Montag, 19. Oktober 2020

Die Abenteuer des Huckleberry Finn

Penguin Classics 332 Seiten, first published 1884
 

Ich habe Huckleberry Finn gelesen und obwohl ich die Geschichte per se ja irgendwie kannte, war das Buch dann doch komplett anders.  

Die abenteuerreiche Geschichte um Huckleberry Finn ist irgendwie ins Vergessen geraten, als ich noch Kind war, gab es eigentlich kaum jemanden, der nicht Huckleberry Finn las oder eine filmische Adaption davon im TV anschaute und dabei ist die Erzählung so wundervoll und hat neben dem großen Abenteuer auch viel Humor zwischen den Seiten versteckt. 

Das Buch  wurde in der 1. Person geschrieben und Huck nimmt hier selbst die Erzählperspektive ein und vermittelt der Leserschaft direkt was ihm einen Sommer lang in den Südstaaten von Amerika widerfahren ist. Mark Twain verwendet dabei in der gesamten Lektüre die Umgangssprache und obwohl ich ja mit so manchen Sprachvarietäten in den Büchern meine Probleme hatte, hat das bei Huckleberry Finn  für mich irgendwie gut funktioniert und machte die Lektüre zu einem authentischen Lesevergnügen. 

Insgesamt würde ich die Lektüre mit 4 von 5 Sternen bewerten, ich mochte zwar Hucks rebellische Attitüde, aber  die vielen Kapitel, in denen  Huck Finn Zeit  um die beiden Charaktere The King & The Dude verbringt, waren viel zu langatmig  und die besagten Charaktere sind dann zudem auch nicht unbedingt angenehm. 

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen, vor allem weil mich der erste Abschnitt des Buches total verzaubert hat. Darin lebt Huck am Missouri River in der Obhut zwei älterer Frauen, nämlich der Witwe Douglas und ihrer Schwester Miss Watson, die stets darum bemüht sind Huck zu zivilisieren und vor allem zu missionieren, ihm Tischmanieren beizubringen und ihn höflich zu machen. Huck ist hier erst 14 Jahre alt, etwas einfältig und wild. Viele Kapitel des ersten Abschnittes haben mich zum Schmunzeln gebracht, vor allem als Huck sich  schließlich Tom Sawyer und seiner Bande anschließt. Ihre kindlichen Pläne jemanden zu kidnappen und Lösegeld zu forden waren einfach urkomisch. 

" Its lovely to live on a raft. We had the sky, up there, all speckled with stars, and we used to lay on our backs and look up at them, and discuss about whether they was made or only  just happened" S. 133

Die Charaktere in diesem Buch sind authentisch, sie sind teilweise so echt, dass man von Anfang an ein Teil der erzählten Welt wird und für den Leser existiert dieser Huck auf einmal wirklich. Vielleicht liegt dies daran, dass Huck die Geschichte ja selbst erzählt, aber ich habe richtig mitgefiebert mit Huck, ich war frei und konnte die Sonnenstrahlen der Südstaaten spüren, ich habe in meinen Träumen auf einem Floß geschlafen und mich über den Sternenhimmel gefreut und gewundert und ich hatte Mitleid mit Huck als eines Tages schließlich sein nutzloser Vater auftaucht, und umso mehr habe ich mich gefreut, als er diesem entkommen konnte und sich auf einem Floß davonmachte.

Ich habe online eine Menge Rezensionen über Huckleberry Finn gelesen und kann die Kritik zu diesem Buch überhaupt nicht nachvollziehen. Darin wird Mark Twain sehr oft für die verwendeten Ausdrücke "Nigger" und auch für die Charakterisierung des Sklavens Jim, der nur durch Huckleberry Finns Eindrücke porträtiert wird, getadelt. 

Das Buch wurde zwischen 1835 und 1845 geschrieben und spiegelt eigentlich wie jeder Klassiker die damalige Zeit wieder und ist somit historisch akkurat. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum man sich daran stört, es ist Geschichte und Literatur ist ein Spiegel der Zeit und muss so belassen werden, wie es war/ist als die jeweilige Lektüre geschrieben worden ist. Die Verwendung von Ausdrücken wie "Nigger", um den Sklaven Jim zu beschreiben ist einfach sehr realistisch und gibt dem Buch die gewisse Authentizität. Huckleberry Finn ist als Charakter ein einfacher Geist, der diese Ausdrücke nicht hinterfragt. Dies war vermutlich damals so und die breite Masse hat es nicht besser gemacht. Eine Änderung dieser Ausdrücke, um das Buch politisch korrekt zu machen, würde erstens Huckleberry Finn als Charakter total ändern und zudem hätte das Buch als Spiegel der damaligen Zeit eine große Portion an Authentizität verloren. 

Huckleberry Finn ist ein Zeitroman, in dem Mark Twain  Themen wie Rassismus und Identität erforscht und dabei  indirekt einen kritischen Blick auf das soziale Klima des 19. Jahrhunderts gibt. Es ist eine schöne Lektüre, die einen Blick auf eine Zeit wirft, die es nicht mehr gibt und mit dieser Leitidee sollte das Buch meiner Meinung auch gelesen werden!

