Montag, 31. Dezember 2018

Landpartie

Manesse Verlag  2018 / insgesamt 739 Seiten /  München

Deutsche Literatur hat für mich den Beigeschmack trocken und langweilig zu sein. Oft fehlt den großen Werken der deutschen Literatur die Passion, die manch französischer Schriftsteller in seine Bücher packt oder wenn ich sie mit der englischen Literatur vergleiche, dann geht mir manchmal auch die Atmosphäre ab. Irgendwie verbinde ich deutsche Literatur dann auch sehr oft mit meiner Schulzeit, in der ich gezwungen war, all die "schwere Kost" zu lesen, die mein teenagerhaftes Denkvermögen einfach nicht imstande war zu begreifen. Und zugegeben, wer liest im Alter von 12 Jahren schon gerne Texte in Drama-Form? 

Einige Lichtblicke gibt es allerdings: Hermann Hesse, Michael Ende, Theodor Storm und Goethe zählen heutzutage zu meinen Lieblingsautoren, aber dann ist auch schon Ende im Gelände. Umso erstaunter war ich dann, als ich den deutschen Schriftsteller Eduard von Keyserling für mich entdeckte. Warum Keyserling als deutscher Schriftsteller betrachtet wird, ist mir zwar ein Rätsel, denn genau genommen, entstammte er eigentlich dem baltischen Zweig der ländlich-adeligen Familie Keyserlingk, die im heutigen Lettland ein Schloss namens Paddern bewohnte. Wer mich hierzu also genauer aufklären kann, möge dies tun! 

Wie ich nun auf Keyserling gestoßen bin, ist einfach. Es gibt da einen wunderbaren deutschen Verlag, der mit viel Liebe und Engagement Klassiker neu übersetzt und diese als Schmuckausgaben an den Mann / an die Frau bringt, sprich: ich stöbere immer wieder auf der Manesse -Homepage, wo mir auch Keyserlings Buch ins Auge gestochen ist. 

Keyserlings Werk "Eine Landpartie. Gesammelte Erzählungen" widmet sich bis auf ein paar Ausnahmen dem Leben der Adeligen des 19. Jahrhunderts und setzt dabei den Fokus auf die Jahreszeit Sommer. Das vom Verlag zusammengestellte Buch enthält mehrere Kurzgeschichten, die zum Großteil ihre Handlung im Sommer haben. Wobei ich auch sagen muss, dass bei Keyserlings Erzählungen nicht die Handlung selbst im Mittelpunkt steht. Vielmehr macht seine Erzählweise Lust auf die Geschichten, denn sie ist poetisch und fällt sehr lyrisch aus. Keyserling ist als Erzähler mehr Zuseher, der Situationen und Stimmungen wiedergibt, wie sie beispielsweise ein Maler machen würde, wenn er denn dazu Worte gebräuchte. Im Anhang der Manesse-Ausgabe beschäftigt sich auch Florian Illies mit Keyserlings Erzählkunst und gibt Tipps wie der Leser bzw. die Leserin einen Keyserling gebrauchen könnte. Darin findet er eine gute Erklärung, warum es der Autor schafft, so stimmungsvoll und detailreich einen Sommerabend zu beschreiben. Keyserling litt an Syphillis, die auch dazu beitrug, dass er erblindete und somit alle Erlebnisse vor seinem geistigen Auge heraufbeschwören musste. Natürlich ist allgemein bekannt, dass sich alle anderen Sinne verschärfen, wenn wir auf zB unser Sehvermögen verzichten müssen.

Die Geschichten in diesem Buch sind nicht abenteuerlich, nicht besonders spannend und haben wie bereits erwähnt nur wenig Handlung, aber dennoch macht das Lesen viel Spaß, weil Keyserling beim Lesen den Sommer mit allen Facetten heraufbeschwört. Die lauen Sommerabende mit zirpenden Grillen, der Duft des Heus und das Licht der Abenddämmerung werden greifbar. Und obwohl die Geschichten nicht wirklich traurig sind, haftet an ihnen eine gewisse melancholische Grundstimmung, die so ein Sommer nun mal in sich hat, denn wie jeder weiß, hat auch der schönste Sommer ein Ablaufdatum.

