Montag, 17. April 2017

Was liest du?

das Bild wurde von Tobis Blog Lesestunden entnommen


Tobi vom schönen Blog Lesestunden hat wieder einmal einen Fragebogen zusammengestellt und möchte dadurch herausfinden, welche Bücher andere Blogger so lesen und weil ich gerade etwas Zeit habe, mache ich einfach auch mal mit :) Heute geht es um Lieblingsbücher, Buchtipps und Lieblingsautoren. Da hab ich ja einige im Regal stehen. Hier also nun meine Antworten:

Ok, es geht ganz einfach los. Was ist dein absolutes Lieblingsbuch?


Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil ich einfach zu viele gute Bücher gelesen habe. Eine kleine Auswahl ist unter meiner Topliste zu finden. Nun ja, aber wenn ich mich jetzt für ein Buch entscheiden muss, dann schreibe ich an dieser Stelle einfach mal Goethe's Faust. Ich finde die Psychologie in diesem Werk sehr faszinierend. Goethe stellt darin den modernen Menschen sehr treffend da. Die Figur des Dr. Faust will immer mehr, mehr Wissen, mehr Geld, mehr Sex. Um an das zu gelangen, zerstört er sogar das, was ihn am Leben hält. Dieses Buch ist einfach grandios und beweist, warum Goethe ein Genie war ! Wer es noch nicht gelesen hat, sollte dies baldigst nachholen! 


Okay: Welche fünf Bücher sind deine absoluten Lieblingsbücher?

  1. Goethe: Faust
  2. Henry David Thoreau: Walden 
  3. Tolkien: Herr der Ringe
  4. Bram Stoker: Dracula 
  5. Jack London: Ruf der Wildnis


Welche Neuerscheinungen erwartest du sehnsüchtigst?


Manche werden es schon vermutet haben, aber ich bin kein Fan von Neuerscheinungen. Vielmehr habe ich noch eine ewig lange Liste an Klassikern, die gelesen werden will. Außerdem mache ich auch bei der Rory Gilmore Reading Challenge mit, da dürfte ich noch einige Zeite beschäftigt sein, die Bücher von der Liste zu lesen. Das macht mir aber großen Spaß, weil ich so schon einige Bücher entdeckt habe, die ich sehr mochte und so wahrscheinlich nie gelesen hätte.


Welche fünf Bücher sind schon am längsten auf deinem Stapel ungelesener Bücher?


Diese Frage erinnert mich daran, dass mein SUB einfach viel zu groß ist!!!! Für 2017 habe ich mir vorgenommen, keine neuen Bücher anzuschaffen, damit der SUB endlich wieder kleiner wird. Hm...also wenn ich mir den so ansehe, liegt schon ewig lange dort: Erich Kästners "Fabian", Betty Smiths "A tree grows in Brooklyn", Stefan Zweig "Maria Stuart", Katherine Mansfield "The garden party", Victor Hugo "Die Elenden" und Leo Tolstois "Anna Karenina". 


Welche fünf Bücher von deinem Stapel ungelesener Bücher wirst du als nächstes lesen?


Das kann ich so nicht beantworten. Ich lese immer nach Laune, je nachdem wie meine Stimmung ist, entscheide ich dann über dieses oder jenes Buch. 


Welches Buch hat die schönste und bewegendste Liebesgeschichte?


Also ich mag eigentlich keine Schnulzen. Sehr gerne lese ich dramatische Liebesgeschichten, wo es drauf und drunter geht. Deswegen würde ich sagen, hat Shakespeares "Romeo & Julia" die beste Geschichte. Sie wird auch nach dem 200. Mal nicht langweilig. Dieses Werk schaue ich mir auch immer wieder gerne mal auf der Bühne an. Es fällt immer total unterschiedlich aus. Kann ich sehr empfehlen!  


Welche Fantasy Reihe ist dein Favorit?


Wenn ich mal einen Blick in mein Bücherregal werfe, sehe ich da nicht viele Fantasy-Bücher. Ich habe mal vor Jahren versucht mehr aus diesem Bereich zu lesen, aber irgendwie waren die meisten Bücher immer dasselbe: Tolkienkopien. Ein paar hat es dennoch gegeben, die mir wirklich gut gefallen haben, als da wären: Harry Potter (Gesamtwerk), G.R.R Martin (Das Lied von Eis und Feuer), C.S Lewis (Die Chroniken von Narnia), Christopher Paolini (Eragon) ... so mehr fällt mir nicht ein.


Welches Buch von welchen Autoren/welcher Reihe sollte endlich geschrieben werden?


Fällt mir momentan nichts ein dazu.


Was ist das anspruchvollste Buch, dass du jemals gelesen hast?


Friedrich Nietsche  "Also sprach Zarathustra". Dazu muss ich aber sagen, dass ich damals noch etwas jünger war und noch keine Uni besuchte. Um dieses Buch zu lesen, bedarf es einen gewissen Grundwortschatz und eine bestimmte Denkweise. Darüber hinaus sollte man sich auch schon mit Nietsches Philosophie irgendwie beschäftigt haben, sonst kann man jeden Satz 10 Mal lesen und versteht dennoch nichts.  


Welches Buch fandst du am aller schrecklichsten?


