Dienstag, 9. Oktober 2018

Als ich im Sterben lag

Penguin Classics, 207 Seiten 

William Faulkner stand schon so lange auf meiner To-Read-Liste, dass ich mich nun ernsthaft frage, warum es so lange gedauert hat, bis ich endlich ein Buch von ihm gelesen habe. Zur Auswahl standen neben Als ich im Sterben lag auch seine Romane Schall und Wahn und Licht im August. Der Grund, weshalb es dann das zuerst genannte Buch wurde, ist simpel: Ich hab das Buch spottbillig in einem Second Hand Shop ergattert. 

William Faulkner ist unabhängig der Buchauswahl ein begnadeter Schriftsteller, den man gelesen haben MUSS! In seinen Romanen setzt er den Fokus auf die Südstaaten Amerikas und bearbeitet Themen wie Bürgerkrieg, Religion und den damit einhergehenden Aberglauben und gibt gleichzeitig eine kritische Sichtweise auf die Dekadenz der Reichen im Kontrast zum Leben und Sein der restlichen ärmeren Bevölkerung. 

Auch in dem Buch Als ich im Sterben lag sind die Protagonisten eher einfältige Menschen, Träumer, Märtyrer und Abergläubige. Geschildert wird ein kurzer Abschnitt in Anse Bundrens Leben, das vier Söhne und eine Tochter beinhaltet. Die Familie steht vor der Aufgabe, die vor kurzem verstorbene Mutter/Frau mitsamt Sarg in ihr Heimatdorf zu befördern, um diese dort zu beerdigen. Dabei erzählt Faulkner kapitelweise aus Sicht der jeweiligen Figuren und der Leser erschließt sich die Handlung durch 59 innere Monologe, die schon aufgrund der unterschiedlichen Figuren alle total anders ausfallen. Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, war es manchmal aber recht mühsam das Buch zu lesen, weil die Figuren aufgrund der schlechten Bildung nicht richtig fähig waren, Sätze grammatisch korrekt zu generieren. Die Sprache bleibt somit eher flach und bis auf die Schilderung von kurzen Landschafts- und Naturbeschreibungen bleibt wenig Raum für poetische Sprache. Auch setzt Faulkner den Fokus nicht auf die Handlung, die in diesem Fall der Transport der Verstorbenen ist, sondern auf die Psychologie seiner Figuren. Wer also lieber Bücher mit viel Handlung und Spannung bevorzugt, wird sich mit Faulkner vermutlich langweilen. 

"When I was a boy I first learned how much better water tastes when it has set a while in a cedar bucket. Warmish-cool with a faint taste like the hot July wind in the Cedar trees smells"

Immerhin bleibt dem Leser bzw. der Leserin die Zerrissenheit genau dieser Figuren, ihre Träume, ihr Hass und ihre Verzweiflung und all das schildert Faulkner so ausgeklügelt psychologisch und ermöglicht dem Leser / der Leserin dadurch, ganz nahe bei der erzählten Welt zu sein. 

"The sun, an hour above the horizon, is poized like a bloody egg upon a crest of thunderheads; the light has turned copper: in the eye portentous, in the nose sulphurous, smelling of lightning" 

Diese schnörkellose Sprache, aber auch der  Perspektivenwechsel mag nicht bei jedem Leser bzw. bei jeder Leserin ankommen, hat man es aber geschafft, sich damit anzufreunden, macht das Buch Spaß und man erkennt in allem, dass Faulkner ein guter Kenner des menschlichen Lebens war. Ich habe für dieses Buch einfach aus mehreren Gründen Sympathie empfunden. In erster Linie war es so einfach geschrieben, aber zum dargestellten Milieu hätte eine andere Schreibweise auch einfach gar nicht erst gepasst. Das Gesamtkonzept aus Figuren, Stimmung und den Problemen, mit denen sie kämpfen und hadern ist harmonisch und man wünscht es sich nicht anders.

Rory Gilmore Reading Challenge: 64 von 300 gelesen ;)

★ verschlungen!

Dienstag, 4. September 2018

DIY Blumen pressen

( und ein kl. Blog-Update )

Botanical Art sieht in der Wohnung total schön aus und man hat ein Unikat! 