Apropo Ablaufdatum, da Keyserling von der Fin de Siècle Bewegung beeinflusst war, die in der Literatur den Fokus auf alles Kunstvolle und Schöne setzte und durch den technischen Fortschritt die Vorherrschaft des Adels gefährdet sah, weil man befürchtete, dass die Industriealisierung die Gesellschaftsschichten durcheinanderwirbeln würde, herrschte eine Endzeitstimmung und die AutorenInnen dieser Zeit verfielen in ihren Werken dem Weltschmerz und der Melancholie. Dies ist auch bei Keyserlings Geschichte nachzuempfinden, aber Keyserling hingegen hat eher Spot für die obere Gesellschaftsschicht übrig, weshalb der Adel in seinen Geschichten auch als gelangweiltes, dekadentes und sich selbst überlassenes Volk porträtiert wird. So sitzen die Figuren auch in "Landpartie" in ihren Residenzen, Wein trinkend und lästernd, während um sie herum der Sommer langsam vor sich hin stirbt und in all ihrem Luxus und in all ihrer Dekadenz, haben sie nichts Besseres zu tun als ihre Nasen in das Leben anderer zu stecken.

Mir hat das Lesen dieses Buches sehr viel Spaß gemacht! Keyserling ist efrischend, Keyserling ist poetisch und lyrisch und Keyserling beobachtet ohne zu werten. Wer also nun mit dicken Socken zu Hause sitzt und sich ein bisschen nach Sommer sehnt, dem empfehle ich dieses Buch wärmstens, denn mehr Sommer wird man in keinem anderen Buch finden!

★ verschlungen!

Dienstag, 4. Dezember 2018

Veganes Kürbis-Spinat-Risotto


Ich habe nun nach langem Hin- und Her entschieden, hier wieder Rezepte zu posten. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich seit einiger Zeit vegan lebe und mit meinen Rezepten gerne mehr Leute dazu inspirieren möchte, vegan zu kochen. Die vegane Küche ist vielseitig, gesund und umweltschonend. Es lässt sich eigentlich so gut wie jedes Gericht veganisieren, das macht Spaß und ist oft besser als die tierunfreundliche Variante. 

Zu Mittag gab es heute bei mir ein leckeres Kürbis-Spinat-Risotto. Das Rezept hab ich mir irgendwie aus dem Ärmel gezaubert und rausgekommen ist ein total schmackhaftes und herzhaftes Risottogericht, das ganz ohne Parmesan lecker schmeckt. 


Das Risotto gelingt sehr einfach und braucht nicht besonders viele Zutaten. Es ist ein einfaches Gericht, das aber mit viel Vitaminen und Spurenelementen gespickt ist. Für zwei Teller Risotto benötigt ihr folgende Zutaten:

  • 1 gr. Stück Muskatkürbis (ca 200g)
  • 1 Tasse Risotto-Reis (250g) 
  • 1 Handvoll frischen Spinat
  • 1 kl. Zwiebel 
  • 1 Knoblauchzehe
  • 4 EL Sojacreme oder Hafercreme
  • 1 Suppenwürfel 
  • 100 ml Weißwein oder den Saft von zwei Zitronen 
  • 2 El vegane Butter zB Alsan
  • Salz
  • Pfeffer
  • frisches Basilikum 
  • Petersilie
  • 1 Lorbeerblatt
  • reichlich Olivenöl


ZUBEREITUNG

Den Kürbis schälen und in mittelgroße Würfeln schneiden. Man kann den Kürbis auch raspeln, wie man mag. Zwiebeln schälen und in feine Würfeln schneiden, Knoblauch schälen und fein hacken. Danach den Suppenwürfel mit etwa 300 ml kochendem Wasser aufgießen und gut verrühren. Lorbeerblatt dazugeben und für 10 Minuten beiseitestellen. 

In einem Topf etwas Olivenöl erhitzen und die Zwiebel glasig dünsten, dann die gehackte Knoblauchzehe dazugeben und wenn diese Farbe annimmt den Reis dazugeben und scharf anbraten. Kürbiswürfel und 2 El Pflanzenmargarine dazugeben. Mit Weißwein ablöschen und den Reis mit Brühe aufgießen bis er vollkommend bedeckt ist.  Diesen Vorgang immer wiederholen, wenn das Wasser verkocht ist, bis die Brühe aufgebraucht ist.  

In der Zwischenzeit den Spinat waschen und in etwas Öl in eine Pfanne geben und zusammenfallen lassen. 

Sobald der Kürbis weich ist und das Brühewasser verkocht ist, gibt man den Spinat zum Reis und verfeinert diesen mit der Soja bzw. Hafercreme. 