Hui! Da gibt es einige!!! Nicht besonders viel konnte ich mit J.KK Rowlings Roman "Ein plötzlicher Todesfall" anfangen. Bei diesem Buch finde ich das Attribut "schrecklich" total passend. Ein weiteres Buch, das ich abgebrochen habe ist "Hundert Jahre Einsamkeit" von Marques, weil ich es total langweilig empfunden habe.


Welches Buch würdest du gerne einmal lesen, aber wagst dich noch nicht ran?


"Die Elenden" von Victor Hugo. Aufgrund der beachtlichen Seitenanzahl kam es aber dann immer wieder nicht zum Zug. Bei so vielen Seiten muss man sich schon Zeit nehmen für ein Buch und diese Zeit habe ich momentan leider einfach nicht. Dennoch möchte ich es eines Tage lesen!

Was ist das spannendste Buch, das du je gelesen hast?


Vor 4 Jahren war ich auf Sprachreise in Bologna und hatte Agatha Christies "4:50 from Paddington" mit. Während alle anderen irgendwo draußen saßen und in der warmen Sonne Gelato genossen, lag ich in meinem Zimmer und las dieses Buch. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht und konnte es nicht aus der Hand geben :)  


Welches Buch hat dich am meisten aufgerührt?


Ein Buch über das ich sehr lange nachdenken musste, war John Krakauers "Into the Wild". Ich fand es total faszinierend wie der Protagonist für seine Ideale sogar in den Tod geht. Das Buch ist außerdem sehr informativ und gut rechechiert. Es fällt allerdings ganz anders als der Film aus. 


Was ist das beste Sachbuch in deinem Schrank?


Ich brauche Sachbücher auch immer wieder für mein Studium, weshalb ich auch sehr viele rumstehen hab. Die lese ich natürlich dann nicht unbedingt in der Freizeit oder weil ich gerade Lust auf lesen habe. Daneben besitze ich aber auch sehr viele Sachbücher, die nichts mit meinem Studium zu tun haben. Noam Chomski "Language and Mind" hat mir gut gefallen.


Was ist dein schönstes Buch in deinem Schrank?


Hm...ich finde die Barnes & Noble Collection sehr schön, da gefällt mir eigentlich jedes Buch ganz gut. Romeo & Juliet schaut einfach traumhaft aus, aber auch die Dracula Ausgabe ist total schmucke. Und natürlich die Jane Austen 7 Novels Edition. Diese drei gefallen mir am besten.


Was ist das älteste Buch, das du je gelesen hast?


Vermutlich eines der Studienbücher aus der Germanistik Bibliothek. Weiß aber nicht mehr genau welches davon am ältesten war.


Welches Buch hat dich so richtig geärgert?


Geärgert hab ich mich über das Buch von Colin Meloy "Wildwood". Bevor ich mir das Buch kaufte, hab ich nur gute Rezensionen darüber gelesen. Außerdem sieht es so schön aus und wurde von der Frau des Autors gestaltet. In Wirklichkeit ist es eine Art Hipster-Kinderbuch. Die Geschichte selbst ist nichts, was es irgendwie nicht in ähnlicher Form schon vorher gab. Mich hat das Buch zu Tode gelangweilt, weshalb ich es dann auch verkauft hab. Schade!

Was ist dein liebster Klassiker?


Goethes "Faust" 


Was ist dein absoluter Favorit unter den Kinderbüchern?


Ottfried Preußler "Die kleine Hexe" 

Was ist der schönste Bildband in deinem Regal?


"Baumhäuser" von Andreas Wenning ist ein tolles Buch, in dem ich immer wieder gerne schmökere.


Welche Bücher sind ganz oben auf deiner Wunschliste?


Aus der Penguin Clothbound Classics Serie wünsche ich mir schon länger "Villette" von Charlotte Bronte und "The Portrait of a Lady" von Henry James. Diese beiden Bücher sind so schön! Weiters ist auf meiner Liste die Biographie über Amundsen aus dem Mare Verlag. Der dtv Verlag hat auch eine schöne Ausgabe von "Agnes Grey" von Anne Bronte, die ich sehr gerne in meiner Sammlung hätte :)


Wer ist dein absoluter Lieblingsautor?


Shakespeare

Welchen Autoren findest du am faszinierendsten?


Oscar Wilde. Er muss ein interessanter Zeigenosse gewesen sein :) Aber ich mag auch Charles Bukowski sehr gerne. Seine Bücher sind sehr einzigartig, humorvoll aber auch poetisch.


Welches Buch hat dein Denken am stärksten beeinflusst?


Henry David Thoreaus "Walden"

Wenn ein guter Freund/gute Freundin krank im Bett liegt, welches Buch empfiehlst du?


Das kommt natürlich auf den Freund/die Freundin an. Meine Freunde lesen ganz unterschiedliche Bücher. Die meisten lieben aber Fantasy und Sachbücher. Also müsste es etwas aus diesem Bereich sein.


Zu welchen Buch greifst du, wenn du Liebeskummer hast und dich trösten willst?


Ehrlich gesagt würde ich niemals zu einem Buch greifen, wenn ich Trost brauche. Da höre ich dann doch lieber Musik oder treffe mich mit guten Freunden.


Welches Buch hatte das schönste Setting?


Ich mochte "Der geheime Garten" von Francis Hodgson Burnett total gerne. Wer hätte nicht gerne einen geheimen, verwunschenen Garten nur für sich allein? Die Geschichte spielt auch im schottischen Hochmoor und ich liebe Schottland total. Konnte mir beim Lesen sehr gut vorstellen, wie es da so aussieht!