Jaaaaaa...! Mich gibt es noch :))) aber in letzer Zeit bin ich eher wenig zum Bloggen und zum Lesen gekommen, das ändert sich hoffentlich bald wieder. Wie mir aber aufgefallen ist, geht es anderen Bloggern gleich. Naja, im Sommer ist man auch lieber draußen unterwegs und setzt sich ungern vor dem PC. Zum Lesen bin ich auch relativ wenig gekommen. Umso mehr freu ich mich auf den Herbst und auf viele Neuerscheinungen, vor allem auch im Bereich Klassiker. Einige davon sind schon auf dem Weg zu mir :)) Lasst euch also überraschen! Und bis bald! 

Aber da noch Sommer ist, will ich mein letztes DIY-Projekt mit euch teilen. Heute zeige ich euch wie man Botanical Art selber macht. Meistens sind diese Kunstwerke nämlich sehr teuer und schwer zu bekommen. Blumen pressen ist so alt wie die Kunst selbst, im viktorianischen Zeitalter war es sehr beliebt gepresste Blumen an die Wand zu hängen oder in schöne Bücheralben zu kleben. Die Blütedauer ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, eines ist aber gewiss, sie vergeht leider immer viel zu schnell. Durch das Trocknen und Pressen kann die Schönheit der blühenden Pflanzen sehr lange bewahrt werden. Und da gerade noch einiges nicht verblüht ist, hat man eine große Auswahl, momentan blüht ja fast alles! 

Für viele ist diese Technik mit Erinnerungen an die Kindheit verbunden, wer hat damals nicht in der Schule Kleeblätter und andere Wiesenblumen zwischen Löschpapier in einem dicken Buch getrocknet? Voller Aufregung wartete man auf das Ergebnis und war gespannt, wie die Pflanze dann am Ende aussehen wird.

Nachdem die Blumen getrocknet sind, geht es darum, die getrocknete Pflanze richtig zu positionieren, damit das Bild am Schluss auch von der Weite schön aussieht. Daher ist es wichtig, Pflanzen zu suchen, die große Blätter haben und am besten nimmt man weiße Blüten, da die Farbe während dem Trocknungsprozess sehr verblasst. Außerdem bekommen nur weiße Blüten diesen alt aussehnenden Vintage - Look, so als wäre das Bild tatsächlich 1800 hergestellt worden. Ich habe mich für Walderdbeeren und Gräser entschieden, weil ich die schon immer gern gehabt habe. Generell ist aber bei der Wahl zu beachten, dass es sich um Pflanzen handelt, die selbst nicht so viel Feuchtigkeit speichern, weil sie sonst zum Faulen anfangen. Damit die Pflanze schön mittig platziert wird, nimmt man ein Lineal zur Hilfe und misst vom Blattende 2 cm und markiert die Abmessung mit kleinen Punkten. Das macht man nun von jeder Seite und dann werden die Punkte einfach verbunden und es bildet sich ein Rahmen. Darin setzt man nun die Pflanze ein und achtet darauf, dass noch Platz für die Beschriftung übrig bleibt. Die gibt dem Bild dann das gewisse Etwas und diesen Botanical Art Look.

Die getrockneten Pflanzenteile klebt man am besten mit kleinen Tixostreifen an. Es ist nur wichtig, dass die Pflanze nicht verrutscht, man benötigt also gar nicht so viel Kleber. Zu guter Letzt kommt ein Stift in Einsatz, der die gleiche Schreibart wie eine dünne Füllfeder hat. Schwarze Gelroller eignen sich auch hervorragend. Dann schreibt man den lateinischen Namen, wie auf meinem Bild irgendwo neben der Pflanze hin und auf die andere Seite oder unterhalb druckt man sich mit Word dann die genaue Beschriftung aus. Sie enthält Angeben über den Ort, an dem die Pflanze gepflückt wurde, das Datum und wenn man mag auch die besonderen Merkmale der Pflanze. Dann sucht man noch einen schönen Rahmen aus und fertig ist das Vintage Botanical Art Bild.

Hier nochmals alles step-für-step zusammengefasst:

1) Blumen bzw. Pflanzen sammeln, die nicht zu dick sind und am besten weiße Blüten haben
2) Die ausgewählte Pflanze in ein zusammengefaltetes Löschpapierblatt legen und in ein dickes Buch zum Trocknen geben. Das Trocknen dauert in etwa 2 Wochen.
3) Vom Blattende 2 cm abmessen und an den Rändern kl. Punkte setzen. Die Punkte miteinander verbinden. Das macht man an allen vier Enden des Blattes. Die Pflanze wird nun in diesem Rahmen mittig positioniert und mit ein paar wenigen Tixostreifen festgemacht. Nicht übertreiben! Es reichen wirklich 3-5 kl. Streifen, je nach Pflanzenart und -größe.
4) Zum Schluss beschriftet man das Kunstwerk nun, so wie es bei meinem Bild oben zu sehen ist
5) Fertig! Aufhängen und freuen und an den Sommer denken, an dem man die Pflanze gesammelt hat :))