Mit Salz, Pfeffer, Basilikum und Petersilie würzen. 

Dienstag, 9. Oktober 2018

Als ich im Sterben lag

Penguin Classics, 207 Seiten 

William Faulkner stand schon so lange auf meiner To-Read-Liste, dass ich mich nun ernsthaft frage, warum es so lange gedauert hat, bis ich endlich ein Buch von ihm gelesen habe. Zur Auswahl standen neben Als ich im Sterben lag auch seine Romane Schall und Wahn und Licht im August. Der Grund, weshalb es dann das zuerst genannte Buch wurde, ist simpel: Ich hab das Buch spottbillig in einem Second Hand Shop ergattert. 

William Faulkner ist unabhängig der Buchauswahl ein begnadeter Schriftsteller, den man gelesen haben MUSS! In seinen Romanen setzt er den Fokus auf die Südstaaten Amerikas und bearbeitet Themen wie Bürgerkrieg, Religion und den damit einhergehenden Aberglauben und gibt gleichzeitig eine kritische Sichtweise auf die Dekadenz der Reichen im Kontrast zum Leben und Sein der restlichen ärmeren Bevölkerung. 

Auch in dem Buch Als ich im Sterben lag sind die Protagonisten eher einfältige Menschen, Träumer, Märtyrer und Abergläubige. Geschildert wird ein kurzer Abschnitt in Anse Bundrens Leben, das vier Söhne und eine Tochter beinhaltet. Die Familie steht vor der Aufgabe, die vor kurzem verstorbene Mutter/Frau mitsamt Sarg in ihr Heimatdorf zu befördern, um diese dort zu beerdigen. Dabei erzählt Faulkner kapitelweise aus Sicht der jeweiligen Figuren und der Leser erschließt sich die Handlung durch 59 innere Monologe, die schon aufgrund der unterschiedlichen Figuren alle total anders ausfallen. Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, war es manchmal aber recht mühsam das Buch zu lesen, weil die Figuren aufgrund der schlechten Bildung nicht richtig fähig waren, Sätze grammatisch korrekt zu generieren. Die Sprache bleibt somit eher flach und bis auf die Schilderung von kurzen Landschafts- und Naturbeschreibungen bleibt wenig Raum für poetische Sprache. Auch setzt Faulkner den Fokus nicht auf die Handlung, die in diesem Fall der Transport der Verstorbenen ist, sondern auf die Psychologie seiner Figuren. Wer also lieber Bücher mit viel Handlung und Spannung bevorzugt, wird sich mit Faulkner vermutlich langweilen. 

"When I was a boy I first learned how much better water tastes when it has set a while in a cedar bucket. Warmish-cool with a faint taste like the hot July wind in the Cedar trees smells"

Immerhin bleibt dem Leser bzw. der Leserin die Zerrissenheit genau dieser Figuren, ihre Träume, ihr Hass und ihre Verzweiflung und all das schildert Faulkner so ausgeklügelt psychologisch und ermöglicht dem Leser / der Leserin dadurch, ganz nahe bei der erzählten Welt zu sein. 

"The sun, an hour above the horizon, is poized like a bloody egg upon a crest of thunderheads; the light has turned copper: in the eye portentous, in the nose sulphurous, smelling of lightning" 

Diese schnörkellose Sprache, aber auch der  Perspektivenwechsel mag nicht bei jedem Leser bzw. bei jeder Leserin ankommen, hat man es aber geschafft, sich damit anzufreunden, macht das Buch Spaß und man erkennt in allem, dass Faulkner ein guter Kenner des menschlichen Lebens war. Ich habe für dieses Buch einfach aus mehreren Gründen Sympathie empfunden. In erster Linie war es so einfach geschrieben, aber zum dargestellten Milieu hätte eine andere Schreibweise auch einfach gar nicht erst gepasst. Das Gesamtkonzept aus Figuren, Stimmung und den Problemen, mit denen sie kämpfen und hadern ist harmonisch und man wünscht es sich nicht anders.

Rory Gilmore Reading Challenge: 64 von 300 gelesen ;)

★ verschlungen!

Dienstag, 4. September 2018

DIY Blumen pressen

( und ein kl. Blog-Update )

Botanical Art sieht in der Wohnung total schön aus und man hat ein Unikat! 