★ sehr lesenswert :)

Mittwoch, 19. August 2020

Cakes and Ale


Penguin Books 651  Published 1948; reprint 1977
Penguin Books 1948, 209 Seiten


Cakes and Ale ist mein erstes Maugham Buch und hat mir sehr gut gefallen. Wenn man sich nur irgendwie für Englische Literatur interessiert, kommt man eigentlich kaum vorbei an diesem Schriftsteller. Er ist einer, der das England, so wie wir es kennen, förmlich mitgeschrieben hat. Literatur hat nämlich sehr vieles zum Erscheinungsbild der Insel im Atlantik beigetragen. Wenn man von England spricht, spricht man auch von Tennyson und Shakespeare, Queen Victoria und Henry VIII, von Städten mit Häusern, die aus Torf gemacht sind, voller Erinnerung an Dinge, die für immer unverändert blieben und von Menschen, die den Fortschritt misstrauisch beäugen als ihn willkommen zu heißen, in dem Wissen, dass man sich bemüht, eine Ordnung zu bewahren, die alt und altmodisch ist und sich angenehm anfühlt, auch wenn sie manchmal einschränkt. 

Cakes and Ale nimmt uns mit in die Heimat der Bigotterie und ist voller Skandale, Affären, gescheiterter Ehen, Korruption und Gewalt. 

In Maughams Buch steht die Figur der Rosie Driffield im Kontrast zu ihrer Umgebung und der Menschen, die darin leben. Ihre Offenheit, Ehrlichkeit und sexuelle Freiheit machen sie zur Zielscheibe konservativer Angemessenheit. Einzig der Erzähler dieser Prosa Mr. Ashenden behandelt Rosie zuvorkommend, und dies nicht zuletzt, da er selbst mit ihr eine Affäre anfängt. Letztendlich enthüllt aber diese Affäre das Verständnis für Rosies Charakter, die wie eine Muse von ihren Verehrern gefeiert wird. Einer davon war auch der bekannte Schriftsteller Edward Driffield, der aber zu Beginn der Erzählung ins Gras beisst. So wird nun Mr. Ashenden von den Verwandten Edward Driffields dazu beauftragt seine Biografie zu schreiben. 

"Everything was soft about her, her voice, her smile, her laugh, her eyes, which were small and pale, had the softness of flowers, her manner was as soft, as the summer rain. She had the serenity of a summer evening when the light fades slowly from the unclouded sky" 

Indem sich also Mr. Ashenden in die Vergangenheit von Driffields Leben begibt, lernt die Leserschaft ein England kennen, das gar nicht einmal so weit weg zu sein scheint, denn viel hat sich nicht verändert. Die Affären der Lords, der Spagat zwischen den Gesellschaftsschichten, der tagtägliche Tratsch und Klatsch sind geblieben und so muss der Ich-Erzähler nun unterscheiden zwischen Wahrheit und dem, was man sich so über Edward Driffield erzählt und doch muss er taktisch wählen, weil er das Bild eines der bekanntesten Schriftstellers Englands wahren muss. 

"It must be that there is something naturally absurd in a sincere emotion, though why there should be I cannot imagine, unless it is that man, the ephemeral inhabitant of an insignificant planet, with all his pain and all his striving is but a jest in an eternal mind". 

Die Informationen in dieser Lektüre werden häppchenweise preisgegeben und zu Beginn hat man überhaupt keinen Plan worüber denn das Buch nun handeln wird. Ich hab das Buch in einem Verschenk-Laden gefunden und nur wegen dem schönen Titel Cakes und Ale mitgenommen. Irgendwie dachte ich mir auch nicht, dass ich es wirklich fertig lesen werde, aber nach den ersten 10 Seiten hatte mich W.Somerset mit seinem unwiderstehlichen Erzählsog total mitgerissen und ich konnte das Buch dann nicht mehr weglegen. Als Alroy Kear den Ich-Erzähler zu sich bittet, rätselt man nämlich, was der Sinn der Einladung ist, denn der gute Herr spricht über Gott und die Welt und will nun wirklich nicht zum Thema kommen, jedoch als der Tee endlich serviert wird, kommt er dann doch zur Sache und der Leser kann sich zurücklehnen und die Erzählung nimmt ihren Lauf. 

Geboten wird ein lang andauerndes gemächliches Geplauder und eine nette Literatursatire, die zum Schmunzeln verleiht. W.Somerset schreibt sehr angenehm und er lullt den Leser richtig ein, es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich auf die betroffen machende Geschichte von Erinnerung und Tradition zu konzentrieren. Cakes and Ale ist eine Geschichte voller Geschichten, die sich kreuzen, zusammen ein Stückchen des Weges bzw. des Romanes gehen und sich wieder trennen, aber im Großen und Ganzen nicht ohne einander existieren können. Somit ist die Geschichte Edward Driffields auch eine Geschichte seiner Zeitgenossen und der Umgebung in der er lebte. Der Leser erfährt also so einiges, das sich in dem kleinen Küstendörfchen Blackstabel ereignet hat und erkennt darin vielleicht seine eigenen Nachbarn wieder. Gewürzt wird das Ganze von ganz eigenartigen Charakteren, die man nun mal so in Englischen Büchern findet. Jeder davon hat Leichen im Keller und ihre Geheimnisse werden nach und nach enthüllt. Einfach spannend finde ich ! 