Aus welchem Buch hast du am meisten für dich mitgenommen?


Anne Saxtons Gedichtbände mag ich sehr. Ihre Gedichte sind sehr tiefgründig und teilweise melancholisch. Dennoch finde ich ihre Art und Weise zu Denken sehr interessant.


Welches Buch konnte dich sprachlich am meisten begeistern?


Als Linguistin gibt es für mich hier nur eine Antwort: Shakespeare, Shakespeare und nochmals Shakespeare !


Welche Romanfigur konnte dich am meisten begeistern?


Ich liebe Pippi Langstrumpf ! Pippi forever!!


Was ist dein teuerstes Buch im Regal?


Das ist mit Abstand Virginia Woolf "Orlando" aus dem Verlag Folio Society. Es kostet glaub ich 40€, ich hab es damals in Pfund bezahlt.


Welche Bücher hast du am öftesten erneut gelesen?


Jack London "Ruf der Wildnis", Goethes "Faust", Emily Bronte "Sturmhöhe", Bram Stokers "Dracula"


Was war dein erstes Buch, das du je gelesen hast und an das du dich erinnern kannst?


Wahrscheinlich die kleine Raupe Nimmersatt :-D


Du machst Urlaub in einem einsamen Haus am Meer. Welche Bücher nimmst du mit?


Ganz sicher etwas mit Meer. Ich mag das, wenn das Buch zum Thema passt. Außerdem gibt es so viele tolle Bücher, wo das Meer einen wichtigen Stellenwert hat. Es weckt auch immer gewisse Sehnsüchte bei mir und sorgt für eine ordentliche Portion Fernweh. 

Welche Bücher kannst du Schriftstellern empfehlen?


Alle, die unter dem Label "Topliste" auf meinem Blog zu finden sind!

Welches Buch hast du als grausamsten oder erschreckendsten empfunden?


Hm...da fällt mir momentan keines ein!

Welche Reihe an Büchern kaufst du alle ausnahmslos und sammelst du?


Finde die Ledereinband Ausgaben des Bertelsmann Verlags alle sehr schön. Man bekommt die Bücher aber nur noch gebraucht, aber immer wenn ich eines irgendwo sehe, nehme ich es mit! 


Von welchem Autoren hast du am meisten Bücher im Schrank stehen?


Das sind einige: Steinbeck, Charles Bukowski, Jack London, Bronte Schwester, Agatha Christie, Thomas Hardy, Shakespeare, Henning Mankell, Charles Dickens


Welches Buch sollte ich wirklich wirklich wirklich unbedingt lesen?


Vor kurzem habe ich die Autobiografie von Bruce Springsteen gelesen "Born to Run", dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, ansonsten sind in der Rubrik Topliste meine Lieblingsbücher vertreten. Da könnte ich wirklich jedes total weiter empfehlen! 

Freitag, 7. April 2017

Als die Winter noch Winter waren


Ich bin mit meinem Beitrag etwas spät dran! Die Welt ist schon auf Frühling eingestellt, aber ich komme momentan zu gar nichts. Da ich auch gerade wieder umgezogen bin und noch Prüfungen schreiben musste, ist es auf diesem Blog etwas ruhig geworden. Und dabei hätte ich noch so viele tolle Beiträge zu posten...ich hoffe das bessert sich nun ein wenig.

Der Galiani Verlag war mir bis vor kurzem nicht bekannt, nun bin aber sehr froh, ihn über Umwege entdeckt zu haben. Durch Zufall ist mir die schöne Romeo & Julia Ausgabe ins Auge gestochen, weil ich aber schon so viele verschiedene Ausgaben von diesem Stück habe, konnte ich dann natürlich nicht aufhören auf der Homepage zu schmökern und entdeckte dieses schöne Buch von Bernd Brunners Kulturgeschichte über den Winter. Als Winterkind und Liebhaberin der kalten Jahreszeit musste ich das Buch dann unbedingt haben! Allein schon die Buchgestaltung kann sich meiner Meinung nach sehen lassen, dieses dunkle Blau mit den kühlen, silbernen Eiskristallen darauf macht einfach etwas her! Ein Kompliment an die Umschlaggestalter. Was kann man sich nun von diesem Buch erwarten?

Während der letzten Jahrzente hat sich unser Verhältnis zur kalten Jahreszeit durchwegs verändert. In manchen Gebieten schneit es schon seit Jahren nicht mehr und das Leben der Menschen wird im Vergleich zu früher nicht mehr von der Natur bestimmt. 2015 war das wärmste Jahr seit es Aufzeichnungen gibt, was das für den Menschen und die Natur bedeutet und wie das unsere Sicht zum Winter verändert hat, dem geht Brunner in diesem kleinen Lesebuch nach. Er begibt sich auf die Suche nach Geschichten und Belegen aus vergangener Zeit und wir Leser tauchen ein, in eine bezaubernde Welt voller Mythos und Spannung. Wir lernen Menschen kennen, wie den  Amerikaner Wilson A. Bentley, der angeblich über 5381 Fotografien von Schneeflocken anfertigte und damit bewies, dass keine der anderen gleicht. So erfahren wir viel Schönes, aber auch die Gefahren des Winters werden beleuchtet. Nicht zu vergessen ist auch der ökologische Aspekt, der mit dem Schmelzen der Gletscher eine ungewisse Zukunft darstellt.