Jaaaaaa...! Mich gibt es noch :))) aber in letzer Zeit bin ich eher wenig zum Bloggen und zum Lesen gekommen, das ändert sich hoffentlich bald wieder. Wie mir aber aufgefallen ist, geht es anderen Bloggern gleich. Naja, im Sommer ist man auch lieber draußen unterwegs und setzt sich ungern vor dem PC. Zum Lesen bin ich auch relativ wenig gekommen. Umso mehr freu ich mich auf den Herbst und auf viele Neuerscheinungen, vor allem auch im Bereich Klassiker. Einige davon sind schon auf dem Weg zu mir :)) Lasst euch also überraschen! Und bis bald! 

Aber da noch Sommer ist, will ich mein letztes DIY-Projekt mit euch teilen. Heute zeige ich euch wie man Botanical Art selber macht. Meistens sind diese Kunstwerke nämlich sehr teuer und schwer zu bekommen. Blumen pressen ist so alt wie die Kunst selbst, im viktorianischen Zeitalter war es sehr beliebt gepresste Blumen an die Wand zu hängen oder in schöne Bücheralben zu kleben. Die Blütedauer ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, eines ist aber gewiss, sie vergeht leider immer viel zu schnell. Durch das Trocknen und Pressen kann die Schönheit der blühenden Pflanzen sehr lange bewahrt werden. Und da gerade noch einiges nicht verblüht ist, hat man eine große Auswahl, momentan blüht ja fast alles! 

Für viele ist diese Technik mit Erinnerungen an die Kindheit verbunden, wer hat damals nicht in der Schule Kleeblätter und andere Wiesenblumen zwischen Löschpapier in einem dicken Buch getrocknet? Voller Aufregung wartete man auf das Ergebnis und war gespannt, wie die Pflanze dann am Ende aussehen wird.

Nachdem die Blumen getrocknet sind, geht es darum, die getrocknete Pflanze richtig zu positionieren, damit das Bild am Schluss auch von der Weite schön aussieht. Daher ist es wichtig, Pflanzen zu suchen, die große Blätter haben und am besten nimmt man weiße Blüten, da die Farbe während dem Trocknungsprozess sehr verblasst. Außerdem bekommen nur weiße Blüten diesen alt aussehnenden Vintage - Look, so als wäre das Bild tatsächlich 1800 hergestellt worden. Ich habe mich für Walderdbeeren und Gräser entschieden, weil ich die schon immer gern gehabt habe. Generell ist aber bei der Wahl zu beachten, dass es sich um Pflanzen handelt, die selbst nicht so viel Feuchtigkeit speichern, weil sie sonst zum Faulen anfangen. Damit die Pflanze schön mittig platziert wird, nimmt man ein Lineal zur Hilfe und misst vom Blattende 2 cm und markiert die Abmessung mit kleinen Punkten. Das macht man nun von jeder Seite und dann werden die Punkte einfach verbunden und es bildet sich ein Rahmen. Darin setzt man nun die Pflanze ein und achtet darauf, dass noch Platz für die Beschriftung übrig bleibt. Die gibt dem Bild dann das gewisse Etwas und diesen Botanical Art Look.

Die getrockneten Pflanzenteile klebt man am besten mit kleinen Tixostreifen an. Es ist nur wichtig, dass die Pflanze nicht verrutscht, man benötigt also gar nicht so viel Kleber. Zu guter Letzt kommt ein Stift in Einsatz, der die gleiche Schreibart wie eine dünne Füllfeder hat. Schwarze Gelroller eignen sich auch hervorragend. Dann schreibt man den lateinischen Namen, wie auf meinem Bild irgendwo neben der Pflanze hin und auf die andere Seite oder unterhalb druckt man sich mit Word dann die genaue Beschriftung aus. Sie enthält Angeben über den Ort, an dem die Pflanze gepflückt wurde, das Datum und wenn man mag auch die besonderen Merkmale der Pflanze. Dann sucht man noch einen schönen Rahmen aus und fertig ist das Vintage Botanical Art Bild.

