habe, irgendwann hab ich aufgehört mitzuzählen. Es ist auch der einzige Film, den ich kenne, in dem Bücher wirklich im Mittelpunkt stehen. Alle im Film vorkommenden Hauptrollen lesen viel und gerne Bücher und kommunizieren miteinander nicht selten ausschließlich über Zitate, die sie aus bekannten Büchern der Weltliteratur entnommen haben. Dabei wohnen sie in einem alten Abbruchhaus in Louisiana und trinken den ganzen Tag Alkohol und pflegen den Müßigang.


Auch erwähnenswert:  Zehn Dinge, die ich an dir hasse... 7.) Finding Forrester  ; 8.) Good will hunting ; 9.) Black Books (Miniserie); 10.) Into the Wild 



Abschließend würde mich natürlich auch interessieren, welche Filme mit Literaturbezug ihr denn so in eurer Top-Liste habt! Freue mich über weitere Empfehlungen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Mittwoch, 22. Mai 2019

Blog-Update



Mein Blog heißt jetzt "chapter eleven". Nach so vielen Jahre war es einfach Mal Zeit für eine  Veränderung hier. Inhaltlich bleibt aber alles gleich: Ich werde auch weiterhin über Klassiker bloggen und hier und da Mal ein Rezept posten oder über eine Reise berichten. Wer sich nun fragt, was es mit dem neuen Namen auf sich hat, wird nun ein bisschen aufgeklärt. Ich war ehrlich gesagt schon länger auf der Suche nach einem neuen Namen für den Blog. Leider war es gar nicht so einfach etwas Passendes zu finden, da viele Namen, die mir gefallen hätten schon vergriffen sind. Also "chapter eleven" ist einfach ein Kapitel aus Charles Dickens Roman "Große Erwartungen". Während in den vorherigen Kapiteln die Zeit immer hin und her springt, markiert das elfte Kapitel in Dickens Buch einfach die geistige Reife des Hauptprotagonisten Chip. Zu diesem Namen bin ich also während einer Studienanalyse über Dickens Roman gekommen und fand ihn einfach irgendwie passend. 

Die Farben wollte ich beibehalten und der neue Header samt Name und Illustration sollte so minimalistisch wie möglich ausfallen. Das hat auch wunderbar geklappt. 

Büchermäßig lese ich übrigens momentan einiges von der Rory Gilmore Reading Challenge und hab deshalb einige Franzosen und Russen bei mir rumliegen :))) Momentan habe ich 66 von 300 Büchern aus dieser Liste gelesen und bis zum Ende des Jahres möchte ich unbedingt die Hundert knacken. Ich finde diese Liste vor allem deswegen so spannend, da sie sehr viele Bücher enthält, die erstens Klassiker sind und zweitens handelt es sich dabei um Bücher, die ich eh schon immer lesen wollte. Ist hier noch jemand dabei, der bei dieser Reading-Challenge mitmacht? Lasst mir doch einen Link zu eurem Blog da ! 

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs weiterhin viel Freude mit meinen Beiträgen und hoffe natürlich, dass euch das neue Design auch so gut wie mir gefällt. 

Alles Liebe und bis bald

Tinka 

Montag, 20. Mai 2019

Schwedische Schoko-Buns


Da es gestern den ganzen Tag über genieselt hat, hab ich wieder mal gebacken. Auf dem Foto seht ihr das Fensterbrett, an dem ich in der Früh immer Kaffee trinke und frühstücke. Meine Küche ist leider mini. Absolut kein Platz für ein kleines Tischchen und zwei Sesseln. Das ist das Einzige was mich an meiner Wohnung stört. 

Es ist auch nicht relativ Platz vorhanden zum Backen und groß Aufkochen, aber mit ein bisschen Umdenken geht das schon und man macht halt Platz wo es geht. Für diese leckeren und veganen schwedischen Schoko-Buns braucht man auch nicht besonders viel Platz. Ich liebe ja Hefegebäck und Schokolade, das passt einfach so gut zusammen. Die Füllung dieser Buns erinnert sehr stark an Nutella, nur dass sie ohne Palmöl ist und vegan. Am guten Geschmack ändert dieser Umstand aber nichts, probiert es einfach mal aus :)))

Zutaten:

500 g Mehl
5 EL Rohrohrzucker 
70g vegane Margarine
3/4 Würfel frische Hefe
1 Becher Pflanzenmilch

und für die Füllung nochmals:

5 El Margarine
2 El Kokosöl
4 El Rohrohrzucker
3 El Kakao 
4 EL gemahlene Mandeln 

In einem Behälter die Hefe mit warmer Pflanzenmilch auflösen. Die Milch sollte nicht zu warm werden, ansonsten zerstört die starke Hitze die guten Hefebakterien. Die Hefe-Milch-Mischung beiseite stellen und dann die Margarine schmelzen. In einer etwas gr. Schüssel werden dann Mehl, Zucker und die abgekühlte Margarine miteinander vermischt. Dann gibt man die Hefemilch dazu und verknetet alles zu einem geschmeidigen Teig. Diesen lässt man nun zugedeckt an einem warmen Ort 2 Stunden lang ruhen. Ich habe meinen Teig einfach in das Backrohr gelegt. Der Teig sollte sich nach zwei Stunden verdoppelt haben :))) Hat sich der Teig nicht verdoppelt, dann stimmt etwas mit der Hefe nicht. Man sollte immer eine möglichst frische Hefe verwenden. 