Für mich war dieses kurze Buch eine schön erzählte Lektüre und der Stil des Autors erinnert an so manchen Schmöker, mit dem man sich gern die Zeit vertreibt, weil das Lesen einfach Spaß macht und die bildhafte Sprache macht es leicht dem Erzählten gut zu folgen. W.Somerset vertraut auf die eigene Erzählkunst und kommt ohne viel Schnick Schnack aus, die langsame Erzählweise , das sich nach und nach dem Kern Nähern, lässt einfach bewegende Bilder vor uns entstehen und man kann das Buch nicht mehr beiseite legen. 

★ verschlungen!

Montag, 27. Juli 2020

Zwei alte Frauen

PIPER Verlag 2019, illustriert mit 119 Seiten

Mich hat im Juli die Leselust wieder heftig gepackt, ganze 6 Bücher habe ich gelesen, aber leider kaum die Zeit gefunden, um hier darüber zu schreiben. In meinem Notizbuch führe ich immer eine Liste mit Büchern, die ich lesen will und Velma Wallis Buch war da schon sehr lange vertreten. Leider kam ich nie dazu das Buch zu lesen, weil ich darauf gewartet habe es gebraucht irgendwo zu finden, aber es scheint so, dass es kaum gelesen wird und deswegen auch nirgends auftauchte in den 2nd-Shops, die ich abklapperte. Und auch im Netz gab es nicht viele Ausgaben und diejenigen, die ich fand, kosteten meist gleich oder mehr wie eine neue Ausgabe. So kam es also, dass ich mir das Buch neu bestellen musste, dies bereue ich aber in keinster Weise, denn das Buch ist wirklich gut!

Bei der Lektüre "Zwei alte Frauen" handelt es sich um eine Legende, die Menschen über viele Jahre ihren Zeitgenossen tradierten und kaum jemand im Athabaska-Dorf am Yukon Fluss (Alaska) kennt die Erzählung nicht. Für uns Europäer ist dies natürlich alles weit weg und wenn man nicht gerade selbst ein Subsistenzenleben führt und sich für derartige Literatur interessiert, kommt man kaum dazu Velma Wallis Buch zu lesen. Mich haben schon immer Bücher fasziniert, in denen Menschen noch ursprünglich mit der Umwelt koexistieren, ihre Lebensbedürfnisse durch Jagen, Fischen, Handwerken und dergleichen decken. Irgendwo glaube ich, dass wir für so ein Leben bestimmt sind und viele Probleme der heutigen Welt daher rühren, dass wir uns schon zu weit von unserer Umwelt und Natur entfernt haben. 

Wallis führt uns mit ihrer Erzählung in genau so eine Welt. Wer leben will, muss dies mit der Natur tun oder sterben. Gleich beim Einstieg in die Lektüre schildert Wallis die raue Wirklichkeit der erzählten Welt und der Leser wird von einem eiskalten Hauch von wehenden Nordwinden in die Erzählung katapultiert

Die Luft lag scharf, schweigend und kalt über dem weiten Land. Schlanke Fichtenzweige bogen sich unter der schweren Last des Schnees und warteten auf ferne Frühlingswinde. Die froststarren Weiden schienen in der grimmigen Kälte zu erzittern. Fern dort oben in diesem scheinbar so unwirtlichen Land lebte eine Schar von Menschen, die in Felle und Tierhäute gekleidet waren und dicht um kleine Feuerstellen hockten. S. 14

Dieser bitterkalte Winter bringt die Erzählung aber ins Rollen, denn durch die Hungersnot, die der Winter mit sich bringt, beschließt der Häuptling, wie es auch das Stammesgesetz vorschreibt, die beiden ältesten Frauen als unnütze Esser zurückzulassen, um den Stamm zu retten. Schutzlos zurückgelassen und völlig auf sich allein gestellt, fühlen sich die zwei zunächst verraten, doch diese Traurigkeit gibt ihnen einen Starken Willen zum Leben und treibt sie an. Es entflammen in ihnen ureigene Fähigkeiten, die sie längst vergessen geglaubt haben und die zwei alten Frauen erwachen zu neuem Leben. 

Viel zu häufig wird das Leben in der Natur romantisch verklärt und heutzutage wissen wir eigentlich kaum etwas darüber, wie es wirklich ist. Mag ein Jäger oder Fischer noch so geschickt sein, das Leben in der Natur ist und bleibt ein Glücksspiel. Die kleinste Laune der Natur, ein zu früher Frost oder das Ausbleiben einer Lachswanderung kann Tod durch verhungern bedeuten.

Die beiden alten Frauen beginnen also Fallen zu stellen, aus Tierfellen warme Kleidung zu nähen und schlagen sich gemeinsam durch die bitterkalte Jahreszeit und überleben bis zum Sommer. Aber auch im Sommer können sie sich nicht einfach zurücklehnen und den Müßiggang pflegen, denn sie haben allerhand zu tun, um sich für den nächsten Winter vorzubereiten und der Sommer im hohen Norden fällt sehr kurz aus. So sind sie tagein tagaus beschäftigt und es bleibt wenig Zeit, um Trübsal zu blasen.