Hier nochmals alles step-für-step zusammengefasst:

1) Blumen bzw. Pflanzen sammeln, die nicht zu dick sind und am besten weiße Blüten haben
2) Die ausgewählte Pflanze in ein zusammengefaltetes Löschpapierblatt legen und in ein dickes Buch zum Trocknen geben. Das Trocknen dauert in etwa 2 Wochen.
3) Vom Blattende 2 cm abmessen und an den Rändern kl. Punkte setzen. Die Punkte miteinander verbinden. Das macht man an allen vier Enden des Blattes. Die Pflanze wird nun in diesem Rahmen mittig positioniert und mit ein paar wenigen Tixostreifen festgemacht. Nicht übertreiben! Es reichen wirklich 3-5 kl. Streifen, je nach Pflanzenart und -größe.
4) Zum Schluss beschriftet man das Kunstwerk nun, so wie es bei meinem Bild oben zu sehen ist
5) Fertig! Aufhängen und freuen und an den Sommer denken, an dem man die Pflanze gesammelt hat :))

Montag, 21. Mai 2018

Peter Pan

Servus,

hier ist es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden, das hat aber gleichzeitig mehrere Gründe. Momentan bin ich dabei mein Studium abzuschließen und seit April habe ich mich auch um einen Husky-Welpen zu kümmern, der leider aus einer nicht artgerechten Haltung stammt und viel Aufmerksamkeit und Erziehung braucht. Ich hoffe, dass meine Süße Latikka bald bei mir einziehen kann, drückt mir die Daumen! Ich lieb sie sehr !! Viel Zeit zum Lesen blieb mir in letzter Zeit leider nicht. Außer Studienlektüre las ich viele Gedichtbände und ein paar kurze Krimis, die ich hier wahrscheinlich nicht vorstellen werde. Darüber hinaus blieb auch noch etwas Zeit, um die Geschichte von Peter Pan erneut zu lesen. Es muss Jahre her sein, als Kind liebte ich die Geschichte vom kleinen Jungen, der einfach nicht erwachsen werden wollte. 


Wir alle kennen den Inhalt mehr oder weniger. Irgendwann werden Kinder erwachsen - alle, außer Peter Pan. Ein Junge, der als Kind von zu Hause fortlief und seither auf der Insel Nimmerland lebt und zahlreiche Abenteuer widerfährt. Zusammen mit anderen verlorenen Jungen sehnt er sich aber heimlich nach einer Mutter und als er eines Abends auf Wendy und ihre Brüder trifft, ändert sich Peters Leben dann schlagartig und die Geschichte beginnt.   

When the first baby laughed for the first time, its laugh broke into a thousand pieces, and they all went skipping about, and that was the beginning of fairies. 

Peter Pan war immer eines meiner liebsten Märchen. Genau wie Peter Pan wollte ich für immer Kind bleiben und Abenteuer erleben, spielen und Schabernack treiben. Der rastlose Geist ist mir geblieben, aber heute, wo ich selbst doch erwachsen geworden bin, sehe ich die Geschichte dann doch reflektierter und die kritische Sichtweise, die ich mit Anfang 30 habe, erlaubt es nicht, die Geschichte wie früher zu lesen. 

Für ein Kinderbuch ist Peter Pan eigentlich recht düster, da aber Kinder nicht so reflektiert denken, wie Erwachsene konzentriert sich ihre Wahrnehmung der erzählten Welt auf andere Dinge als bei uns. Während dem Lesen hatte ich dann doch mehr Mitleid mit den Eltern, die voller Sorgen zu Hause sitzen mussten, während ihre Kinder einfach so aus dem Fenster flogen und sich auf und davon machten und ihre Eltern vergaßen. Peter Pan hat viele grausame Züge, verhält sich egoistisch und naiv, vergisst alles und stürzt sich ohne Nachzudenken in jedes Abenteuer (to die will be an awfully big adventure). Als er Wendy und ihre Brüder in sein Reich holt, konzentriert er sich primär auf Wendy und ihm ist dabei völlig egal, wie sie sich fühlt. 

 Peter Pan ist in Wirklichkeit ein einsames Kind, das gegen Piraten kämpft und wenn es einmal aussichtslos wird, sieht er sogar im Sterben das Abenteuer. Sterben tut er natürlich nicht, aber diese Todessehnsucht, wie sie auch bei anderen berühmten alterslosen Figuren zu finden ist, ist auch Peter Pan nicht fremd. Vergleichen wir dazu beispielsweise Dorian Gray. 