Montag, 21. Mai 2018

Peter Pan

Servus,

hier ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden, das hat aber gleichzeitig mehrere Gründe. Momentan bin ich dabei mein Studium abzuschließen und seit April habe ich mich auch um einen Husky-Welpen zu kümmern, der leider aus einer nicht artgerechten Haltung stammt und viel Aufmerksamkeit und Erziehung braucht. Ich hoffe, dass meine Süße Latikka bald bei mir einziehen kann, drückt mir die Daumen! Ich lieb sie sehr !! Viel Zeit zum Lesen blieb mir in letzter Zeit leider nicht. Außer Studienlektüre las ich viele Gedichtbände und ein paar kurze Krimis, die ich hier wahrscheinlich nicht vorstellen werde. Darüber hinaus blieb auch noch etwas Zeit, um die Geschichte von Peter Pan erneut zu lesen. Es muss Jahre her sein, als Kind liebte ich die Geschichte vom kleinen Jungen, der einfach nicht erwachsen werden wollte. 


Wir alle kennen den Inhalt mehr oder weniger. Irgendwann werden Kinder erwachsen - alle, außer Peter Pan. Ein Junge, der als Kind von zu Hause fortlief und seither auf der Insel Nimmerland lebt und zahlreiche Abenteuer widerfährt. Zusammen mit anderen verlorenen Jungen sehnt er sich aber heimlich nach einer Mutter und als er eines Abends auf Wendy und ihre Brüder trifft, ändert sich Peters Leben dann schlagartig und die Geschichte beginnt.   

When the first baby laughed for the first time, its laugh broke into a thousand pieces, and they all went skipping about, and that was the beginning of fairies. 

Peter Pan war immer eines meiner liebsten Märchen. Genau wie Peter Pan wollte ich für immer Kind bleiben und Abenteuer erleben, spielen und Schabernack treiben. Der rastlose Geist ist mir geblieben, aber heute, wo ich selbst doch erwachsen geworden bin, sehe ich die Geschichte dann doch reflektierter und die kritische Sichtweise, die ich mit Anfang 30 habe, erlaubt es nicht, die Geschichte wie früher zu lesen. 

Für ein Kinderbuch ist Peter Pan eigentlich recht düster, da aber Kinder nicht so reflektiert denken, wie Erwachsene konzentriert sich ihre Wahrnehmung der erzählten Welt auf andere Dinge als bei uns. Während dem Lesen hatte ich dann doch mehr Mitleid mit den Eltern, die voller Sorgen zu Hause sitzen mussten, während ihre Kinder einfach so aus dem Fenster flogen und sich auf und davon machten und ihre Eltern vergaßen. Peter Pan hat viele grausame Züge, verhält sich egoistisch und naiv, vergisst alles und stürzt sich ohne Nachzudenken in jedes Abenteuer (to die will be an awfully big adventure). Als er Wendy und ihre Brüder in sein Reich holt, konzentriert er sich primär auf Wendy und ihm ist dabei völlig egal, wie sie sich fühlt. 

 Peter Pan ist in Wirklichkeit ein einsames Kind, das gegen Piraten kämpft und wenn es einmal aussichtslos wird, sieht er sogar im Sterben das Abenteuer. Sterben tut er natürlich nicht, aber diese Todessehnsucht, wie sie auch bei anderen berühmten alterslosen Figuren zu finden ist, ist auch Peter Pan nicht fremd. Vergleichen wir dazu beispielsweise Dorian Gray. 


Zu Peter Pan gibt es ganz unterschiedliche Interpretationsansichten, James Matthew Barrie hat aber einmal offenbart, dass er in seinem Werk die Geschichte von verlassenen Kindern aufarbeitet und in Wirklichkeit handelt es sich bei den auf Nimmerland lebenden Jungen um sogenannte "Lost Boys", deren Anführer Peter Pan ist. Trotz der kritischen Aspekte, die die Erzählung innehat, liest sich das Buch flüssig und ist voller Abenteuer. Es lässt einen die Realität für eine kurze Dauer ausblenden und natürlich macht es Spaß mit Peter Pan durch die Gegend zu fliegen und zumindest fiktiv Schabernack  zu treiben für den es keine echten Konsequenzen gibt. Und auch wenn ich das Buch nun nicht mehr so lesen kann wie früher, mir bleibt immerhin der Vergleich und das möchte man nicht missen. Lest es Euren Kindern auf jeden Fall vor!