Jedes Kapitel ist nur wenige Seiten lang, dafür sind die Informationen, die Brunner dem Leser in dieser Lektüre serviert, sehr gut recherchiert und von einwandfreier Qualität. Manchmal hat es mich an meine Uni-Skripten erinnert, da die Infos aber sehr interessant sind, habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man dieses Büchlein öfters aus dem Regal packt und immer wieder darin nachschlägt und schmökert.

Brunners Kulturgeschichte weckt oft eine Sehnsucht nach vergangenen Tagen, als die Winter noch Winter waren und man nur raus ging aus der warmen Stube, wenn man wirklich musste. Zum Holz holen zum Beispiel. Man hat einfach das Gefühl, dass die Winter früher viel schöner waren, da die Menschen gezwungen waren zusammen auszuharren und zusammenzuhalten.  Das Bedürfnis nach Wärme war einfach viel stärker gegeben, da man nicht einfach die Heizung anmachen konnte, so saß man in der warmen Stube und erzählte sich Geschichten. Das ganze Jahr über bereitete man sich auf den Winter vor, er hatte eine besondere Stellung im Leben der Menschen. Man sammelte Heu für die Tiere, legte Obst und Gemüse ein, musste Feuerholz anhäufen und sich vor der Kälte schützen, wenn man überleben wollte. "Als die Winter noch Winter waren" widmet sich der Geschichte einer Jahreszeit, mit allem, was irgendwie mit Winter zu tun und blickt am Ende vorausdeutend auf das, was noch kommen könnte.

Fazit:

Ein tolles Buch, sehr informativ, mit vielen interessanten Fakten zur kalten Jahreszeit. Der Autor schafft es aber trotzdem eine flüssig zu lesende Lektüre daraus zu machen, die gut unterhält und nicht langweilig ausfällt! Mir hat es sehr gut gefallen und ich habe viel gelernt beim Lesen !

sehr lesenswert :)

Donnerstag, 2. März 2017

Born to Run

HEYNE 2016 / 670 Seiten

Mit Rock n Roll ist das so eine Geschichte, wenn man einmal damit infiziert wird, lässt er einen auch nicht mehr so schnell wieder los. Ich bin dieser Musik eigentlich schon mein ganzes Leben verfallen. Angefangen hat es etwa im zarten Alter von 9 Jahren, ich kann mich noch genau erinnern, als mein Onkel mir die ersten MC Kassetten schenkte. Ich und meine Schwester verbrachten damals Stunden damit mit ihm in seinem senfgelben VW Golf II  herumzufahren und Rolling Stones, Bryan Adams und Bruce Springsteen zu horchen. Es sind für mich schöne Erinnerungen an vergangene Sommertage, Erinnerungen an eine einfache, glückliche Kindheit ohne Internet und Mobiltelefonen. Man verbrachte die Zeit draussen und wir fuhren eben herum und horchten Rock Musik, obwohl wir noch Kinder waren und nichts davon verstanden. Diese Tage haben aber vielleicht den Weg geebnet für eine lange Verbundenheit zu dieser Musik. Als Bruce Springsteens bekanntestes Album "Born in the USA" rauskam, war ich noch nicht einmal auf der Welt! Dennoch verbinde ich mit seinen Songs Erinnerungen an meinen Onkel und an die Anfänge der 90er Jahre. Mein Onkel lebt mittlerweile in Kanada und es sind bestimmt schon über 8 Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Als ich dann um die Weihnachtszeit die Autobiagraphie von Bruce in den Auslagen sah, musste ich das Buch einfach lesen. Die vielen guten Rezensionen im Internet machten es außerdem noch schmackhafter. Also ging ich in die nächste Buchhandlung, setzte mich in einen der freien Couchsesseln und las die ersten zwei Kapiteln und konnte mich nicht mehr von diesem Buch trennen. Leider kam dann der Uni Stress und die Prüfungszeit, sodass ich keine Zeit zum Lesen hatte und etwas länger für das Buch brauchte.

Bisweilen hat mich kein Buch so gerührt, dass ich nach dem Lesen der letzten Seite heulen musste, weil es entweder so traurig oder so schön war. Mr. Bruce Springsteen hat es geschafft! Warum dieses Buch nicht nur etwas für Fans ist, erfährt ihr in den nächsten Zeilen, aber vorher noch kurz etwas über den Mann, der es geschrieben hat!

Bruce Springsteen ist bestimmt kein Musiker, mit dem man seine Eltern als Teenager schockiert oder der aufgrund von einem skandalösen Leben oder Aussehen für Furore sorgt. Man wird weil man seine Musik hört keine große Aufmerksamkeit bekommen. Dennoch gehört er zu den ganz Großen und wurde auch in die Hall of Fame des Rock aufgenommen. Das, was seine Musik ausmacht, ist die minimalistische Art und Weise, wie er tiefgründige Songtexte vertont! Wer sich schon einmal einen Songtext von ihm gelesen hat, wird merken, dass Bruce eine detailreiche Sprache und Poetizität in seine Texte packt. Dabei beschäftigt er sich vor allem mit der Arbeiterklasse, derer ja seine Familie angehörte und in der er auch aufgewachsen ist. Ein Ideal der 50er Jahre und der Industriealisierung. Heutzutage gibt es irgendwie keine wirkliche Arbeiterklasse mehr, naja zumindest nicht mehr in dieser Art und Weise. Aber auch andere politische und gesellschaftlich kulturelle Ereignisse inspirierten Bruce zu dem ein oder anderen Songtext. Er ist der einfache Typ, der mit ausgeblichenen Jeansklamotten, Gitarre und Band auf der Bühne steht und für sein Publikum 3h!! Konzerte gibt, weil er einfach Spaß an der Rockmusik hat und weil er liebt, was er tut! 