Bevor man den Teig nun ausrollt, bereitet man die Füllung vor. Dabei mischt man einfach alle Zutaten bis auf die Mandeln und lässt sie in einer Pfanne oder einem Topf zu einer Creme zusammenschmelzen. 

Nun wird der Teig ausgerollt. Auf die Hälfte des Teiges gibt man die Creme drauf und streut dann die gemahlenen Mandeln darüber. Die andere Hälfte des Teiges wird dann drüber geklappt. Von dem Teig schneidet man dann 2 cm dicke Streifen ab und twistet sie, dann rollt man die getwisteten Streifen zu Buns zusammen. Dieses kleine Tutorial von hier hilft dabei recht gut :)))) Bei mir schaut leider jedes Bun komplett anders aus, eines ist zu groß, das andere zu klein, mir ist wirklich schleierhaft wie manche Blogger so perfekte Küchlein oder Buns hinbekommen, wo jedes die gleiche Größe hat und aussieht wie das andere :-D Vermutlich bin ich da einfach nicht so genau!


Die fertigen Buns legt man auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech und backt diese ca 20 Min. bei 200°C im vorgeheizten Ofen. Wer die Buns noch zusätzlich verzieren mag, kann sie wie auf meinem Bild vor dem Backen mit Sesam bestreuen und wenn sie komplett ausgekühlt sind zusätzlich noch mit Schokolade beträufeln. Sehr lecker. 

Samstag, 18. Mai 2019

Herz der Finsternis

Penguin Twentieth - Century Classics 1983 / 121 Seiten

Und wieder greife ich zu einer Schifffahrtsgeschichte. Herz der Finsternis ist ein kurzes, aber sehr intensives Buch, das gar nicht die Schifffahrt selbst in den Vordergrund stellt, sondern die Wildnis des Kongos und dessen Ausbeutung während der Kolonialzeit. Joseph Conrads Buch gehört zu den bekanntesten Werken der Weltliteratur und trotzdem kenne ich kaum jemanden, der es tatsächlich  gelesen hat. Warum eigentlich? Ist das Thema Kolonialzeit schon verstaubt und abgehackt? Ich finde nicht! Das Buch ist meiner Meinung nach zurecht große Literatur und hat mich nicht kalt gelassen.

Die Story beginnt als innerer Monolog von Charly Marlow, der von seinen Erlebnissen aus vergangenen Tagen berichtet. Diese schildert er einigen Seefahrercompanions, die mit ihm auf einem Schiff die Themse entlang fahren. Und obwohl ihm niemand irgendwie wirklich zuzuhören scheint, erzählt er einfach weiter. Ich finde diesen Einstieg für ein Buch gut gewählt, weil einfach das Interesse für die angekündigte Story geweckt wird.

"Going up that river was like travelling back to the earliest beginnings of the world, when vegetation rioted on the earth and the big trees were kings. An empty stream, a great silence, an impenetrable forest. The air was warm, thick, heavy, sluggish. The long stretches of the waterway ran on, deserted, into the gloom of overshadowed distances" 

Obwohl es ja eine Schifffahrtsgeschichte ist, bleibt das Schiff und die Schifffahrt vorerst und überhaupt im Hintergrund, vielmehr wird  über den  doch recht losen, aber intriganten Konnex berichtet, den Marlow mit einem ihm völlig unbekannten Mann eingeht. Die meiste Zeit über muss der Leser bzw. die Leserin Geduld üben, bis sich diese zwei Menschen überhaupt begegnen, denn Marlow lernt den Elfenbeinjäger Kurtz erst indirekt durch Hören und Sagen seiner Mitmenschen kennen. Kurtz wird als der erfolgreichste Elfenbeinjäger beschrieben, den die Menschheit je erlebt hatte, er erbeutet doppelt so viel Elfenbein wie andere, das er aber mit  unsoliden Methoden gewinnt. Manche halten ihn für einen Gewinnertypen, der alles, was er angreift zu Gold machen könnte, andere verachten ihn und denken, dass er gestoppt werden muss. Diese Überlieferungen machen Marlow neugierig und er beschließt, dass er diesen geheimnisumwitterten Mr. Kurtz persönlich kennenlernen muss.