★ verschlungen!

Mittwoch, 4. April 2018

Die Schattenlinie


Joseph Conrad ist Weltliteratur, die meiner Meinung nach irgendwie ins Vergessen geraten ist. Es muss auch bei mir schon Jahre her sein, dass ich sein Buch Herz der Finsternis gelesen habe. Irgendwie ist auch vom Inhalt nicht mehr viel geblieben, weshalb ich mir nun vorgenommen habe, das Buch bald erneut zu lesen. Ich hatte auch ganz vergessen, wie gut Conrad schreiben kann. Als ich per Zufall dann auf der Hanser Homepage die Neuübersetzung seines Buches Die Schattenlinie sah, wollte ich es unbedingt lesen, da ich Conrad doch sehr positiv in Erinnerung hatte. 

Stilistisch gesehen, würde ich Conrad mit Flaubert gleichsetzen, so haben doch beide eine dichte Erzählweise, die Figuren bleiben aber oft unausgeschmückt und beide neigen zur Melancholie. Bei Conrad liegt dies mitunter daran, dass sein eigenes Leben recht turbulent verlief. Auch vor Selbstmord schreckte er nicht zurück, diesen aber überlebte er glücklicherweise dann doch noch. Allgemein bekannt ist aber die Tatsache, dass der Schriftsteller an Depressionen litt und erst als alter Mann mit seinen Büchern wirklich Erfolge verbuchen konnte. So litt er stets an Geldnot und erst als er sich dazu entschied, auf einem Schiff anzuheuern, ging es finanziell langsam bergauf für ihn. In seinen Büchern verarbeitet er dann die Erlebnisse auf hoher See und so fallen fast alle Geschichten dann autobiografisch aus. Die Literaturwissenschaft hat überaus viele Parallelen zum Leben und den Büchern Conrads nachgewiesen und dies ist auch bei dem Buch Die Schattenlinie nicht anders. 

Im Nachwort des Buches kann man den biografischen Hintergrund der Erzählung nochmals nachlesen und auch die Anmerkungen des Autors fügen noch einiges Wissenswerte über die Entstehung der Erzählung bei. Beides las ich doch sehr gern und insgesamt fand ich diese Informationen dann recht interessant. Hilfreich war auch das angeführte Glossar mit allen in der Geschichte vorkommenden nautischen Begriffen und diese zwei Lesezeichen sind auch farblich an die Buchgestaltung angepasst. Ein rundum schön verarbeitetes Buch. 

Die eigentliche Erzählung ist mit 182 Seiten eine kurze Geschichte, die sich um einen jungen Seemann dreht, der seine erste Fahrt als Kapitän eines Schiffes anzutreten hat. Die Reise steht von Anfang an unter keinem guten Stern, bevor das Schiff überhaupt in See sticht, wütet unter der Mannschaft das Tropenfieber und der junge Kapitän muss sich erstmals beweisen. So begibt sich der verträumte Mann auf das vom Tod begleitete erste Kommando und gerät mit dem Schiff dann in eine Flaute, wo es Tag um Tag nur noch im Kreis dahintreibt. Genug Zeit, um in düstere Stimmung zu verfallen, denn die begleitet den Leser das ganze Buch über. Teilweise hatte ich beim Lesen das Gefühl als hielte ich einen Roman aus dem viktorianischen England, ganz im Stile der gothic novels, in der Hand. Ich hatte Conrad als Schriftsteller gar nicht so düster in Erinnerung, aber wer mich kennt, der weiß ja, dass er damit zumindest bei mir genau ins Schwarze getroffen hat. 

Drei hohe Fenster blicken auf den Hafen. In ihnen war nichts zu sehen als die dunkelblau glitzernde See und das blassere Blau des Himmels. In der fernen Tiefe dieser Blautöne konnte ich den weißen Fleck eines großen Schiffes ausmachen, das gerade eingelaufen war und auf der äußeren Reede vor Anker ging. 