Das Buch zeigt, wie wichtig es ist (alte) Menschen nicht abzuschreiben, sondern ihnen eine Aufgabe zu geben, in der sie ihre Lebenserfahrung einbringen können. Das Leben hört nicht auf, nur weil man ein gewisses Alter erreicht hat und so erleben die zwei manches Abenteuer und dieses ständige Beschäftigt- Sein füllt ihre Tage mit Sinn und macht sie zufrieden und glücklich. Wenn sie sich am Abend in ihren Zelten in die Tierfelle kuscheln, tun ihnen zwar alle Gelenke weh, doch der Geist ist erfüllt und macht die Schmerzen vergessen.

Die Message dieser Erzählung ist simpel und leicht verständlich. Leicht verständlich ist auch die Lektüre geschrieben und der Leser wird von einem Ereignis zum nächsten geführt ohne zu wissen was die Zukunft bringt. So bleibt das Buch spannend und auch die beiden Frauen wachsen einem ans Herz und man fragt sich, wie ihr Schicksal ausfallen wird. Eine schöne Geschichte, die zeigt, dass man im Leben eine Aufgabe braucht, um glücklich und zufrieden zu sein.

★ verschlungen!

Freitag, 12. Juni 2020

Jenseits aller Grenzen




Während ich so viele populäre Bücher und Serien liebe, sind manchmal total unbekannte und ins Vergessen geratene Bücher meine Favoriten. Richard Leos Buch hab ich einfach zufällig in einem Second Hand Shop in die Finger bekommen und schon allein wegen der Beschreibung auf der Buchrückseite mitgenommen. Alaska, Natur, Einsamkeit, Wildnis, Menschen auf der Suche nach Lebensinhalt - klar, musste das Buch mit !

Zu Hause angekommen, las ich dann auch recht schnell die ersten 50 Seiten und musste feststellen, dass es beladen ist mit Magie, Naturverbundenheit, Freiheit, Schnee und Kälte, Huskys und vielen anderen Dingen, die mir Spaß und Freude machen, weshalb ich dann auch beim Lesen sehr schnell das Gefühl hatte einen wahren literarischen Schatz ausgegraben zu haben. 

In diesem Buch beschreibt der Autor Richard Leo sein eigenes Leben, indem er aussteigt und zusammen mit seiner Freundin Melissa die Großstadt New York mit dem Leben in der unendlichen Einsamkeit Alaskas tauscht. Zu Beginn der Lektüre schildert der Ich-Erzähler und Autor sein Leben in der Großstadt New York, das einen Job im Büro enthält, Freunde und Familie und eine Frau an seiner Seite. Nichtsdestotrotz hat der Autor das Gefühl, dass ihm im Leben etwas fehlt. Er beschließt über Nacht New York zu verlassen und nach Alaska zu ziehen, da ihn seine Tagträume immer wieder in die vom Menschen verlassene Natur führen. In Alaska angekommen, bauen sie eine Blockhütte und leben zusammen mit ihrem kleinen Sohn Janus ein beschauliches Leben. Während die einfachen Dinge, wie die Schönheit der Landschaft, der Wechsel der Jahreszeiten und Fauna und Flora Richard Leo mit Glück und Zufriedenheit erfüllen, sehnt sich seine Freundin Melissa nach sozialer Interaktion und geistigem Austausch. Die Einsamkeit Alaskas ist zwar auch für sie am Beginn der Lektüre eine willkommene Auszeit, doch schon bald keimt in ihr das Gefühl auf davon erdrückt zu werden und sie verlässt Vater und Sohn schließlich, da ihr die lastende Stille unerträglich wird. 

Fortan spielt natürlich in der Lektüre der Bruch dieser Beziehung eine Rolle und wird immer wieder Thema sein, nichtsdestotrotz scheint dies kein Grund für Richard Leo dafür zu sein in Trübsal zu verfallen, wenn er doch von so viel Schönheit umgeben ist. So kommt es auch, dass ein einfacher Spaziergang mit dem Sohnemann durch die verschneite Winterlandschaft mit den Augen eines Menschen wiedergegeben wird, der den Schnee liebt, der das Glitzern des Eises für das vollkommenste Glück auf Erden empfindet und sich über Spuren von Elchen und Füchsen freut, wie ein Kind, das gerade die Fährte des Weihnachtsmannes gewittert haben muss. 

Es ist beneidenswert, wenn jemand mit so wenig so glücklich sein kann und diese Euphorie steckt an. Irgendwo auf Seite 110 oder schon vorher, hätte ich am liebsten meine Sachen gepackt und mich nach Alaska aufgemacht, um es ihm gleich zu tun. Richard Leos Buch ist inhaltlich wie stilistisch so konzipiert, dass das Lesen dieser Lektüre entschleunigt, mag es dadurch sein, dass der Autor eine angenehme Art zu Schreiben hat oder eben dadurch dass die Einsamkeit der geschilderten Landschaft und das gedämpfte Tip-Top von laufenden Schlittenhunden auf das Gemüt des Lesers abfärben. 