In seinem Buch "Born to Run" begegnen wir genau diesem Typen, der total am Boden geblieben ist und uns etwas über sein Leben erzählt und das ist dann zufälligerweise das Leben eines Rockstars. Starallüren wird man aber auf keiner einzigen Seiten finden, es könnte irgendein x-beliebiger sein, der aus seinem Leben erzählt.  Bruce führt uns durch seine Kindheit in Jersey, erzählt von Außenseiter-Typen, denen er ja selber angehörte und nimmt uns mit in die Anfänge seiner Rockmusik-Zeit. Er schwärmt über Bands, wie es auch andere Teenager tun und wird von Elvis und Bob Dylan beflügelt selbst eine Gitarre in die Hand zu nehmen. Dabei spielen immer wieder politische und kulturelle Zeitgeschehen eine Rolle, auf die er dann auch eingeht, weil sie das tägliche Leben beeinflussten. Bis zu seinem ersten großen Hit und seiner ersten gut bezahlten Gage (die er nicht mal wirklich mitbekommt) soll es noch ein langer und steiniger Weg durch verschiedene Underground-Pubs werden. Er trampt von Jersey nach LA und wieder zurück in die Straßen seiner Kindheit, in das Arbeiterviertel, wo seine Eltern leben und wir Leser erfahren, was ihn zu diesem oder jenem Song inspirierte und wie diese entstanden sind.

"Meine Musik ist immer die eines Menschen gewesen, der seinen Platz in der Welt sucht, der wissen will, wohin sein Herz und sein Verstand gehören. Ich male mir ein anderes Leben aus und probiere es aus wie ein Kostüm. Ich versetze mich in eine andere Person, wandere mit ihr die sonnigen oder düsteren Straßen ihres Lebens entlang [...] so bin ich unterwegs mit einem Fuß im Licht, mit dem anderen im Schatten, und jeder Tag ist eine andere Herausforderung"

Dabei sind wir mittendrin in seinen Gedanken, die sich um die Menschen und das Leben auf dieser Welt drehen. Das ganze wird, obwohl Bruce schon seit seiner Teenager-Zeit unter Depressionen leidet, mit so einem lodernden Feuer erzählt, so voller Lebensfreude, dass es richtig anstecked ist. Mich hat dieses Buch mit all seiner Tiefgründigkeit zu Tränen gerührt und hätte es nicht fast 700 Seiten, würde ich es glatt nochmals lesen!

Für alle, die noch kein einziges Lied von Bruce Springsteen gehört haben, empfehle ich folgende Anspieltipps:

1) Atlantic City 2) Human Touch 3) Paradise 4) The Ghost of Tom Joad 5) Born to Run 

Fazit:

Das erste Buch, das mich zum Heulen gebracht hat, einfach weil es so schön geschrieben ist. Egal, ob man Mr. Springsteen mag oder nicht, ich empfehle es auf jeden Fall weiter, weil es eine Geschichte erzählt von jemandem, der in der Zeit zwischen 1950 und 1980 aufgewachsen ist und der sehr gut und tiefgründig über die Welt und das Leben nachgedacht hat!

verschlungen!

Mittwoch, 8. Februar 2017

Ich mach Pause...


Liebe Leser/Innen! Dieses Semester auf der Uni war sehr intensiv für mich, irgendwie bin ich auch nicht recht viel zum Lesen gekommen. Deshalb mach ich einfach mal Pause! Morgen fliege ich wieder nach Finnland, darauf freue ich mich schon sehr! Dieses Mal geh ichs ganz entspannt an, auf dem Plan steht Freunde besuchen, auf das ein oder andere Konzert gehen und einfach Helsinki im Winter genießen, Pulla essen, ganz viel Kaffee trinken und Lesen ;) Im Gepäck befindet sich Arno Geigers Buch "Es geht uns gut", Bernd Brunners "Als die Winter noch Winter waren" und Dostojewskis "Schuld und Sühne". Wobei ich letzteres schon fast durch habe.

Am Freitag bin ich dann auf  der Release-Party von der Band Battlebeast, die ein neues Album herausgebracht haben. Die Gastgeberin ist niemand anderes als die Sängerin Noora selbst. 

(Schön, wenn man Freunde bei der finnischen Presse hat :-P) 

Bevor es aber in den schönen Norden geht, bin ich noch in Wien unterwegs und besuche die Nationalbibliothek, das nehme ich mir schon so lange vor. Dieses Mal klappt es hoffentlich...sollte nichts Unerwartetes passieren, könnt Ihr hier Ende Februar ganz tolle Bilder von einer der schönsten Bibliotheken weltweit bewundern, und das sag ich nicht nur, weil sie in Österreich liegt ^^

So ein kleiner Urlaub ist schon was Tolles! Allen, die leider nicht Pause machen können, wünsche ich trotzdem eine entspannte Zeit! Macht es Euch gemütlich mit einem spannenden Buch und einer Tasse heißem Kaffee.