Und so verstreichen die Tage, bis nur noch zwei Mann vom Fieber verschont werden und der Kapitän sich überlegen muss, wie es weitergeht. Inzwischen muss er sich auch mit dem Geist seines Vorgängers rumschlagen und als er dann entdeckt, dass die an Bord gebrachte Medizin sich als nutzloses weißes Pulver entpuppt, trägt dies einmal mehr dazu bei, dass sich die Gedanken aller an Bord ins Unermessliche verdüstern. Eine zahnlose Hexe hat das Schiff ohne sein Wissen im Hafen von Bangkok verflucht. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich ein inneres Reifen, das den Kapitän zum verantwortungsbewussten Handeln zwingt und ihn durch Verzweiflung und Enttäuschung wachsen lässt. 

Es ist das Vorrecht der frühen Jugend, ihren Tagen voraus zu sein, in der herrlichen Fortdauer einer Hoffnung zu leben, die kein Innehalten kennt und keine Selbstbetrachtung [...] Die Zeit schreitet auch voran, bis man nicht weit voraus eine Schattenlinie sichtet, die einen mahnt, man müsse auch das Reich der frühen Jugend hinter sich lassen. 

Die Schattenlinie erweist sich als Entwicklungsroman vom unerfahrenen Jüngling zum schicksalserprobten Mann, der den Leser bangen und hoffen lässt, dass letztendlich doch alles ein gutes Ende finden möge. Spannend und voller Details aus dem Seefahrerleben schöpft Conrad nicht nur einmal aus eigenen Erfahrungen, die den Roman trotz Hang zum Übernatürlichen authentisch wirken lassen. Letztendlich sind es lebendige, leidende Menschen, von denen der Roman handelt. 

Ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen und war von der ersten Seite von Conrads klarer und ausdrucksreicher Sprache begeistert. Von dem Buch habe ich mir eine Abenteuergeschichte erwartet und bekam diese auch. Darüber hinaus liebe ich alte Seefahrerromane und so hat mich Conrads Kurzerzählung ganz gut unterhalten. Die Hauptfigur bleibt aber, wie auch die Erzählung selbst, ein kleines Rätsel. Als Leser kann man ihn absolut nicht einschätzen. Zwar hat man Anteil an seinen Gedanken, diese bleiben aber auf ein paar düstere, sinnliche Eindrück, die durch die Wahrnehmung und durch Gefühle entstehen,  beschränkt. 

Fazit

Die Schattenlinie ist anspruchsvoll erzählt, begeistert durch eine düstere und abenteuerliche Stimmung und durch eine unermessliche Spannung, die den Leser bis zum Schluss fesselt und an die Erzählung bindet. Ganz große Literatur! 

★ verschlungen!

Montag, 26. März 2018

Andere Stimmen, andere Räume


Truman Capote kennt man vor allem aufgrund seines Erfolgsromans Frühstück bei Tiffany, aber sicher auch wegen dem exzentrischen Lifestyle, den er zu Lebzeiten führte. Er tourte mitunter mit den Rolling Stones durch die USA, arbeitete als Drehbuchautor, musste mehrmals ins Gefängnis, trieb sich im damals angesagten und doch so verschrieenen Nightclub Studio 54 rum und verfiel schließlich den Drogen und dem Alkohol, bevor er als einsamer, von Halluzinationen geplagter Homosexuelle im Alter von 59 Jahren starb. Sein Debütroman Andere Stimmen, andere Räume fand beim ersten Erscheinen nur sehr wenig Anklang, das bedeutet aber nicht, dass das Buch nicht lesenswert ist. Im Gegenteil. Andere Stimmen, andere Räume überzeugt vor allem durch die poetische Schreibweise des Autors und durch seinen Südstaaten-Flair. Was es sonst noch mit diesem recht unbekannten Capote-Buch auf sich hat, erfährt ihr in den nächsten Zeilen.

Truman Capotes Debütroman beschäftigt sich einmal mehr mit dem Thema des Erwachsenwerdens und hat wie alle seine Romane viel Autobiographisches zwischen den Zeilen versteckt. Der Protagonist Joel Knox entspricht so ganz und gar nicht seinem Umfeld. Er gleicht mehr  einem schwächlichen Weib als einem anständigen, von harter Arbeit geplagtem Südstaatenjungen: mädchenhafte Zartheit, gesträhntes Haar und ein verträumter Blick führen nun mal dazu, dass er sich total isoliert fühlt. Was treibt er also den ganzen Tag so vor sich hin?

Radclif musterte den Jungen über den Rand seines Bierglases hinweg, und was er sah, gefiel ihm nicht. Er hatte so seine Vorstellungen, wie ein richtiger Junge auszusehen hatte, und dieser hier verstieß irgendwie dagegen. Er war zu hübsch, zu zart, zu hellhäutig. 