Gleichzeitig aber stellt man Richard Leos Welt zu seiner eigenen in Kontrast und muss verbittert feststellen, dass so wenige Menschen sich heutzutage über nicht materielle Dinge freuen können und man fragt sich, wohin diese Gabe eigentlich hin verschwunden ist, weil man ja prinzipiell gar nicht viel braucht, um glücklich zu sein.

Nach dem Lesen dieser Lektüre wurde man jedenfalls davon überzeugt, dass man wahres Glück finden kann, wenn man der Stimme seines Herzens folgt und es wagt sich fei zu machen, dafür, wofür man wirklich leben will. Dieser Wunsch lebt in vielen Menschen, jedoch haben die meisten einfach nicht den Mut, die geforderten Entbehrungen zu machen und somit geben sie sich lieber mit einem Leben ab, das sie zwar nie wirklich glücklich machen wird, dafür meinen sie sich aber in Sicherheit. Der Job, den sie haben, nervt zwar und frisst auf Dauer ihre Seele auf, doch zahlt er Rechnungen und deckt den Tisch mit Essen und erlaubt es im Warmen zu schlafen. 

Richard Leos Buch ist ein wundervoller Einblick ins Leben jenseits der Grenzen der Zivilisation (und modernden Welt). Es handelt vom Überleben in einer archaischen Wildnis, ist aber nicht zuletzt die bewegende wahre Geschichte von Vater und Sohn, die fern der Einflüsse des elektronischen Zeitalters und ganz frei von gesellschaftlichen Zwängen und Normen Freiheit und Glück finden. 

Ich empfehle dieses Buch jedem, der dem Wahnsinn von Großstadt und moderner Zivilisation überdrüssig geworden ist, jedem, der glaubt, dass es da noch mehr gibt als Konsum und Geld und jedem, der sich nach einer Auszeit sehnt in Stille und Einsamkeit. 

Mittwoch, 11. März 2020

Gebrauchte Bücher

Diese kleine Buchhandlung habe ich bei meinem letzten Budapest-trip besucht :))

Ah, gebrauchte Bücher, die müffeln doch so!? Höre ich immer wieder. Räusper...ja...auch. Aber irgendwie hat doch dieser ganz spezielle Geruch von alten Büchern seinen Charme. Ich muss bei alten Büchern irgendwie immer an die ganzen Fantasy-Filme denken, vor allem an "Die unendliche Geschichte" und an Herr Koreanders Buchladen. Somit assoziiert man alte Bücher automatisch mit Magie und altem Zauber. In vielen Serien oder  Filmen wird irgendwo ein altes und verstaubtes Buch ausgegraben, man denke an Charmed und die Zauberschwestern und ihrem Buch der Schatten oder an Buffy, die Dämonenjägerin und das mächtige Zauberbuch Vampyr

In der Bloggerwelt scheint der Zauber alter Bücher an nahezu jedem vorbeigegangen zu sein. Ich sehe leider auf fast jedem Blog immer nur die letzten Neuerscheinungen und überhaupt scheint jeder dasselbe zu lesen. Bei den vielen Fotos mit den Neuzugänge-Stapeln frage ich mich auch oft ernsthaft, ob die das alle auch tatsächlich lesen ?? Und falls ja, woher nehmen die alle die Zeit dafür? Alle paar Tage wird ein neuer Post veröffentlicht mit einer neuen Rezension, irgendwie kann ich denen das einfach auch nicht abkaufen. Nun ja...ich habe dann auch schon aufgehört Blogs zu lesen (bis auf ein paar Ausnahmen, die man in meinem Blogroll findet), weil mich das alles irgendwie einfach gelangweilt hat und ich mit diesen ganzen Büchern auf den meisten Blogs nichts anfangen kann. 

In diesem Post möchte ich ein wenig offenlegen, warum es sich lohnt auch alte und gebrauchte Bücher zu kaufen.

1. Alte Bücher sind sehr erschwinglich


Schon für wenige Cent bekommt man ein gebrauchtes Buch. Manche Online-Anbieter, wie Amazon oder Medimops haben zudem eine riesige Auswahl und es gibt kaum ein Buch, das man dort nicht findet. Auch ich habe schon Bücher auf Amazon um einen Cent gekauft. Ein neues Buch hingegen kostet da schon mal 30 Euro. Um 30 Euro bekomme ich 7 Kaffees in meinem Lieblingscafe, 6 Bier in meiner Lieblingskneipe und das ein oder andere Ticket für ein Konzert meiner Wahl. Hätte ich das Geld für ein neu gedrucktes Buch ausgegeben, würde es irgendwann in meinem Regal Staub fangen und alle heiligen Zeiten mal wieder hervorgeholt werden. Lohnt sich also nicht wirklich.