"No,it is impossible; it is impossible to convey the life-sensation of any given epoch of one's existence - that which makes its truth, its meaning - its subtle and penetrating essence. It is impossible. We live, as we dram -- alone"

Im Gegensatz zu Marlow wollte ich als Leserin diesen Kurtz nicht kennenlernen. In meiner Vorstellung war der Mann ein kapitalistisches Monster, das arme Tiere jagt und diese aus Profitgier tötet. Auch der geschilderte Umgang mit seinen Mitmenschen löste bei mir nur Verachtung für ihn aus, da er über Leichen geht und die Afrikaner nicht als Menschen respektiert, weil sie für ihn unzivilisierte "Neger" sind. Dieser Umstand hat mich aufgewühlt und ich habe kurz überlegt, das Buch nicht zu Ende zu lesen. Diese 1902 erstmalig veröffentlichte Erzählung stammt natürlich aus einer anderen Zeit und ist zu einem hohen Maß rassistisch. Nicht aber weil Joseph Conrad ein bekennender Rassist war, sondern weil die Verwendung solcher Ausdrücke historisch akkurat ist.

Trotz dieses Umstandes wurde ich als Leserin durch Conrads Erzählweise an die Story gebunden und natürlich wollte ich unbedingt wissen, welches Ende sie findet, und so konnte ich das Buch dann auch nicht mehr weglegen, obwohl ich bei manchen Stellen einfach aufgrund von Kurtzs Charakter am liebsten erbrochen  hätte. Also bleibt man dran an dieser Erzählung, die irgendwie sehr realistisch und doch wie ein verklärter Traum wirkt, wo man sich als Leser/in fragt, ob das denn alles gerade tatsächlich passiert, denn so wie Conrad uns an seiner Dschungelwelt teilhaben lässt, fühlt man sich als gehöre man dazu in diese Welt und wäre mit Schuld daran, dass sie zerstört wird und untergeht. Weiters hat auch der Protagonist Marlow für mich den Anschein gemacht, dass er dieses Vorgehen der Kolonialisten nicht befürwortet, und auch das hat mich positiv gestimmt, das Buch doch zu Ende zu lesen.

Ganz der Wahrheit entsprechend, wie sich eben die Kolonialisierung tatsächlich zugetragen hat, ist diese Erzählung von Joseph Conrad düster und hoffnungslos. So wird aus der Frage nach der Zerstörung der Wildnis eine Frage nach dem Menschenbild und seiner unstillbaren Gier nach Profit. Fast alle Figuren und Charaktere in dieser Erzählung sind von der Idee der Zivilisation besessen und werden wie in einer Art Sekte in ihren Handlungen davon geleitet. Ganz deutlich wird der Kontrast zwischen den Zivilisierten und vom Fortschritt angetriebenen Weißen und ihrem wilden, nativen Gegenüber hervorgehoben und erscheint der Leserschaft als unfair und grausam. Allein Marlows Charakter bleibt bis auf den letzten Teil der Erzählung abstrus. Erst am Schluss entscheidet er sich, als er die Frau von Kurtz trifft, dazu ihr nicht wirklich mitteilen zu wollen was Kurtzs letzte Worte waren. Hätte er nämlich das wiedergegeben, was er am Sterbebett von Kurtz erfahren hat, müsste er ja tatsächlich wahrheitsgemäß berichten was sich während seiner Reise im Kongo zugetragen hat. Marlow entschließt sich zu schweigen und verdrängt, weil es ihm vernünftiger erscheint gar nicht erst von diesem Grauen zu sprechen. So schlüpft er in eine allzu menschliche Rolle und bleibt ein Heuchler, der nicht besser dasteht als die Täter und wird unbewusst ein Teil dieser Zerstörungsmaschinerie.

Fazit:

Joseph Conrads Buch ist eine kritische Sicht auf die Kolonialisierung und deren Folgen. Der Schriftsteller hat diese ja auch selbst erlebt und wie die Literaturwissenschaft nachgewiesen hat, war Joseph Conrad selbst jahrelang als Seefahrer unterwegs und verarbeitete seine Erzählungen dann in seinen Büchern. Im Mittelpunkt von Herz der Finsternis steht die Frage nach dem Sinn der Zähmung der Wildnis, die in diesem Fall der Kongo Afrikas ist. Insgesamt fand ich das Buch sehr lesenswert, obwohl ich wie oben beschrieben, oft wutentbrannt das Buch gerne weggelegt hätte, dies aber aufgrund der fesselnden Erzählweise dann nicht konnte. Dieses Buch ist nicht einfach nur Literatur, sondern auch ein Stück Menschheitsgeschichte, leider ein trauriges.

★ verschlungen!

Rory Gilmore Reading Challenge: 66 von 300 gelesen
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