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der erst 13-jährige Joel Knox nach Alabama zu seinem Vater und seiner Stiefmutter. Dort angekommen, muss er erst mal lernen, in der Einöde zu leben und bekommt die Aufgabe, sich um seinen Vater zu kümmern, der liegt nämlich todkrank im Bett und ist ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig. Für einen 13-jährigen sicher kein leichtes Unterfangen. Im Verlaufe der Erzählung freundet er sich mit seinem Cousin Randolph an, der homosexuell ist und seine Tage rauschig im Halbschatten zubringt. Zu diesem Jungen entwickelt er eine intime Zuneigung und verliebt sich auch ihn. Außerdem gibt es da Idabel Thompkins, die mehr Junge als Mädel ist. Auch in sie verliebt sich Joel. Die Leserschaft erlebt wie hier Geschlechterrollen und Sexualität miteinander verschmelzen, keine Figur scheint homogen zu sein, alle schwimmen hier und dort mit und hängen irgendwie in der Luft. Diese unfesten Zonen, aber auch das Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit machen das Buch zu einer Lesekost, die gewöhnungsbedürftig ausfällt. Noch dazu kommt, dass es keine wirkliche Handlung gibt und alles in einer Art geschildert wird, die von Eindrücken bestimmt wird.

Ein einsamer Landstrich ist das; und in den morastigen Niederungen, wo Tigerlilien, groß wie Menschenköpfe, blühen, gibt es lumineszierende Baumstümpfe, die im dunklen Moorwasser aufleuchten wie die Leiche Ertrunkener; oft regt sich weit und breit nur der winterliche Rauch, der sich aus dem Schornstein eines halb verfallenen Farmhauses  kräuselt, oder ein steifflügeliger Vogel, stumm und pfeiläugig, der über schwarzen, menschenleeren Fährenwäldern kreist.

Zwar gefielen mir diese Eindrücke sehr gut, weil schon beim Erstwerk Capotes deutlich wird, wie talentiert er als Schriftsteller war, aber insgesamt hätte ich mir dann doch eine struktuiertere Abfolge mit einer klaren Handlung gewünscht, ich tue mir da allgemein schwer mit solchen Büchern, in denen der Leser sich selbst überlassen wird und alle Einzelheiten selbst zusammenbauen muss, um einen Sinn hinter dem Erzählten zu erkennen. .

Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen, das liegt vor allem daran, dass ich einfach mag wie Capote schreibt. Obwohl seine Bücher im Vergleich zu anderen Autoren sehr einfach geschrieben sind, hat er eine besondere Art Dinge zu schildern. Er schafft es schnörkellos aber doch poetisch über Dinge zu schreiben und seine Sätze wirken irgendwie wie kleine Zauberstücke, die erst beim Lesen ihre volle Wirkung entfalten. Oft habe ich einfach die Sätze für sich gelesen ohne den semantischen Hintergrund erfasst zu haben, denn wie oben geschildert, war es für mich schwer das Buch zu lesen und eine Handlung mit Sinn dahinter zu sehen! 

Autobiographisch ist bei disem Werk vor allem der Bezug zu den Südstaaten und natürlich die Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität, die dem Autor oft zum Verhängnis wurde. Aber auch die Gestaltung der Hauptfigur lässt Parallelen zum Autor vermuten, der ja selbst zierlich und blass war.  

Fazit: 

Capotes Roman ist nicht immer eindeutig zu verstehen, Joel spinnt sich seine Welt zusammen: Traum, Realität und Fantasie vermischen sich mit der Landschaft der Südstaaten zu einem skurrilen Roman, den man nicht einfach so in Worten fassen kann. Für Leser, die auch ohne Struktur gut auskommen.

★ ok

Sonntag, 18. Februar 2018

The Rum Diary


 Letztes Semester habe ich ein freies Wahlfach besucht, wobei ich mich viel mit teilnehmenden Beobachtungsstudien beschäftigt habe und über Umwege sozusagen auf Hunter S. Thompson gestoßen bin. Er war einer der Vertreter des Gonzo-Journalismus. Dabei begaben sich die Autoren und AutorInnen unter das Volk und legten vor allem Wert auf die subjektive Darstellung von erlebten Milieus. So vermischen sich autobiographische und fiktive Erlebnisse mit Polemik, Sarkasmus, Dialektsprache (Fäkalsprache, Slang usw), Zitaten und Poetik zu einem ganz eigenem Schreibstil. Wer vielleicht das Rolling Stone Magazin kennt, wird wissen, dass es genau durch diese Schreibweise so bekannt wurde. 