Bis bald, Eure Tinka!

Ende Februar gehts hier dann mit der Rezension zu Dostojewski's Schuld und Sühne weiter ;)

Freitag, 3. Februar 2017

Meine Empfehlungen...


Bücherblogs gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer! Aber irgendwie gehen wir Blogger aus Österreich im weiten Netz unter. Bis dato habe ich nicht recht viele österreichische Literaturblogger gefunden. Deswegen ist es vielleicht auch wichtig, dass wir uns umso mehr vernetzen. Auf dem Blog Nana what else   gibt es schon eine kleine und feine Liste mit Blogs aus dem Land der Berge, sie enthält aber mehr Fantasy-Blogs und Young Adult Bücher verschlingende Blogger.  Mit diesem Post möchte ich auch meinen Beitrag leisten und 1. auf uns aufmerksam machen und 2. einige coole Blogs vorstellen, die sich eher mit anspruchsvollerer Literatur beschäftigen. Hier also meine Favoriten: 

Judith von Leseloop hat sich der Literatur aus Österreich verschrieben. Nach ihrem Studium der Germanistik, mit Schwerpunkt neuere deutsche Literatur, hatte sie schon fast die Freude am Lesen verloren. Doch mit ihrem Blog wollte sie Rezensionen veröffentlichen, die im Vergleich zum Studium nicht staubtrocken sind, und das macht sie meiner Meinung nach sehr gut und unterhaltsam. Arno Geiger's Buch "Selbstportrait mit Flusspferd" ist nur ein Beispiel. Aber überzeugt euch selbst. Von diesem Autor hab ich leider noch nichts gelesen, aber auf dem SUB schlummert schon seit längerem sein Buch " Es geht uns gut", vielleicht sollte ich es demnächst einmal befreien und lesen.

Ein Blog, der mir persönlich sehr gefällt und den ich auch öfters lese, ist der von Gabi. Sie nennt ihren Blog Blücher und bloggt schon seit 2007 über Bücher unterschiedlichen Genres. Man findet dort Meinungen zu Klassikern, Jugendbüchern, Fantasy, Krimis/Thriller, aber auch Gedichte und Science Fiction. Ich mag diese Mischung, da ist für jeden etwas dabei. Ihre Rezension zu Thomas Hardys Buch "Am grünen Rand der Welt" hat mir besonders gut gefallen ;) Leser meines Blogs wissen vermutlich, dass ich Hardy liebe, liebe, und liebe!

Nana wuselt seit 2011 mit ihrem Blog Nanawhatelse durchs Netz und steckt Menschen mit ihrer Liebe zu Literatur an. Die sympathische Salzburgerin ist Bloggerin mit Leib und Seele und schreibt am liebsten über Fantasy und Young Adult. Aber auch so manches alte Buch  hat sich schon auf ihren Blog verirrt. In einem ihrer Beiträge kann man eine der schönsten Bibliotheken Österreichs bewundern, die Stiftsbibliothek Admont. Zum Sterben schöne Bilder! 

Anjas Texte vom Wortlichter Blog haben ihre eigene Melodie. Sie schreibt über sich selbst:,,Ich möchte das meine Worte leuchtend sind, wie aus Licht gewebt. Sie sollen zum Denken anregen oder das Herz berühren. Sie sollen eine Quelle der Inspiration sein. In dieser Zeit, wo nichts von Dauer ist, sollen sie ein Ruhepol sein und gleichzeitig Kraft spenden". Ihre Rezensionen sind mit viel Feingefühl geschrieben und man bekommt einen guten Eindruck über die Bücher und ihr Wesentliches. Anjas Blog stellt laufend Neuerscheinungen vor und hat ein Faible für Liebesromane. Außerdem liebt Anja das Schreiben und lässt ihre Leser gerne an ihren Gedanken zu den verschiedensten Themen teilhaben, zb über Don Quichotte und die Liebe.

Book Broker ist Innsbrucks Buchblog Nr 1, so wurde er zumindest in einer Innsbrucker Tageszeitung gekürt. Evelyn bloggt dort über Themen der Literatur- und Kulturwelt. Als fertige Studentin der Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Erziehungswissenschaft möchte sie mit ihrem Blog weiterhin ihrer Leidenschaft zu Büchern eine Stimme verleihen. Evelyn liebt Krimis, ihre Meinung zu Simon Beckett's neuem David Hunter Roman Totenfang ist auf jeden Fall sehr lesenswert. Ihr Blog ist aber auch schon wegen den schönen Fotos einen Besuch wert ;)

Einen interessanten Blog führt auch ein hungriger Bücherwurm namens Mariki. Schon alleine ihre Bibliothek ist umfangreich groß. Ihr Appetit verzehrt so ziemlich alles, was man als Buch drucken kann, wobei Neuerscheinungen zu ihrer Leibspeise gehören. Schaut doch mal bei Mariki vorbei.

Es wäre natürlich schön, wenn zu diesen von mir vorgestellten Blogs noch ein paar dazu kämen. Und wenn du selbst einen Blog hast, aus Österreich bist, freue ich mich über einen Link dazu im Kommentarfeld.