Zu Peter Pan gibt es ganz unterschiedliche Interpretationsansichten, James Matthew Barrie hat aber einmal offenbart, dass er in seinem Werk die Geschichte von verlassenen Kindern aufarbeitet und in Wirklichkeit handelt es sich bei den auf Nimmerland lebenden Jungen um sogenannte "Lost Boys", deren Anführer Peter Pan ist. Trotz der kritischen Aspekte, die die Erzählung innehat, liest sich das Buch flüssig und ist voller Abenteuer. Es lässt einen die Realität für eine kurze Dauer ausblenden und natürlich macht es Spaß mit Peter Pan durch die Gegend zu fliegen und zumindest fiktiv Schabernack  zu treiben für den es keine echten Konsequenzen gibt. Und auch wenn ich das Buch nun nicht mehr so lesen kann wie früher, mir bleibt immerhin der Vergleich und das möchte man nicht missen. Lest es Euren Kindern auf jeden Fall vor!

★ verschlungen!

Mittwoch, 4. April 2018

Die Schattenlinie


Joseph Conrad ist Weltliteratur, die meiner Meinung nach irgendwie ins Vergessen geraten ist. Es muss auch bei mir schon Jahre her sein, dass ich sein Buch Herz der Finsternis gelesen habe. Irgendwie ist auch vom Inhalt nicht mehr viel geblieben, weshalb ich mir nun vorgenommen habe, das Buch bald erneut zu lesen. Ich hatte auch ganz vergessen, wie gut Conrad schreiben kann. Als ich per Zufall dann auf der Hanser Homepage die Neuübersetzung seines Buches Die Schattenlinie sah, wollte ich es unbedingt lesen, da ich Conrad doch sehr positiv in Erinnerung hatte. 

Stilistisch gesehen, würde ich Conrad mit Flaubert gleichsetzen, so haben doch beide eine dichte Erzählweise, die Figuren bleiben aber oft unausgeschmückt und beide neigen zur Melancholie. Bei Conrad liegt dies mitunter daran, dass sein eigenes Leben recht turbulent verlief. Auch vor Selbstmord schreckte er nicht zurück, diesen aber überlebte er glücklicherweise dann doch noch. Allgemein bekannt ist aber die Tatsache, dass der Schriftsteller an Depressionen litt und erst als alter Mann mit seinen Büchern wirklich Erfolge verbuchen konnte. So litt er stets an Geldnot und erst als er sich dazu entschied, auf einem Schiff anzuheuern, ging es finanziell langsam bergauf für ihn. In seinen Büchern verarbeitet er dann die Erlebnisse auf hoher See und so fallen fast alle Geschichten dann autobiografisch aus. Die Literaturwissenschaft hat überaus viele Parallelen zum Leben und den Büchern Conrads nachgewiesen und dies ist auch bei dem Buch Die Schattenlinie nicht anders. 

Im Nachwort des Buches kann man den biografischen Hintergrund der Erzählung nochmals nachlesen und auch die Anmerkungen des Autors fügen noch einiges Wissenswerte über die Entstehung der Erzählung bei. Beides las ich doch sehr gern und insgesamt fand ich diese Informationen dann recht interessant. Hilfreich war auch das angeführte Glossar mit allen in der Geschichte vorkommenden nautischen Begriffen und diese zwei Lesezeichen sind auch farblich an die Buchgestaltung angepasst. Ein rundum schön verarbeitetes Buch. 

Die eigentliche Erzählung ist mit 182 Seiten eine kurze Geschichte, die sich um einen jungen Seemann dreht, der seine erste Fahrt als Kapitän eines Schiffes anzutreten hat. Die Reise steht von Anfang an unter keinem guten Stern, bevor das Schiff überhaupt in See sticht, wütet unter der Mannschaft das Tropenfieber und der junge Kapitän muss sich erstmals beweisen. So begibt sich der verträumte Mann auf das vom Tod begleitete erste Kommando und gerät mit dem Schiff dann in eine Flaute, wo es Tag um Tag nur noch im Kreis dahintreibt. Genug Zeit, um in düstere Stimmung zu verfallen, denn die begleitet den Leser das ganze Buch über. Teilweise hatte ich beim Lesen das Gefühl als hielte ich einen Roman aus dem viktorianischen England, ganz im Stile der gothic novels, in der Hand. Ich hatte Conrad als Schriftsteller gar nicht so düster in Erinnerung, aber wer mich kennt, der weiß ja, dass er damit zumindest bei mir genau ins Schwarze getroffen hat. 

Drei hohe Fenster blicken auf den Hafen. In ihnen war nichts zu sehen als die dunkelblau glitzernde See und das blassere Blau des Himmels. In der fernen Tiefe dieser Blautöne konnte ich den weißen Fleck eines großen Schiffes ausmachen, das gerade eingelaufen war und auf der äußeren Reede vor Anker ging. 