2. Bummeln in Second Hand Shops macht einfach Spaß


Kein Second Hand Shop gleicht dem anderen, sie sind immer liebevoll gestaltet und mit einer persönlichen Note der Inhaber versehen. Ich liebe es ! Das Stöbern in solchen shops macht einfach Spaß und es gibt vieles zu entdecken, das man in einem Standard-Laden, wo alles ein Einheitsbrei ist, nicht findet. Zudem habe ich in 2nd -Shops schon so viele Bücher und Autoren für mich entdeckt, die irgendwie schon ins Vergessen geraten sind. Bücher, die nicht mehr neu aufgelegt werden und deswegen auch kaum gelesen werden. Eine wahre Schatzgrube.

3. Bäume lieben gebrauchte Bücher


Die Klimakrise hat endlich auch das Nachdenken über ein nachhaltigeres Leben in die Köpfe der breiten Masse gebracht. Plastiksparen, Zero Waste und die Lebensmittelverschwendung sind in aller Munde und das ist großartig. Warum also nicht auch bei Büchern umdenken und zu einem gebrauchten Buch greifen und somit Bäume leben lassen. Jährlich werden zig Tausende Bücher gedruckt und verstauben dann zu Hause in den Regalen, das muss doch wirklich nicht sein.

4. Alte Bücher haben ihre eigene Seele


Was? Wie das denn?? Nun ja, so ein altes und gebrauchtes Buch ist schon durch manche Hände gereicht worden und dies hat natürlich Spuren hinterlassen. Kleine Notizen, die etwas von ihren Vorbesitzern verraten, Anekdoten und mit Leuchtmarker angestrichene Passagen. Somit erzählt das Buch eine eigene Geschichte zusätzlich zu der vom Autor verfassten und kein Buch gleicht dem anderen.

5. Sharing is caring


Ein gebrauchtes Buch leiht man vermutlich eher her als eines, das man um 30 Euro gekauft hat. Es macht auch nichts, wenn beim Lesen das ein oder andere Faux pas passiert. Kaffeeflecken oder Schokoladeflecken sind dann kein großes Drama. Und letztendlich geht es bei einem Buch sowieso nur um den Inhalt, sprich das Geschriebene selbst rückt wieder in den Vordergrund.

6. Tradition bewahren


E-Books sind vielleicht praktisch und für den Urlaub sicherlich eine Alternative, die in Erwägung gebracht werden kann, aber das gesamte Lese-feeling geht irgendwie verloren. Ich brauche einfach etwas, das man knicken und in der Hand formen kann, wie es einem gerade beliebt. Auch dieser Fakt spricht für alte und gebrauchte Bücher, da diese ja schon meistens irgendwie verformt sind und Eselsohren haben, da macht dann ein weiteres Knicken das Kraut auch nicht mehr fett :-D

7. Ästhetik



Diese McBeth Ausgabe ist doch einfach traumhaft, oder findet ihr nicht??

Ich habe mir auch schon einfach nur aufgrund der Gestaltung ein altes Buch gekauft und dieses der Neuausgabe vorgezogen, weil die neuen Bücher meistens total hässlich sind. Das Cover mancher Bücher wurde vermutlich in 5 Minuten am PC designt und hat absolut keinen Style. Bücher aus den 90ern hingegen sehen einfach schöner aus, wenn ich mir da z.B die alten Penguin Book Klassiker ansehe und sie mit den neuen Manesse Büchern vergleiche, wirken die Manesse Bücher irgendwie wirklich total hässlich dagegen. Die Buchcover passen überhaupt nicht zu den Geschichten selbst und die übertrieben knalligen Farben mochte man vielleicht in den 80ern, aber mittlerweile und überhaupt sind es eher klassische Looks, die die Zeit überdauern.

8. Man spart Geld


Wie in den anderen Punkten schon besprochen, sind gebrauchte Bücher einfach günstiger und helfen beim Geldsparen

9. Auflagen unterscheiden sich kaum


Meistens unterscheiden sich ältere Auflagen kaum von neueren. Der Käufer wird nur dazu verleitet die neuere Ausgabe zu kaufen, weil diesem das so eingeredet wird. Ich habe das auf der Uni selbst gemerkt, dass die älteren Ausgaben sich kaum von neuen unterscheiden. Schaut selbst mal nach :)))

10. Der Geruch alter Bücher


Der Geruch alter Bücher ist etwas Faszinierendes und Magisches. So unverwechselbar wie der Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee, von einem Waldspaziergang nach dem Regen oder von der Meeresbrise im Norden - man speichert ihn ab und mag ihn eben einfach. Vielleicht erinnert er auch ein wenig an Kindheit oder an den Großvater und seine Bibliothek, an die ehemalige Schulbibliothek, an was auch immer, es ist einfach ein schöner und unverwechselbarer Geruch, die letzte Magie auf unserer Erde.


Und wie seht ihr das?? Kauft ihr lieber gebrauchte oder neue Bücher? Und müssen Bücher für euch schön sein, damit ihr sie lesen würdet?? 