Dienstag, 24. Januar 2017

Schafe im Schnee

das Original erschien 2009 unter dem Titel Færeyskur dansur

oder vom Alleinereisen

Huldar Breiðfjörð ist Isländer und begibt sich auf eine Reise auf die 18 Färöer Inseln mit dem Ziel, den vermeintlichen Unterschieden zwischen Färingern und Isländern nachzugehen. Einen Monat ist er alleine unterwegs und trifft auf seinen Erkundungstouren auf schweigsame Fischer, störrische Schafe, zockende Deathmetal-Fans, Einsamkeit und schlechtes Wetter.

Es ist ein besonderer Menschenschlag auf den Färöern, der dem schlechten Wetter trozt und sich wohlfühlt in der Abgeschiedenheit und Einsamkeint. Über 300 Regentage verzeichnet man dort jährlich und an den regenfreien Tagen muss es nicht unbedingt trocken sein, denn dann versinken die schroffen Gipfeln im Nebel und nicht einmal Cafes gibt es, wo man sich aufwärmen kann. Nur wenige Touristen wagen sich hin, die überschaubare Auswahl an Unterkünften machts abgesehen von Torshavn (Hauptstadt) schwer ein Bett zu finden. Der Autor und Ich Erzähler findet sich daher in einer Wohngemeinschaft wieder. Dort bezieht er ein kleines Zimmer, die Küche teilt er sich mit den anderen Mitbewohnern, die alle Einheimische sind. Da gibt es zwei verrückte Deathmetaller, ein Pärchen und einen Straßenbauarbeiter, mit dem er sich schließlich auch anfreundet. Von dort macht er sich auf und streift wochenlang in der Hauptstadt herum, sucht das einzige Cafe auf, schlendert im Regen und findet sich in Untergrundkellern wieder, wo der berühmte Färöische Tanz getanzt wird.

Bei diesem Buch darf man keinen Reisebericht erwarten, der einen motivieren soll auf die Färöer Inseln zu fahren, es ist vielmehr ein Erlebnisbericht, der sich ergibt, wenn man alleine und ohne wirklichen Plan 1 Monat irgendwo verbringt, wo es nicht wirklich was zu tun gibt. Hier geht es mehr um die Reise selbst, das Reflektieren der eigenen Person und des Fremden. Primär erzählt Breiðfjörð von den Menschen und ihren Eigenarten. Ich würde sagen, dass die Art wie der Autor reist eine eigene Philosophie des Reisens darstellt, und zwar die des "slow-travelling" . Sie spielt sich jenseits von Massentourismus und Top-10 Attraktionen ab. Der Autor nutzt verschiedene Fortbewegungsmitteln, gibt sich dem Zufall und Chaos der Natur aus und entwickelt dabei einen eigenen Blick, den er in diesem kleinen Büchlein dokumentiert. Durch die neuen Freundschaften, die er dabei knüpft, erfährt der Leser indirekt etwas über die Geschichte, Wirtschaft und Kultur der Färöinger. Wie ein Schatten folgt man Breiðfjörð stets auf veschneiten Pfaden und lauscht die Gespräche mit und auch in den einsamen Stunden ist man gegenwärtig.

Meine Meinung:

Da ich kommenden Sommer eine Reise auf die Färöer Inseln geplant habe, lese ich momentan viele Sachbücher darüber und blättere in der Bibliothek durch so manches Fotobuch und bin ganz fasziniert von der schönen Landschaft und Einsamkeit. "Schafe im Schnee" geht dann noch tiefer und offenbart uns die wirkliche Welt der Färöern und ihren Menschen. Besonders gut gefallen hat mir der ironische Schreibstil, der einfach gewürzt ist mit nordischem Humor. Im Internet fand ich nur wenige Rezensionen zu diesem Buch und die, die ich gefunden habe, fallen oft sehr negativ aus. Ich bin aber froh, mir das Buch dennoch gekauft zu haben, weil es mir sehr gut gefällt. Es hat mich oft an meine Reisen erinnert, da ich auch seit letztes Jahr das Alleinereisen für mich entdeckt habe. Die Vorteile liegen darin, dass man viel offener auf Menschen zugeht und wenn man allein unterwegs ist, lernt man oft schräge Personen kennen und das Abenteuer ergibt sich ganz von alleine. Durch dieses Buch hab ich so einiges über die Färöeische Seele erfahren, das man so in keinem Reiseführer findet. Das Buch ist sehr lesenswert und würde von mir die Höchstpunktezahl erhalten, wäre da nicht dieses Kapitel Nr 32, das irgendwie für Verwirrung sorgt. Der Autor befindet sich darin wieder in Island, in einem Hotel und versucht ein Resümee der Reise zu ziehen, als er aber dann behauptet die Geschichte einer Reise zu erzählen, die nie stattgefunden hat, macht es das Buch irgendwie unglaubwürdig. Dieses Kapitel hätte meiner Meinung entfernt werden sollen!

Fazit:

Eine schöne literarische Reise, wer Schnee, Skandinavien & Einsamkeit liebt, der wird das Buch genüsslich lesen und sich über den Humor freuen. Ein Roman über slow-travelling und die Abenteuer, die sich dabei ergeben.

sehr lesenswert :)

Dienstag, 17. Januar 2017

Geheimnis in Weiss

Klett Cotta Verlag, 281 Seiten in Leinen gebunden

Weihnachten ist zwar schon vorbei, aber dieses kleine Büchlein passt trotzdem gerade sehr schön in die Zeit. Nicht nur, weil es einen so schönen winterlichen Titel hat, sondern auch, weil es einfach im Buch unaufhörlich schneit. Die Geschichte wurde schon 1937 publiziert und ist deshalb im eigentlichen Sinne keine Neuerscheinung, aber weil das Buch erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurde, ist es irgendwie doch neu. Nur 280 Seiten lang, wurde es in Leinen gebunden und erzählt eine Mordgeschichte. Eine gemütliche Mordgeschichte. 