Mir gefiel dieser Schreibstil auch bei anderen amerikanischen Büchern besonders gut, also wollte ich dann unbedingt etwas von Thompson lesen. Sein wohl bekanntestes Buch ist Fear and Loathing in Las Vegas, das ich allerdings noch nicht gelesen habe. Während ich also im Internet nach weiteren Werken des Autors suchte, fand ich dann The Rum Diary und weil der Winter dieses Jahr schon lange dauert und ich bereit bin für Sommer und Frühling (hab schon alle Festivals rausgecheckt, die ich besuchen möchte, wuhu) hab ich wieder mal ein Sommerbuch gebraucht und so landete The Rum Diary in meinem Warenkorb.

The Rum Diary spielt genau in der oben erwähnten Welt des Gonzo-Journalismus. Zu Beginn des Buches lernen wir den Journalistem Paul Kemp kennen, der sich durch kurzfristige Jobs über Wasser hält, indem er hier und da einen Artikel für eine Zeitung verfasst. Es ist gerade Winter und der Protagonist seufzt über trübes New Yorker Wetter. Als er schließlich ein gut bezahltes Angebot erhält, verschlägt es ihn nach Puerto Rico, wo er sich zunächst einmal tagelang besäuft. Und überhaupt scheint auf dieser Insel jeder dem Rum verfallen zu sein. Am nächsten Tag trudelt er dann in der Redaktion ein, wo er den den Chef der Zeitung Lottermann, den fatalistischen Fotoreporter Bob Sala und den als verrückt geltenden Addison Yeamon kennenlernt. Durch die Begegnung mit besagten Typen wird der Protagonist in so manche Abenteuer verwickelt, da er auf nicht ganz legale Weise über Casinos, Migranten und Nutten Artikeln schreiben soll und ab und an wird er auch in eine Schlägerei verwickelt. 

Das ganze Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und schildert einfach die Erlebnisse des Protagonisten, die für die damalige Zeit typisch waren. Der Protagonist fungiert hier sozusgen als Thompsons Alter Ego. In den 60er - Jahre reiste der Autor selbst als Sportjournalist nach San Juan und verarbeitet in The Rum Diary seine Erlebnisse und Eindrücke aus dieser Zeit. Der Erzählstil hat mich an Mafia-Filme erinnert und ich habe irgenwie die Welt, wie sie auch in "The Fellas" oder "Der Pate" gezeigt wird, wiedergefunden. 

Insgesamt fand ich die Handlung dieses Buch nicht besonders spannend, weil nicht viel passiert, außer einer Schlägerei hier und da und das ständig präsente  Saufen, das sich von der erste bis zur letzte Seite durchzieht. Allerdings mochte ich die realistische Schilderung der Insel mit ihren Plätzen und Orten, dem Klima und den Menschen. Das Buch hat irgendwie eine Sehnsucht bei mir ausgelöst und ich wollte unbedingt nach Südamerika reisen. Die Atmosphäre der beschriebenen Zeit ist total lebendig und das Buch ist sehr einfach geschrieben. Eine leichte Lektüre für zwischendurch! Mir fehlte aber leider der Tiefgang! Der Protagonist wirkt oberflächlich und das, was er denkt während er alleine trinkt, hat mehr gelangweilt! Hätte mir einfach insgesamt mehr Tiefgang gewünscht! 

★ ok

Donnerstag, 18. Januar 2018

Die Kameliendame



Die Kameliendame ist wohl einer der schwülstigsten Romane, den die französische Literatur zu bieten hat. Die Franzosen lieben den Pathos und nicht selten enden dann die Romane aus dem Land der Bon Amour recht tragisch und mit viel Drama. Zugegeben ist mir das teilweise zu dick aufgetragen. Als ich dieses Buch unterm Weihnachtsbaum fand, dachte ich still und heimlich, oh! nein, nicht noch ein Dumas! Hat mir doch sein Buch Der Graf von Monte Christo schon einige Probleme bereitet, weshalb ich das Buch dann auch nicht zu Ende gelesen habe. Darüber werde ich eventuell noch rezensieren. Bei dem Buch die Kameliendame hat aber dieser recht pompöse und zur Oppulenz neigende Schreibstil irgendwie ganz gut gepasst. Die Tatsache, dass in der story sogar autobiographische Züge versteckt sind, machte es im Vergleich zum Grafen von Monte Christo dann nicht so unglaubwürdig und abschließend konnte mich das Buch dann auch begeistern. Was es noch über diesen kurzen Roman zu sagen gibt, erfährt Ihr nun in den nächsten Zeilen. 