Sonntag, 8. Dezember 2019

Lockruf des Goldes



Ich habe in letzter Zeit viele Bücher angefangen und nach wenigen Seiten wieder weggelegt, weil sie mich einfach nicht fesseln konnten. Irgendwie wollte ich dann doch wieder ein Buch lesen, das mich so fesselte, dass  ich wieder einmal die Nacht durchlesen sollte. Die Frage war nur welches? In solchen Situationen greife ich gerne auf alt vertraute Autoren zurück. Autoren, dessen Bücher mir fast immer gefielen und die ich immer weiterempfehlen könnte. Ein solcher Autor ist für mich Jack London

Das Buch "Lockruf des Goldes" erzählt die abenteuerreiche Geschichte des Protagonisten Burning Daylight, der zwar von seiner Gestaltung zunächst wie ein übermenschlicher und arktischer Held wirkt, sich aber dann im Verlaufe der Erzählung selbst findet und am Ende erkennt, dass das wahre Glück erst durch das Stillen unserer Sehnsucht nach dem reduzierten Leben im Einklang mit der Natur zu finden ist.

Eingeführt wird man in die Erzählung indem man Dylights Leben in Alaska kennenlernt, wo er sich schon einen Namen gemacht hat und von seinen Mitmenschen geachtet und gefeiert wird. Keiner kann wie er die körperlichen Strapazen der Schlittenreisen ertragen und keiner hat seine Kraft, seine unerschöpfliche Energie und den Wagemut. Zudem verbindet sich dies alles mit Freigebigkeit, Gutmütigkeit und Kameradschaftlichkeit - rundum machen diese Eigenschaften Burning Daylight zu einem beliebten Zeitgenossen unter den Menschen in Alaska.

Die langen, kalten und dunklen Abendstunden werden mit Spielen verbracht. Daylights Spielernatur verhilft ihm zu manchem Sieg und als er schließlich auch noch als Goldsucher Erfolg hat und zu großem Reichtum gelangt, verschlägt es ihn in die Großstadt, wo er sich ins Finanzwesen stürzt und lernt mit den großen Finanzhaien mitzuschwimmen. Dass dort aber nicht Redlichkeit und Rechtschaffenheit, sondern erbarmungsloser Kampf und Ausbeutung des Schwächeren herrschen, wird ihm sehr schnell bewusst.

Die moderne Gesellschaft war ein riesiger organisierter, auf Ausbeutung der Schwachen und Minderbegabten berechneter Schwindel. Arbeit, rechtmäßige Arbeit war die Quelle allen Reichtums, nirgends aber sah man die rauhhändigen Söhne der Arbeit sich ihrer Früchte erfreuen. Fuhren sie in eigenen federnden Automobilen, kleideten sich in feine seidene Stoffe? Tausende, Hunderttausende saßen Nächte hindurch und schmiedeten Ränke, um sich zwischen die Arbeiter und die von diesen geschaffenen Dinge zu drängen. Die Ränkeschmiede waren die Unternehmer. Ihnen fiel der Gewinn zu, der durch kein Gleichheitsgesetz geregelt, sondern nur ddurch ihre eigene Stärke und Gemeinheit bestimmt wurde. S. 124

Als er schließlich übers Ohr gehauen wird, muss er sich anpassen und fortan mit falschen Karten spielen. Jedoch färben nach und nach die Grausamkeit und Menschenverachtung dieser Geschäftswelt auch auf ihn herab. Sein Körper verfällt vom Büroleben und seine Seele wird krank vom Alkohol.



So wie auch in seinen anderen Büchern beschreibt Jack London in "Lockruf des Goldes" das Leben in der modernen Gesellschaft (vor allem dem Ort "Stadt") als trost- und hoffnungslosen Ort der Vereinsamung und Isolation, der Entfremdung der Natur, Gesellschaft und vor allem vor sich selbst. Der von der Wildnis gestaltete und geformte Burning Daylight wird von der Stadt in Besitz genommen, besessen, zu einem geldgierigen Geschöpf und sinnenbetäubten Charakter gemacht. Dies wird ihm natürlich nicht selbst bewusst. Erst als Dede Mason in sein Leben trifft, wird er mit dieser Entwicklung schleichend konfrontiert, indem er sich in sie verliebt und von ihr wieder zurück zur Natur geführt wird. Die Begegnung mit Dede Mason verhilft Jack Londons Erzählung im letzten Drittel des Buches dann auch zu einer Liebesgeschichte. Ob diese nicht ganz uninteressante Liebelei letztendlich ein Happy End findet, liest  man aber am besten selbst nach. Bis man aber erfährt ob die beiden zusammenkommen, muss die Leserschaft Geduld üben und dies macht auch das Buch dann besonders spannend, weil man natürlich hofft, dass sich Burning Daylight zu seinen Wurzeln besinnt und das Herz der Frau gewinnt.

Und da trat Dede Mason in sein Leben. Fast unmerklich. Er hatte sie ganz unpersönlich engagiert, so wie er seine Büroeinrichtung angeschafft, seinen Laufjungen und Morrison, den einzigen Kontoristen und sein Faktotum, engagiert hatte.  S.125

Insgesamt hat die Erzählung eine berechtigte Portion Kritik an der Lebensweise der Menschheit, die vor allem vom Geld bestimmt wird. Das Geld trübt unsere Sinne und entfernt uns von den kleinen Dingen, die aber das Glück letztendlich ausmachen. So erkennt Burning Daylight am Ende, dass das einfache Leben das richtige Leben ist und dass er (und wir Menschen) ein Teil der Natur sind.