Inhalt:

Es ist kurz vor Weihnachten und ein Zug mit mehreren Passagieren bahnt sich seinen Weg durch die verschneite Landschaft Englands. Während der Bahnfahrt schneit es aber so heftig, dass der Zug im Schneetreiben in der Nähe des Dorfes Hemmersby steckenbleibt. Das lange Warten wird den Insassen bald zu blöd und sie machen sich auf, um den nächsten Bahnhof zu suchen. Jeder möchte natürlich noch vor Heiligabend zu Hause eintreffen. Doch der Weg stellt sich als schwierig heraus, vom ganzen Schnee sieht man überhaupt nichts und einige der losgezogenen Passagiere kränkeln auch. Als sie schließlich auf ein verlassenes Landhaus treffen, suchen sie Zuflucht dort, bemerken aber schnell, dass die Tür offen steht, der Kamin brennt und auch der Tisch ist zum Tee gedeckt aber von den Bewohnern fehlt jede Spur. Hier ist Seltsmes in Gange. Während die Eindringlinge versuchen hinter das Geheimnis zu kommen, passiert auch noch ein Mord. 

Meine Meinung:

Ach, ich liebe ja gemütliche Wintergeschichten, solche Bücher haben eine ganz eigene Stimmung. Im Kamin prasselt ein Feuerchen, irgendwo liegen kuschelige Wolldecken, am Herd köchelt ein Eintopf vor sich hin und zum Nachtisch gibt es lecker Kuchen. Vor dem Haus steht ein Schneemann und immer wird ganz viel Tee getrunken. Auch bei "Geheimnis in Weiss" tauchen wir ein in eine behagliche Winterwelt. J.Jefferson Farjeon führt uns langsam in seine Geschichte ein, es wird zu Beginn ein kalter Wintertag geschildert, wie man ihn oft aus dem Radio hört. Die Kinder freuts, die Autofahrer sind nicht besonders darauf vorbereitet und die Landschaft ist getaucht in einen weissen Zauber. Von den Protagonisten erfährt man zunächst einmal nicht viel, sie werden erst im Verlauf der Erzählung vorgestellt. Eine bunt zusammengewürfelte Truppe ist das, da gibt es einmal den etwas hochnäsigen und selbstbewussten Buchhalter Mr. Thomas, dann die beiden Geschwister David und Lydia, die irgendwie an ein altes Ehepaar erinnern, den alten Mr. Maltby, der für die königliche parapsychologische Gesellschaft unterwegs ist, eine Tänzerin namens Jessie und schließlich gesellt sich auch ein Nörgler hinzu. Alles sehr eigenartig. Man fragt sich natürlich weshalb genau diese schrägen Typen so zusammenfinden, aber einen wirklichen Grund scheint es nicht zu geben. Dass bei so einem Auftakt natürlich witzige Dialoge rauskommen, kann man sich schon im Vorhinein denken. (sehr unterhaltsam) Manchmal spitzen sich die Dialoge auch etwas zu und es wird im bissigen Ton miteinander gesprochen. Jeder ist schlauer als der andere, dann passiert ein Mord und plötzlich sind alle verdächtig.

Lange Zeit hat man einfach überhaupt keinen Tau wo diese Erzählung hinführen soll, der Autor offenbart dem Leser nur häppchenweise neue Informationen, die man wie ein Puzzle zusammensetzen muss, damit die Geschichte Sinn macht. Ganz in der Tradition von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers oder Sherlock Holmes reiht sich ein Misterium an das andere und lässt den Leser lange im Dunkeln tappen. Ich habe sehr lange gebrauch um in die Geschichte reinzufinden, die Charaktere fand ich auch einfach sehr sonderbar, sie waren mir so nichtssagend. Teilweise sind sie auch sehr oberflächlich gestaltet, vielleicht weil sie nicht das wichtigste im Buch sind?

Ich muss auch erwähnen, dass dieses Buch natürlich Ende der 30er Jahre geschrieben wurde und auch die für damals üblichen gesellschaftlichen Normen mit sich bringt. An manchen Stellen haben dann einfach die weiblichen Figuren den Mund zu halten wenn der Mann spricht und sozial höher gestellte Passagiere dürfen ausreden, während andere deswegen nicht so ernst genommen werden.

Zusammenfassend hab ich diese kleine aber doch so obskure Geschichte gerne abends gelesen, sicherlich gibt es bessere Detektivgeschichten und Cozy Krimis, aber ich kenne kein anderes Buch, das so geheimnisvoll aufgebaut ist wie dieses hier.

Fazit:

"Geheimnis in Weiss" macht seinem Namen alle Ehre. Lange Zeit fragt man sich einfach, wo denn diese Erzählung hinführt. Jefferson Fahjeon hat ganz nach alter englischer Manier einen Cozy Krimi geschaffen, der zum Miträtseln einlädt und dadurch unterhält, dass er irgendwie auf eine charmante Art und Weise  altmodisch ist.

★ + 1/2

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