Und so verstreichen die Tage, bis nur noch zwei Mann vom Fieber verschont werden und der Kapitän sich überlegen muss, wie es weitergeht. Inzwischen muss er sich auch mit dem Geist seines Vorgängers rumschlagen und als er dann entdeckt, dass die an Bord gebrachte Medizin sich als nutzloses weißes Pulver entpuppt, trägt dies einmal mehr dazu bei, dass sich die Gedanken aller an Bord ins Unermessliche verdüstern. Eine zahnlose Hexe hat das Schiff ohne sein Wissen im Hafen von Bangkok verflucht. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich ein inneres Reifen, das den Kapitän zum verantwortungsbewussten Handeln zwingt und ihn durch Verzweiflung und Enttäuschung wachsen lässt. 

Es ist das Vorrecht der frühen Jugend, ihren Tagen voraus zu sein, in der herrlichen Fortdauer einer Hoffnung zu leben, die kein Innehalten kennt und keine Selbstbetrachtung [...] Die Zeit schreitet auch voran, bis man nicht weit voraus eine Schattenlinie sichtet, die einen mahnt, man müsse auch das Reich der frühen Jugend hinter sich lassen. 

Die Schattenlinie erweist sich als Entwicklungsroman vom unerfahrenen Jüngling zum schicksalserprobten Mann, der den Leser bangen und hoffen lässt, dass letztendlich doch alles ein gutes Ende finden möge. Spannend und voller Details aus dem Seefahrerleben schöpft Conrad nicht nur einmal aus eigenen Erfahrungen, die den Roman trotz Hang zum Übernatürlichen authentisch wirken lassen. Letztendlich sind es lebendige, leidende Menschen, von denen der Roman handelt. 

Ich habe die Geschichte regelrecht verschlungen und war von der ersten Seite von Conrads klarer und ausdrucksreicher Sprache begeistert. Von dem Buch habe ich mir eine Abenteuergeschichte erwartet und bekam diese auch. Darüber hinaus liebe ich alte Seefahrerromane und so hat mich Conrads Kurzerzählung ganz gut unterhalten. Die Hauptfigur bleibt aber, wie auch die Erzählung selbst, ein kleines Rätsel. Als Leser kann man ihn absolut nicht einschätzen. Zwar hat man Anteil an seinen Gedanken, diese bleiben aber auf ein paar düstere, sinnliche Eindrück, die durch die Wahrnehmung und durch Gefühle entstehen,  beschränkt. 

Fazit

Die Schattenlinie ist anspruchsvoll erzählt, begeistert durch eine düstere und abenteuerliche Stimmung und durch eine unermessliche Spannung, die den Leser bis zum Schluss fesselt und an die Erzählung bindet. Ganz große Literatur! 

★ verschlungen!

Montag, 26. März 2018

Andere Stimmen, andere Räume


Truman Capote kennt man vor allem aufgrund seines Erfolgsromans Frühstück bei Tiffany, aber sicher auch wegen dem exzentrischen Lifestyle, den er zu Lebzeiten führte. Er tourte mitunter mit den Rolling Stones durch die USA, arbeitete als Drehbuchautor, musste mehrmals ins Gefängnis, trieb sich im damals angesagten und doch so verschrieenen Nightclub Studio 54 rum und verfiel schließlich den Drogen und dem Alkohol, bevor er als einsamer, von Halluzinationen geplagter Homosexuelle im Alter von 59 Jahren starb. Sein Debütroman Andere Stimmen, andere Räume fand beim ersten Erscheinen nur sehr wenig Anklang, das bedeutet aber nicht, dass das Buch nicht lesenswert ist. Im Gegenteil. Andere Stimmen, andere Räume überzeugt vor allem durch die poetische Schreibweise des Autors und durch seinen Südstaaten-Flair. Was es sonst noch mit diesem recht unbekannten Capote-Buch auf sich hat, erfährt ihr in den nächsten Zeilen.

Truman Capotes Debütroman beschäftigt sich einmal mehr mit dem Thema des Erwachsenwerdens und hat wie alle seine Romane viel Autobiographisches zwischen den Zeilen versteckt. Der Protagonist Joel Knox entspricht so ganz und gar nicht seinem Umfeld. Er gleicht mehr  einem schwächlichen Weib als einem anständigen, von harter Arbeit geplagtem Südstaatenjungen: mädchenhafte Zartheit, gesträhntes Haar und ein verträumter Blick führen nun mal dazu, dass er sich total isoliert fühlt. Was treibt er also den ganzen Tag so vor sich hin?