Dumas liebt den Überfluss. Es kann gar nicht genug Prunk, Geld und Wohlstand in den Büchern vorkommen. So verkehren auch seine Figuren in besseren Kreisen und geben sich ganz und gar ihrer Verschwendungssucht hin. Dass man mit Geld nun alles kaufen kann, sogar die Liebe, von dem erzählt die Geschichte der Kameliendame, die mitunter auch seine eigene ist. In seinen Mittzwanzigern verliebte sich Dumas selbst in eine Kurtisane und so wirkt die erzählte Geschichte dann auch recht glaubwürdig, was man ja seinen anderen Geschichten nicht nachsagen kann.  


Das Herzblatt des Protagonisten heißt Marguerite Gautier, die eine heiß umworbene Kurtisane ist, die man(n) nur mit einer bestimmten Sorte von Blumen beschenken darf, nämlich mit Kamelien. Daher rührt auch der Name des Buches. Marguerite ist zwar nicht von Haus aus betucht, gebildet oder mit den Manieren einer Dame ausgestattet, aber sie hat andere Qualitäten und weiß ganz genau, was zu tun ist, damit Männer in die Spendierhosen schlüpfen. So manch einer ist an seiner Freigebigkeit zu Grunde gegangen, denn Marguerite muss mann sich erstmals leisten können. Davon kann bald auch der Protagonist Armand Duval ein Liedchen singen. Nun ja, es dauert nicht lange, da hat er schon Schulden angehäuft und mit dem Vater einen Zwist angefangen, aber natürlich brennt in Frankreich das Feuer der Leidenschaft umso heißer und so setzt Armand alles aufs Spiel und gewinnt Marguerites Herz, was aber dieses Liebesdrama erst recht ins Rollen bringt. Marguerite versucht fortan ihr Leben zu ändern und mit Armand ein neues Leben zu beginnen. Die Vergangenheit soll ruhen und das Leben der Kurtisane schließlich ihr Ende finden. 

Allerdings macht der Vater ihnen einen Strich durch die Rechnung und Marguerite trennt sich von Armand und kehrt auf Wunsch des Vaters ohne Armand zu informieren in ihr altes Leben zurück. Hui, ja, das gibt Stress. Armand ist daraufhin so verletzt, dass er in tiefe Rache verfällt und Marguerite das Leben zur Hölle macht, bevor er schließlich am Sterbebett ihre wahren Beweggründe für die Trennung erfährt. 

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte ist lebendig geschrieben, bleibt spannend bis zum Schluss und hat die richtige Portion Drama, um nicht zu langweilen oder langatmig zu wirken. Darüber hinaus handelt es sich bei diesem Buch um einen Klassiker, der für sich steht. Es gibt wohl genügend Gründe, weshalb das Buch auch 2018 noch seine Leserschaft findet. Das Leben im Rotlichtmilieu hat auch heutzutage an Faszination nichts eingebüßt und so fragt man sich natürlich, wie denn diese Menschen so leben, was sie tun und den ganzen Tag treiben. Dies war auch im Frankreich des 18. Jahrhunderts nicht anders. Davon erfährt man ganz nebenbei auch so manches. Geschildert wird, wie die Menschen lebten und speisten, womit sie ihre Freizeit verbrachten und wonach sie strebten und trachteten. Ganz spannend fand ich auch die Figuren in dieser Lektüre. Den Protagonisten Armand, der sich ganz seiner Leidenschaft hingibt, für die Liebe alles bereit ist zu opfern und auf der anderen Seite seine Kontrahentin Marguerite, für die zumindest zu Beginn alles nur ein Spiel zu sein scheint, bis sie dann schließlich auch ihrer Leidenschaft verfällt. Und so brennen die beiden für die Liebe und verbrennen sich an diesem Feuer letztendlich. Ein echter französischer Roman halt, was habt Ihr denn erwartet?

Das Buch ist demnach sehr lesenswert und ich hatte es dann in wenigen Stunden durch, weil sich dann Dumas Flammen auch auf mich ausgebreitet haben und ich einfach wissen musste, wie die Geschichte endet und ob diese verheerende Liebe eine Chance hat. Lesen, lesen, lesen! 

★ verschlungen!
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