Das Besondere an Jack Londons Büchern liegt in der restlosen Unmittelbarkeit und Ehrlichkeit seiner Sprache und seinen Figuren. Auch wenn die Figuren oft unrealistisch erscheinen, haftet ihnen nicht wenig Mystik aus der Alltagsrealität an, was sie widerum erstens authentisch macht und zweitens interessant und drittens dann doch wieder greifbar. In Burning Daylights Fall zeigt sich dieses Phänomen einmal mehr und ich wurde wieder köstlich von Jack London unterhalten. Für mich müssen Romanfiguren einfach das Interesse an ihrem Schicksal wecken und über viele Seiten hinweg wachhalten. Dies gelingt Jack London hier wunderbar, indem er nicht nur eine spannende Figur kreiert, sondern seine Leserschaft an deren Abenteuern teilhaben lässt. So begleitet man Burning Daylight bei eisigen Temperaturen auf dem Schlitten durch Alaska, spielt mit ihm das Glücksspiel und kämpft um das Herz einer Frau und hofft dabei, dass alles ein gutes Ende finden möge. Ganz klar, dass man da das Buch nicht mehr weglegen kann.

★ verschlungen!

Sonntag, 3. November 2019

Losing Earth

Rowohlt Verlag 2019 / 234 Seiten 


"Losing Earth" ist leider kein Kultbuch, das irgendwelche Influencer auf instagram posten. Ich kannte das Buch auch nicht und bin zufällig drüber gestolpert als ich mal wieder auf der Homepage des Rowohlt Verlags gestöbert habe. Warum es kein Kultbuch ist, kann ich mir damit erklären, dass es eigentlich genau diesem ganzen Konsum-Wahn widerspricht, dem auf instagram so gut wie jede/r verfallen ist. Die App besteht mittlerweile nur noch aus Werbung und man wird von anderen Usern mit Markenware zugespammt. Immerhin spiegelt aber die App irgendwie auch das Konsumverhalten wieder, aber über instagram will ich nun hier nicht weiter sprechen.

Zusammengefasst legt "Losing Earth" offen, dass wir Menschen uns besser unseren Untergang vorstellen können als unsere Gewohnheiten aufzugeben. Wie Nathaniel Rich zu diesem Entschluss gekommen ist, liegt auf der Hand, man braucht nur in die Vergangenheit zu blicken. 

Die Klimakatastrophe, die wir nun schon spüren, hätte verhindert werden können. Anfang der 80er-Jahre als noch nicht alles so wie heute war, wo es noch echte Winter gab und das Ozonloch noch nicht völlig zerstört wurde, hätte die Menschheit es schaffen können, die Erde zu retten. 1979 erkennen nämlich zum ersten Mal in der Geschichte der Umweltlobbyist Rafe Pomerance und der Nasa-Forscher James Hansen, dass sich die Erde viel zu schnell erwärmt. Gleichzeitig zeigen sie auch auf, was  die Erwärmung begünstigt und wie diese verhindert werden kann und nennen auch Schritte, die vor allem die Politik hätte tun müssen, damit der CO2-Ausstoß, der  Hauptverursacher der desaströsen Erwärmungsbeschleunigung,  minimiert wird. Nach dieser Entdeckung entspinnt sich ein wahrer Kampf zwischen Wissenschaftlern und Politikern. Die einen im Versuch ihre Entdeckung publik zu machen und die anderen diese Entdeckung so schnell wie möglichst wieder unter den Teppich zu kehren und unbemerkt zu machen. Wenn man bedenkt, dass die 80er-Jahre die Hochblüte der fossilen Energiestoffe waren, dämmert dem Leser bzw. der Leserin auch recht schnell, warum das Interesse auf Seiten der Politik für die Umwelt kaum vorhanden war.

In diesem Buch werden wir also gleich einer Reportage über das Versagen der Politik bezüglich Umweltschutz aufgeklärt und zum Nachdenken gebracht. Das Buch macht wütend, hinterlässt einen fassungslos und vor allem bleibt die Frage offen, wie es in Zukunft mit der Welt wohl weitergeht. Wenn man Nathaniel Rich glauben kann, dann ist die Erde sowieso schon verloren und es mag auch tatsächlich so sein, dass er damit gar nicht so unrecht hat. Vielleicht sind wir Menschen auch einfach prädestiniert mit der Welt zusammen unterzugehen....

Ich fand dieses Buch sehr angenehm zu lesen. Auch LeserInnen, die normalerweise eher einen Bogen um naturwissenschaftliche Themen machen, sich gar nicht für Umweltschutz interessieren oder auch diejenigen, die sich noch nie über sowas Gedanken gemacht haben, werden hier leicht verständlich an die Thematik herangeführt. Mir gefiel auch der klare Schreibstil, der das Buch zu einem flüssigen und spannenden Lesevergnügen macht.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, es wäre gut, wenn dieses Buch mehr Menschen lesen würden und am besten auch weiterschenken! Also bitte lesen & weiter empfehlen!

★ verschlungen

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