Radclif musterte den Jungen über den Rand seines Bierglases hinweg, und was er sah, gefiel ihm nicht. Er hatte so seine Vorstellungen, wie ein richtiger Junge auszusehen hatte, und dieser hier verstieß irgendwie dagegen. Er war zu hübsch, zu zart, zu hellhäutig. 

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der erst 13-jährige Joel Knox nach Alabama zu seinem Vater und seiner Stiefmutter. Dort angekommen, muss er erst mal lernen, in der Einöde zu leben und bekommt die Aufgabe, sich um seinen Vater zu kümmern, der liegt nämlich todkrank im Bett und ist ohne fremde Hilfe nicht lebensfähig. Für einen 13-jährigen sicher kein leichtes Unterfangen. Im Verlaufe der Erzählung freundet er sich mit seinem Cousin Randolph an, der homosexuell ist und seine Tage rauschig im Halbschatten zubringt. Zu diesem Jungen entwickelt er eine intime Zuneigung und verliebt sich auch ihn. Außerdem gibt es da Idabel Thompkins, die mehr Junge als Mädel ist. Auch in sie verliebt sich Joel. Die Leserschaft erlebt wie hier Geschlechterrollen und Sexualität miteinander verschmelzen, keine Figur scheint homogen zu sein, alle schwimmen hier und dort mit und hängen irgendwie in der Luft. Diese unfesten Zonen, aber auch das Verschwimmen von Traum und Wirklichkeit machen das Buch zu einer Lesekost, die gewöhnungsbedürftig ausfällt. Noch dazu kommt, dass es keine wirkliche Handlung gibt und alles in einer Art geschildert wird, die von Eindrücken bestimmt wird.

Ein einsamer Landstrich ist das; und in den morastigen Niederungen, wo Tigerlilien, groß wie Menschenköpfe, blühen, gibt es lumineszierende Baumstümpfe, die im dunklen Moorwasser aufleuchten wie die Leiche Ertrunkener; oft regt sich weit und breit nur der winterliche Rauch, der sich aus dem Schornstein eines halb verfallenen Farmhauses  kräuselt, oder ein steifflügeliger Vogel, stumm und pfeiläugig, der über schwarzen, menschenleeren Fährenwäldern kreist.

Zwar gefielen mir diese Eindrücke sehr gut, weil schon beim Erstwerk Capotes deutlich wird, wie talentiert er als Schriftsteller war, aber insgesamt hätte ich mir dann doch eine struktuiertere Abfolge mit einer klaren Handlung gewünscht, ich tue mir da allgemein schwer mit solchen Büchern, in denen der Leser sich selbst überlassen wird und alle Einzelheiten selbst zusammenbauen muss, um einen Sinn hinter dem Erzählten zu erkennen. .

Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen, das liegt vor allem daran, dass ich einfach mag wie Capote schreibt. Obwohl seine Bücher im Vergleich zu anderen Autoren sehr einfach geschrieben sind, hat er eine besondere Art Dinge zu schildern. Er schafft es schnörkellos aber doch poetisch über Dinge zu schreiben und seine Sätze wirken irgendwie wie kleine Zauberstücke, die erst beim Lesen ihre volle Wirkung entfalten. Oft habe ich einfach die Sätze für sich gelesen ohne den semantischen Hintergrund erfasst zu haben, denn wie oben geschildert, war es für mich schwer das Buch zu lesen und eine Handlung mit Sinn dahinter zu sehen! 

Autobiographisch ist bei disem Werk vor allem der Bezug zu den Südstaaten und natürlich die Auseinandersetzung mit der menschlichen Sexualität, die dem Autor oft zum Verhängnis wurde. Aber auch die Gestaltung der Hauptfigur lässt Parallelen zum Autor vermuten, der ja selbst zierlich und blass war.  

Fazit: 

Capotes Roman ist nicht immer eindeutig zu verstehen, Joel spinnt sich seine Welt zusammen: Traum, Realität und Fantasie vermischen sich mit der Landschaft der Südstaaten zu einem skurrilen Roman, den man nicht einfach so in Worten fassen kann. Für Leser, die auch ohne Struktur gut auskommen.

★ ok
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